Tibetische Aktivistin
soll Selbstmordversuch
unternommen haben
Quelle: ICT
Die chinesischen Machthaber haben maximalen Aufwand betrieben, um sicherzustellen, dass während des Besuchs von KP-Chef Xi Jinping in Lhasa jeglicher Protest unterbunden wurde. Sie schränkten die Bewegungsfreiheit tibetischer Aktivisten massiv ein und hinderten diese daran, in die tibetische Hauptstadt zu gelangen. Nichts sollte auch nur im Ansatz die erwünschten Propagandabilder der Feierlichkeiten zum 60-jährigen Bestehen der sogenannten „Autonomen Region Tibet“ (TAR) stören.
Exemplarisch dafür steht der Fall der tibetischen Aktivistin Gonpo Kyi, die sich seit Jahren mit öffentlichem Protest für ihren zu Unrecht inhaftierten Bruder einsetzt. Sie fordert die Freilassung von Dorjee Tashi, der seit 2008 im Drapchi-Gefängnis in Lhasa eine lebenslange Haftstrafe verbüßt. Offiziell wurde er wegen Kreditbetrug verurteilt, tatsächlich aber soll er sich geweigert haben, korrupten lokalen Beamten gefällig zu sein. Dorjee Tashi beteuerte stets seine Unschuld, selbst unter Folter während der Verhöre in Untersuchungshaft.
Sitzstreiks vor Gerichtsgebäude: Gonpo Kyi fordert die Freilassung ihres Bruders
Nachdem alle offiziellen Wege ausgeschöpft waren, um Gerechtigkeit für ihren Bruder zu erlangen, begannen Gonpo Kyi und ihre Familie im Juni 2022, sich offen für seine Freilassung einzusetzen. Mehrfach hielt sie Sitzstreiks vor dem Volksgericht der TAR in Lhasa ab, die chinesischen Behörden begegneten dem mit körperlichen Übergriffen, Haftstrafen und Hausarrest. Im Februar 2024 appellierte Gonpo Kyi direkt an Chinas obersten Führer. Während ihres Sitzstreiks vor dem Obersten Volksgerichts in Lhasa hielt sie ein großes Porträt von Xi Jinping hoch.
Ein weiterer Bruder von Gonpo Kyi, der sich ebenfalls für die Freilassung von Dorjee Tashi eingesetzt hatte, wird derzeit in der Präfektur Lhoka festgehalten. Während des Besuchs von Xi Jinping hinderten ihn die chinesischen Behörden daran, nach Lhasa zurückzukehren.
Faktischer Hausarrest in Hotel
Am 18. August versuchte Gonpo Kyi, ihr Hotel zu verlassen, um einen Besuch bei ihrem inhaftierten Bruder zu beantragen. Chinesische Sicherheitsbeamte hinderten sie daran und brachten sie gewaltsam in das Hotel zurück. Als Gonpo Kyi am Folgetag erneut versuchte, das Hotel zu verlassen, wiederholte sich der Vorgang. Mehrere Polizisten in Zivil stellten sich ihr in den Weg. In einem von ihr selbst aufgenommenen Video erklärt Gonpo Kyi, dass ihr Recht, ihren Bruder zu besuchen, systematisch behindert werde. Durch das Vorgehen der chinesischen Behörden stand sie faktisch unter Hausarrest.
Nach dieser wiederholten Einschränkung ihrer Rechte und ihrer Bewegungsfreiheit, soll Gonpo Kyi am 20. August einen Selbstmordversuch unternommen haben. Offenbar stürzte sie sich aus dem zweiten Stock ihres Hotels. Berichten zufolge überlebte sie den Sturz, erlitt jedoch schwere Verletzungen an Bein und Rücken.
* Bild oben: Gonpo Kyi protestiert am 31. Januar 2023 vor dem Obersten Volksgericht der Autonomen Region Tibet in Lhasa. Ihr Schild trägt die Aufschrift „Das Oberste Volksgericht Tibets pervertiert das Gesetz“.
