Berlin, 21. Mai 2026. Bereits seit Beginn ihrer Herrschaft in Tibet haben sich die chinesischen Machthaber in erheblichem Maße an den Ressourcen des Landes bedient. Eine aktuelle Recherche der International Campaign for Tibet (ICT) wirft nun ein Schlaglicht auf eine neue Facette der kolonialen Ausbeutung.
Vor einigen Jahren haben chinesische Unternehmen damit begonnen, in Tibet eine Fischproduktion im industriellen Maßstab aufzubauen. Vorreiter ist hier das chinesische Unternehmen Longyang Fresh, das im äußersten Nordosten Tibets jährlich 15.000 Tonnen Lachsforellen in Aquakultur produziert. Die Firma soll für 98 Prozent des gesamten chinesischen Forellen-Exports stehen, wobei ein guter Teil der Produktion auf dem Inlandsmarkt abgesetzt wird.
Aus Sicht von ICT ist die industrielle Fischproduktion in Tibet ein Musterbeispiel für die Ausbeutung eines besetzten Landes, die weder Rücksicht auf die Interessen der dort lebenden Menschen noch auf die Umwelt nimmt.
Die riesigen Netzgehege des chinesischen Fischproduzenten liegen im von China in den 1990er Jahren fertiggestellten Longyangxia-Stausee. Anfänglich nutzte der KP-Staat das riesige Gewässer vor allem zur Energiegewinnung und für die künstliche Bewässerung in insgesamt acht chinesischen Provinzen; die Fischproduktion kam erst relativ spät hinzu.
Dazu sagte ICT-Geschäftsführer Kai Müller: „Der Longyangxia-Stausee diente von Anfang an vorrangig chinesischen Interessen, den Preis dafür muss bis heute die mehrheitlich tibetische, örtliche Bevölkerung entrichten. Mehr als 50.000 Hektar Ackerland fielen dem Wasser zum Opfer, beinahe 30.000 Menschen wurden gezwungen, ihr angestammtes Land aufzugeben. Die internationale Gemeinschaft darf es nicht unwidersprochen hinnehmen, dass Chinas Großprojekte irreversible ökologische Schäden anrichten und Menschen vertreiben“, so Müller.
Schon lange ist bekannt, dass insbesondere offene Aquakultursysteme massive Auswirkungen auf ihre Umgebung haben können. Dies gilt umso mehr in einem sensiblen Ökosystem wie dem Hochland von Tibet. So verweist etwa die Umweltorganisation WWF darauf, dass absinkendes Futter und Fäkalien den Boden unter den schwimmenden Netzgehegen verschmutzen können. Der Boden unter den Käfigen ist oft hoch belastet mit Antibiotika und Pestiziden.
Leider aber werden Tibeter, die sich für den Schutz von Umwelt und Natur einsetzen, von den chinesischen Behörden regelmäßig verfolgt und drangsaliert. Darauf wies im Jahr 2024 etwa die UN-Sonderberichterstatterin für den Schutz von Menschenrechtsverteidigern, Mary Lawlor, in ihrem turnusmäßigen Bericht an die UN-Generalversammlung hin. Fälle wie der des tibetischen Umweltaktivisten Tsongon Tsering zeichnen ein plastisches Bild der bedrückenden Lage in Tibet.
ICT-Geschäftsführer Kai Müller: „Neben Chinas rücksichtslosem Bergbau und den verheerenden Auswirkungen von Chinas-Mega-Dämmen zeigt sich auch an der industriellen Fischproduktion in Tibet ein klares Muster, das sich auf weitere Bereiche übertragen lässt: Die Interessen des Staates und der chinesischen Unternehmen stehen über allem, die der Tibeter zählen überhaupt nichts. Kontrollinstanzen wie eine unabhängige Justiz oder eine freie Presse existieren nicht, Protest oder gar Widerstand führt zu ‚Verschwindenlassen‘, Folter und Haft“, so der ICT-Geschäftsführer.
Seit mehreren Jahren versuchen die Pekinger Machthaber, das Wort Tibet flächendeckend durch den chinesischen Kunstbegriff „Xizang“ zu ersetzen. Nur wenigen dürfte bewusst sein, wie verräterisch diese Bezeichnung in Wahrheit ist. So lässt sich „Xizang“ auf Deutsch mit „westliches Schatzhaus“ übersetzen – ein deutlicher Hinweis auf das wirtschaftliche Potenzial Tibets, das der KP-Staat für sich ausbeuten will.
Kontakt:
Kai Müller
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International Campaign for Tibet Deutschland e.V.
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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit 30 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.
