«Erziehung zur
nationalen Einheit»
unter der KP-Flagge

 

Foto: UFWD Ngari/WeChat*

Statt die schulfreie Zeit beim gemeinsamen Spielen mit ihren Freunden genießen zu können, müssen die Kinder eines tibetischen Dorfes in den Sommerferien KP-Ideologie büffeln. Einem Bericht der chinesischen Staatspropaganda zufolge handelt es sich dabei um die sogenannte „Erziehung zur nationalen Einheit“. Es gehe bei den „Sommerkursen“ darum, in den Kindern das „Bewusstsein für die Gemeinschaft der chinesischen Nation“ zu vertiefen.

Inhaltlicher Bezugspunkt der ideologischen Unterweisungen ist offensichtlich das neue chinesische Assimilationsgesetz, das am 1. Juli in Kraft getreten ist. Explizit ist in dem Artikel nämlich von „ethnischer Einheit und Fortschritt“ die Rede, die es an der Basis zu schaffen gelte. Auf genau diese schönfärberische Bezeichnung lautet auch der offizielle Titel des Gesetzes, mit dem die chinesische KP ihre Strategie der zwangsweisen Assimilation von Tibetern, Uiguren und anderen zementiert und verschärft.

Das Dorf, dessen chinesischer Name mit Gongzhu angegeben wird, liegt im äußersten Westen Tibets, im Landkreis Purang der Präfektur Ngari. Der Bericht über die Assimilationskurse während der Sommerferien erschien auf dem WeChat-Kanal der regionalen KP-Einheitsfront.

KP löse „die Schwierigkeiten bei der Kinderbetreuung in Bauern- und Hirtenfamilien“

Unfreiwillig komisch erscheint eine Passage des Artikels, in dem weitere angebliche Vorzüge des Programms angepriesen werden. Demnach diene der „Sommer-Nachhilfekurs“ auch dazu, „konkret die Schwierigkeiten bei der Kinderbetreuung in Bauern- und Hirtenfamilien“ zu lösen.

Tibetische Jugendliche müssen während ihrer Sommerferien unter Aufsicht KP-Ideologie in Form von «Erziehung zur nationalen Einheit» büffeln. (Foto: UFWD Ngari/WeChat)

Den Autoren der KP-Einheitsfront ist anscheinend unbekannt, dass der Nachwuchs auf dem Land traditionell bei den Eltern mithilft, eine Extra-Betreuung also gar nicht notwendig ist. Also „löst“ die KP hier ein Problem, das gar nicht existiert. 

Ziel der Assimilationskurse sei es, die tibetischen Kinder und Jugendlichen in „Hüter und Verfechter der nationalen Einheit“ zu verwandeln, so die Parteipropagandisten. Durch den Kurs werde „der Same der nationalen Einheit tief in den Herzen der Kinder und Jugendlichen verwurzelt“.

Dass es Peking in Wahrheit darum geht, Tibets eigenständige Sprache, Religion, Lebensweise und Kultur auszulöschen, hat in dieser Geschichte selbstverständlich keinen Platz.

* Bild oben: Im westtibetischen Landkreis Purang müssen Kinder während der Sommerferien Assimilationskurse belegen. Im Hintergrund sind Hammer und Sichel zu erkennen, die Symbole der Kommunistischen Partei Chinas. Das Foto stammt aus dem WeChat-Kanal der UFWD Ngari. Die Vereinigte Arbeitsfront der Kommunistischen Partei Chinas (UFWD) – auch bekannt als KP-Einheitsfront – ist ein Hauptträger der Assimilationspolitik der Partei.

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