«Sinisierung» des
Buddhismus getarnt
als «Bildungskampagne»

 

Foto: UFWD Ngari*

Zum 1. Juli 2026 soll Chinas Gesetz über „ethnische Einheit“ in Kraft treten, das die Vorrangstellung von Mandarin-Chinesisch in der gesamten Volksrepublik China festschreibt. ICT befürchtet, dass es zu einer massiven Verschärfung der Zwangsassimilierung führen könnte.

Doch bereits jetzt müssen Mönche in Tibet viel Zeit darauf verwenden, „um die Sprache ihrer Herrscher zu lernen“, wie es in einem Bericht der „Tibetan Review“ heißt. Zeit, in der sie sich nicht ihren Aufgaben als Mönche oder dem Studium der tibetischen Grammatik und der heiligen Schriften widmen können.

Mandarin-Chinesisch soll das Tibetische verdrängen

Mehrere Berichte der chinesischen Propagandamedien liefern Hinweise darauf, wie die chinesischen Machthaber dabei vorgehen. So behauptet etwa das staatliche chinesische Propaganda‑ und Nachrichtenportal „China Tibet Online“ in einem Artikel, die Mönche des Klosters Dodong lernten „eifrig die Landessprache“.

Gemeint ist damit natürlich Mandarin-Chinesisch, nach den Vorstellungen Pekings soll es in Zukunft alle anderen Sprachen einschließlich des Tibetischen verdrängen. Nicht umsonst sind Tibets Klöster neben den chinesischen Zwangsinternaten für tibetische Kinder der wichtigste Ansatzpunkt für die chinesischen Planungen.

Schließlich spielen die Klöster eine entscheidende Rolle bei der Bewahrung und Weitergabe der kulturellen, religiösen und sprachlichen Traditionen Tibets. Sind sie einmal dieser Fähigkeiten beraubt, so das Kalkül der Machthaber, könnte der Fortbestand der tibetischen Sprache ernsthaft in Gefahr geraten.

Dieses Bild soll tibetische Mönche beim Chinesischlernen zeigen. (tibet.cn/WeChat*)

Kampagne zur Auslöschung der tibetischen Kultur und Sprache

Das Kloster Dodong liegt in der Nähe der Kreisstadt Pome in der Präfektur Nyingthri der sogenannten Autonomen Region Tibet (TAR), die ungefähr die Hälfte der Fläche Tibets ausmacht. Die andere Hälfte des Landes – und damit auch deren Bewohner – wurden hingegen zum großen Teil als sogenannte „Tibetisch Autonome“ Landkreise und Präfekturen den chinesischen Provinzen Qinghai, Gansu, Sichuan und Yunnan zugeschlagen.

Pekings Propagandisten versuchen, ihre Kampagne zur Auslöschung der tibetischen Kultur und Sprache in freundlich klingende Worte zu verpacken. So hätten sich die Mönche des Klosters Dodong „aktiv mit der nationalen Standardsprache und dem Wissen der modernen Gesellschaft auseinandergesetzt“. Ihr Ziel sei es, „sich besser an die moderne Gesellschaft anzupassen“, behaupten Pekings Propagandisten.

Mitverantwortlich für die Umsetzung derartiger Kampagnen sind in der Regel die von KP-Kadern dominierten sogenannten Verwaltungskomitees der Klöster. Diese sollen dafür sorgen, dass Denkweise und Verhalten von Mönchen und Nonnen umgestaltet werden. Dabei geht es um nicht weniger als die Transformation des tibetischen Buddhismus im Rahmen von Chinas neuer Kulturrevolution in Tibet. Tatsächlich muss man davon ausgehen, dass die Mönche des Klosters Dodong keine andere Wahl hatten, als die Chinesisch-Kurse mitzumachen.

Mönche sollen „aktiven Dienst an der Gesellschaft“ leisten

Bei Licht betrachtet geht es bei diesen Kursen um deutlich mehr als nur um Spracherwerb. Unübersehbar transportieren sie auch kommunistische Ideologie. So sei der Chinesisch-Unterricht „ein wichtiger Weg, um das Bewusstsein für die Gemeinschaft der chinesischen Nation zu festigen“. Die Mönche sollten „zum aktiven Dienst an der Gesellschaft“ angeleitet werden – gemeint ist damit natürlich eine Gesellschaft nach den Vorstellungen der chinesischen KP.

Auch dieses Bild soll tibetische Mönche beim Chinesischlernen zeigen, diesmal unter freiem Himmel. (tibet.cn/WeChat*)

Deutlich zeigt sich dies beispielsweise an den „Studienreisen“, die „Mönchen und Nonnen eine bessere Integration in die moderne Gesellschaft“ ermöglichen sollten. Diese führten Mönche „zu Stätten der patriotischen Erziehung“, wie sie im Rahmen des sogenannten „Roten Tourismus“ an vielen Orten entstanden sind.

Ein dem Artikel beigefügtes Foto zeigt Mönche des Klosters Dodong-beim Besuch der Ausstellung „Rotes, schönes Dorf“ im Dorf Bakang. Diese halten ein Banner mit der Aufschrift „Das rote Erbe weitertragen und Kraft für das Voranschreiten schöpfen“.

„Umfassende und strenge Regulierung des tibetischen Buddhismus“

Ein weiteres Beispiel für das Vorgehen der chinesischen Machthaber findet sich auf dem WeChat-Kanal der Abteilung für Einheitsfrontarbeit der KP (UFWD) der westtibetischen Region Ngari. Der Artikel berichtet über eine sogenannte Bildungskampagne im religiösen Bereich mit dem Titel „Gesetze studieren, Gebote einhalten, das eigene Verhalten verbessern, ein positives Image aufbauen“. Die Einheitsfront gilt als wichtiges Machtinstrument der Kommunistischen Partei Chinas und ist unter anderem für deren Religionspolitik zuständig.

Selbstverständlich darf auch hier der obligatorische Verweis auf „die wichtigen Ausführungen von Generalsekretär Xi Jinping zur Religionsarbeit“ nicht fehlen, die man „gründlich umsetzen“ wolle. Außerdem gelte es, „die Ausrichtung der Religion in China auf die chinesische Kultur fest zu verankern und die umfassende und strenge Regulierung des tibetischen Buddhismus voranzutreiben“.

Mönche des Klosters Dodong beim Besuch der Ausstellung „Rotes, schönes Dorf“ im Dorf Bakang. Auf dem Banner steht „Das rote Erbe weitertragen und Kraft für das Voranschreiten schöpfen“. (Foto: tibet.cn/WeChat*)

Permanente Umerziehungskampagne

Mittels ihrer „Sinisierungs“-Kampagne wollten die Funktionäre der KP-Einheitsfront „das Rechtsbewusstsein der Mönche und Nonnen deutlich verbessern und die Entwicklung der Lehrtradition in den Klöstern stetig standardisieren“, so der Artikel. Übersetzt aus der KP-Sprache heißt dies nichts anderes, als dass die davon betroffenen Mönche und Nonnen einer permanenten Umerziehungskampagne ausgesetzt sind.

Neben der Einheitsfront der KP spielt dabei auch die Buddhistische Vereinigung Chinas (BAC) eine wichtige Rolle. Deren regionaler Ableger habe in 41 Klöstern „spezielle Beratungssitzungen zur Rechtsaufklärung“ sowie zur Bildungskampagne „Gesetze lernen, Gebote einhalten, das eigene Verhalten verbessern, ein positives Image aufbauen“ durchgeführt und drei Seminare abgehalten.

Die BAC gilt als Instrument der Kommunistischen Partei, zu ihren erklärten Zielen gehört die „Sinisierung des Buddhismus in China“. Zudem setzt man sich dafür ein, „die Führung der Kommunistischen Partei Chinas und des sozialistischen Systems dabei zu unterstützen, Xi Jinpings Gedanken zum Sozialismus chinesischer Prägung neu zu studieren und umzusetzen“.

* Die besprochenen Artikel finden sich auf den WeChat-Kanälen von China Tibet Online (tibet.cn) und der KP-Einheitsfront (UFWD) der Präfektur Ngari.

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