Berlin, 7. November 2025. Mit dem bevorstehenden Beginn der COP30-Klimakonferenz im Herzen des Amazonas fordert die International Campaign for Tibet (ICT) dazu auf, das Prinzip der „Just Transition“ („Gerechter Wandel“) in konkrete Realität zu überführen. Dafür muss die Weltgemeinschaft für die Rechte derer eintreten, deren Stimmen systematisch zum Schweigen gebracht werden – wie die des tibetischen Volkes.
ICT-Geschäftsführer Kai Müller: „Der Kommunistischen Partei ist es gelungen, Tibet im globalen Klimadiskurs weitgehend zu tabuisieren. Trotz der dramatischen ökologischen und sozialen Folgen von Megaprojekten in Tibet sparen Klima- und Umweltdialoge mit der chinesischen Regierung die Entwicklungen auf dem Hochland aus. Notwendige Kritik von großen Umweltorganisationen ist nicht zu hören.“
„Dieses Schweigen trägt dazu bei, dass die systematische Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen durch die chinesische Regierung in Tibet kaum internationale Aufmerksamkeit erfahren – obwohl sie massive Auswirkungen auf weite Teile Asiens und darüber hinaus haben. Das Schweigen muss durchbrochen werden. Die internationale Gemeinschaft muss China auffordern, einen gerechten und menschenrechtsbasierten Wandel umzusetzen“, so Müller.
So verursachen vom chinesischen Staat initiierte Wasserkraftprojekte an den Flüssen Tibets – oft fälschlicherweise als „grüne Energie“ verkauft –irreversible ökologische Schäden und vertreiben lokale Gemeinschaften. Diese Mega-Staudämme zerstören fragile Ökosysteme, gefährden die Wassersicherheit in großen Teilen Asiens und untergraben das kulturelle und spirituelle Erbe des tibetischen Volkes. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen zudem, dass neue Wasserkraftwerke erhebliche Mengen Methan freisetzen können – ein enorm klimaschädliches Treibhausgas.
Das Ausmaß des Problems:
- Eine aktuelle Studie der International Campaign for Tibet zeigt, dass China seit dem Jahr 2000 mindestens 193 Wasserkraftprojekte in Tibet initiiert oder geplant hat, von denen fast 80 % als Groß- oder Mega-Staudämme (>100 MW) klassifiziert sind.
- Das Herzstück ist das Medog-Wasserkraftwerk am Yarlung Tsangpo – ein auf 167 Milliarden US-Dollar geschätztes Projekt mit fünf Kaskaden-Staudämmen. Nach Fertigstellung soll es eine installierte Kapazität von 60 GW erreichen – fast das Dreifache der Leistung des Drei-Schluchten-Staudamms.
- Die Studie zeigt außerdem, dass Chinas Agenda im Falle der vollständigen Umsetzung 1,2 Millionen Menschen aus ihren traditionellen Lebensräumen vertreiben würde.
- Diese Projekte werden ohne freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) durchgeführt, verletzen internationale Standards und verweigern den Tibetern jegliche Mitbestimmung über Entscheidungen, die ihr Land, ihre Lebensgrundlagen und ihre Zukunft betreffen.
Kontakt:
Kai Müller
Geschäftsführer
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International Campaign for Tibet Deutschland e.V.
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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit 30 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.
