Alle buddhistischen
Klöster müssen Flagge
des KP-Staats hissen

 

Foto: UFWD Ngari/WeChat*

Drei aktuelle Berichte der chinesischen Staatspropaganda verdeutlichen, unter welch enormem Druck Mönche und Nonnen in Tibets Klöstern stehen. Konkret geht es dabei etwa um die symbolische Unterwerfung des Buddhismus unter den KP-Staat. Beispielhaft zeigt sich diese im Zwang, stets die chinesische Flagge zu hissen.

Ein anderer Bericht handelt von einer Art Inquisitionsvisite kommunistischer Kader im nordosttibetischen Kloster Kartse (chin.: Cuowa Gaze). Dabei hätten die Funktionäre als sogenannte „Aufklärungsgespräche“ bezeichnete Verhöre mit den Mönchen geführt, bei denen es nicht zuletzt um „ideologische Erziehung“ gegangen sei.

Der dritte Bericht schließlich widmet sich einer Sitzung im nordosttibetischen Kloster Dehelong im Landkreis Chikdril (chin.: Jiuzhi). Gänzlich unverblümt formuliert der Artikel dabei die Erwartung, die Verwaltung des Klosters solle „an der umfassenden Führung der Partei festhalten“. Alle drei Berichte sind auf WeChat-Kanälen der KP-Einheitsfront, auch bekannt als Vereinigte Arbeitsfront, erschienen.

Tibets Klöster müssen Chinas Flagge zeigen

Am 15. Juni berichtete die Vereinigte Arbeitsfront (UFWD) der westtibetischen Präfektur Ngari auf ihrem WeChat-Kanal über das Kloster Purang. Die dortigen „religiösen Kreise“ setzten sich „konsequent für die ordnungsgemäße Verwaltung der Nationalflagge“ ein, so die KP-Propagandisten. Grundlage sei das „Gesetz der Volksrepublik China über die Nationalflagge“.

In allen 13 Klöstern des Landkreises Purang werde die „tägliche Pflege und der regelmäßige Austausch der Nationalflagge“ strikt umgesetzt. Verblasste oder beschädigte Flaggen würden selbstverständlich rechtzeitig ersetzt, um so „die Würde und Feierlichkeit der Nationalflagge wirksam zu wahren“.

Offensichtlich kann man den symbolischen Wert des Flaggenhissens kaum überschätzen. Die Unterwerfung des tibetischen Buddhismus unter die chinesische KP ist dadurch unübersehbar. Oder, wie die Staatspropagandisten sagen: „Die Anforderungen an die Sinisierung des tibetischen Buddhismus werden lebendig umgesetzt.“

Kommunistische Kader sind im Kloster stationiert

Die chinesischen Machthaber haben über die Jahrzehnte ihren Einfluss auf die Verwaltung der tibetisch-buddhistischen Klöster stetig ausgeweitet. Mittlerweile sind praktisch flächendeckend KP-Funktionäre fest in den Klöstern stationiert und kontrollieren dort die Aktivitäten der Mönche.

Diese müssen einen zunehmend größeren Teil ihrer Zeit dem Studium der kommunistischen Ideologie widmen. Wie ein Bericht der KP-Einheitsfront aus dem Kloster Kartse (chin.: Cuowa Gaze) zeigt, können „Besuche“ der Kader einen regelrecht inquisitorischen Charakter annehmen.

Einzelbefragung eines Mönchs im Kloster Kartse durch eine KP-Funktionärin. (Foto: UFWD Golog)*

Inquisitorische Befragung der Mönche

So hätten die in Kartse stationierten Kader „sich einen detaillierten Überblick über die gedanklichen Entwicklungen“ der befragten Mönche verschafft. Insgesamt neun von ihnen seien vernommen worden. Dabei sei es außerdem um „die tägliche Praxis, die Lebensumstände und die bestehenden Schwierigkeiten der Mönche“ gegangen.

Offenkundig ähneln die sogenannten Besuche der Mönche stark den berüchtigten „Umerziehungskampagnen“ der chinesischen KP. So sei es im Kloster um „die neuesten theoretischen Leitlinien und politischen Maßnahmen der Partei“ gegangen, die kontinuierlich vermittelt würden. Alle Mönche würden dazu angeleitet, ein starkes Nationalbewusstsein zu entwickeln und „bewusst an der Sinisierung der Religion festzuhalten“.

Was der Propagandabericht nicht erzählt: Was droht Mönchen, deren „gedankliche Entwicklungen“ nicht dem Wunschbild der Kommunistischen Partei entsprechen? Was passiert, wenn in den Gesprächen herauskommt, dass die Mönche sich die Rückkehr des Dalai Lama nach Tibet wünschen?

Klosterverwaltung soll „an der umfassenden Führung der Partei festhalten“

Ein Artikel auf dem WeChat-Kanal der KP-Einheitsfront im nordosttibetischen Landkreis Chikdril (chin.: Jiuzhi) berichtet vom Wirken der KP-Kader im Kloster Dehelong. Dort hatte die Parteizelle des Klosters eine Sitzung einberufen, offenbar mit dem Ziel, das neue Verwaltungsgremium auf Linie zu bringen. Im Zentrum stand dabei die Forderung, die Verwaltung des Klosters solle „an der umfassenden Führung der Partei festhalten“.

Selbstverständlich betet der Artikel die üblichen Propagandafloskeln herunter: So habe man „die Leitlinien und Richtlinien der Partei in Bezug auf nationale und religiöse Angelegenheiten erläutert“. Die gesamte Mönchsgemeinschaft werde dazu angeleitet, sich streng an die „Grundsätze der Liebe zum Vaterland“ zu halten.

Unter den Augen der KP-Führer von Mao bis Xi tagen die Mönche im Kloster Dehelong. (Foto: UFWD Golog)*

Auch gelte es, „die Sinisierung des tibetischen Buddhismus unerschütterlich voranzutreiben“ und das „Bewusstsein für die Gemeinschaft der chinesischen Nation kontinuierlich zu festigen“. Im Kern benennt der Artikel der KP-Einheitsfront damit zugleich die wichtigsten Aspekte des Versuchs der Kommunistischen Partei, Tibets Religion in ihrem Sinne umzubauen.

Buddhismus soll sich „an die sozialistische Gesellschaft anpassen“

Die Transformation des tibetischen Buddhismus ist bereits seit einiger Zeit ein zentrales Anliegen der chinesischen Machthaber. Im Rahmen von Chinas neuer Kulturrevolution soll sich die Religion ganz in den Dienst des chinesischen KP-Regimes stellen. Der Buddhismus soll sich – in den Worten der Staatspropaganda – „an die sozialistische Gesellschaft anpassen“.

Was dies konkret für die Betroffenen, und hier insbesondere für Mönche und Nonnen, bedeutet, lässt sich im Einzelnen nur erahnen. Pekings strikte Blockade von Nachrichten aus Tibet sorgt dafür, dass jegliche Weitergabe persönlicher Informationen mit enormen Risiken einhergeht.

Der Parteistaat versucht mit allen Mitteln, das Narrativ über Tibet zu kontrollieren. Nur die Propaganda-Version der Wirklichkeit soll abrufbar sein – und zwar gleichermaßen innerhalb der Grenzen der Volksrepublik China wie weltweit.

Die Wahrheit hinter dem Propagandanebel

Wer allerdings aufmerksam die Produkte eben jener staatlichen Propaganda analysiert, wird hinter deren Nebelwänden ablesen können, wie sich die Lage in Tibet in Wahrheit darstellt. Unschwer erkennt man auf diese Weise unter welch massivem Druck die Menschen stehen. Absehbar wird sich dieser noch verschärfen, wenn am 1. Juli Chinas sogenanntes Gesetz über „ethnische Einheit“ in Kraft tritt.

Gerade in den tibetischen Klöstern, denen sich diese Berichte regelmäßig widmen, arbeitet der KP-Staat systematisch am Umbau der Religion. Eine zentrale Rolle spielt hierbei die sogenannte Vereinigte Arbeitsfront der Kommunistischen Partei Chinas.

In der westlichen Berichterstattung firmiert das Einheitsfrontsystem häufig auch unter dem englischen Akronym UFWD („United Front Work Department“). Es ist im In- und Ausland für die Einflussoperationen der Kommunistischen Partei zuständig. Im Zusammenhang mit Tibet besonders bedeutsam: Die Einheitsfront ist unter anderem für die Religionspolitik der chinesischen KP zuständig.

* Bild ganz oben: Im westtibetischen Kloster Purang in der Präfektur Ngari müssen Mönche die Flagge des chinesischen KP-Staats hissen. Das Foto stammt aus dem WeChat-Kanal der UFWD Ngari.
Die drei hier besprochenen Artikel finden sich auf verschiedenen WeChat-Kanälen der Vereinigten Arbeitsfront der Kommunistischen Partei Chinas (UFWD), auch bekannt als KP-Einheitsfront. Zum einen handelt es sich um jenen der westtibetischen Präfektur Ngari, zum anderen um die der Landkreise Chikdril und Madoi in der nordosttibetischen Präfektur Golog.

 

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