Dalai Lama schreibt
Kondolenzbrief an Witwe
des «lieben Freundes»

 

Foto: ICT

Die International Campaign for Tibet (ICT) trauert um Robert Thurman. Der bedeutende Religionswissenschaftler, Mitgründer des Tibet House in New York, Autor und Übersetzer verstarb am 16. Juni in Woodstock, im US-Bundesstaat New York. Thurman wurde 84 Jahre alt.

ICT würdigt Robert Thurman als „unermüdlichen Fürsprecher des tibetischen Volkes, seiner Religion, Kultur und Lebensweise.

Auch in den deutschsprachigen Medien finden sich zahlreiche Nachrufe auf Thurman. In der Regel versäumen sie es nicht, auf seine berühmte Tochter, die Schauspielerin Uma Thurman, hinzuweisen. In Einzelfällen gehen die Artikel aber auch auf die lange Freundschaft ein, die den Verstorbenen mit dem Dalai Lama verband.

Thurman machte den Buddhismus zugänglich

Vermutlich wären ohne Robert Thurmans Wirken Tausende von Menschen in aller Welt nie mit dem tibetischen Buddhismus in Berührung gekommen. Der emeritierte Professor der Columbia University machte den Buddhismus für die amerikanische Bevölkerung zugänglich.

Thurman vermittelte die Religion so, dass sie von einem westlichen Publikum besser verstanden werden konnte. Über Jahrzehnte hinweg organisierte er Lehrveranstaltungen des Dalai Lama in New York. Zudem verfasste er mehrere bedeutende Bücher über den tibetischen Buddhismus und den Dalai Lama.

Im Jahr 2003 zeichnete ICT Robert Thurman mit dem „Light of Truth“-Preis aus, um seine großen Verdienste um das öffentliche Verständnis für Tibet und sein Volk zu würdigen. Er erhielt die Auszeichnung aus der Hand des Dalai Lama persönlich (Foto oben).

Richard Gere würdigt Thurmans Verdienste

„Bob war ein treuer Freund und unermüdlicher Fürsprecher des tibetischen Volkes und Seiner Heiligkeit des Dalai Lama. Durch die Mitbegründung des ‚Tibet House New York‘ konnten wir gemeinsam viel dazu beitragen, das Bewusstsein für die Tiefe der tibetischen Kultur sowie für die Wahrheit über die chinesische Invasion und die bis heute andauernde Besatzung zu schärfen“, sagte der Internationale Vorsitzende von ICT Richard Gere.

„Mit der Organisation des äußerst erfolgreichen ‚Internationalen Jahres Tibets‘ 1991 initiierten wir eine Vielzahl von Aktivitäten in verschiedenen Teilen der USA und der Welt. Tibet stand in jenem Jahr im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Bob war ein absolut einzigartiger, brillanter und charismatischer Freigeist. Sein Verlust ist ein Schock“, so Gere.

Kondolenzbrief des Dalai Lama an die Witwe des „lieben Freundes“

Das Tibet House in New York veröffentlichte ein Kondolenzschreiben des Dalai Lama an die Witwe des Verstorbenen. Darin heißt es, dass er mit großer Traurigkeit vom Tod seines „lieben Freundes“ erfahren habe.

Der Dalai Lama unterstreicht die „viele Jahre währende, herzliche Freundschaft“ mit Robert Thurman. Sie habe bestanden, „seit wir uns Ende der 1960er Jahre in Indien erstmals begegnet sind“. Er würdigt das „wirklich außergewöhnliche“ Wissen des Verstorbenen über den Buddhismus und betont seine Beherrschung der tibetischen Sprache.

Der Dalai Lama weiter: „Er verstand zutiefst, dass das Überleben der tibetisch-buddhistischen Kultur untrennbar mit der Zukunft Tibets selbst verbunden ist. Ich habe seine Bemühungen im Dienste des tibetischen Volkes und seiner Kultur sehr geschätzt, die sich sichtbar in Institutionen wie dem Tibet House ausdrücken.“

Als erster Westler vom Dalai Lama ordiniert

Nachdem Thurman zunächst bei Geshe Wangyal Tibetisch gelernt und Buddhismus studiert hatte, reiste er nach Indien. Dort wurde er Mönch und empfing die Ordination durch den Dalai Lama – als erster Westler, dem diese Ehre zuteilwurde. Im Jahr 1987 war er Mitbegründer des Tibet House in New York. Die gemeinnützige Organisation widmet sich der Bewahrung und Wiederbelebung der tibetischen Kultur.

Robert Thurman hatte bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2019 den Lehrstuhl für indo-tibetische buddhistische Studien (Je Tsongkhapa Professor) an der Columbia University inne. Er galt als weltweite Autorität auf den Gebieten Religion und Spiritualität, asiatische Geschichte, Philosophie und tibetischer Buddhismus. Vor dem US-Kongress sagte er über die Lage in Tibet aus. Dabei betonte er, wie wichtig es sei, dass die Vereinigten Staaten das tibetische Anliegen nachdrücklich unterstützen.

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