Mönche und Nonnen
sind verstärkter
Propaganda ausgesetzt
Quelle: kangbatv.com
Unmittelbar vor dem 90. Geburtstag des Dalai Lama erschienen in China verstärkt Berichte über gegen tibetische Buddhisten gerichtete Propagandamaßnahmen. Der Zeitpunkt dürfte wohl kaum ein Zufall gewesen sein. Denn offenbar wollen die chinesischen Machthaber Mönchen und Nonnen mit aller Gewalt ihre Weltsicht einimpfen und so das traditionelle buddhistische Denken bekämpfen.
Nicht zuletzt geht es ihnen dabei um den Versuch der Kontrolle über die Anerkennung der Reinkarnationen buddhistischer Lamas. Beispielhaft zeigt sich dies an einem Bericht der chinesischen Propagandamedien über eine Aktion des von der Kommunistischen Partei kontrollierten Verwaltungskomitees des bedeutenden Klosters Drepung.
Mönche werden auf die „Sinisierung des tibetischen Buddhismus“ eingeschworen
Ende Juni organisierte das Komitee für mehr als 50 Mönche den Besuch einer „Sonderausstellung über die Reinkarnation lebender tibetischer Buddhas“ in Lhasa. Durchsichtiges Ziel des Ganzen: Durch den Besuch hätten die Mönche „ein tieferes Verständnis und Bewusstsein für die religiösen Rituale und historischen Bräuche der Reinkarnation“ im tibetischen Buddhismus entwickelt, so die KP-Propagandisten.

Mönche des Klosters Drepung beim Besuch einer „Sonderausstellung über die Reinkarnation lebender tibetischer Buddhas“ in Lhasa. (Quelle: xztzb.gov.cn)
Insbesondere hätten die Mönche nun verstanden, „dass Tibet seit der Antike ein unveräußerlicher Teil des Mutterlandes“ sei . Dies ist allerdings eine historisch grob falsche Darstellung. Außerdem sollte den Ausstellungsbesuchern noch eingeimpft werden, wie wichtig die „Sinisierung des tibetischen Buddhismus“ sei. Gleiches gelte für die „Anpassung des tibetischen Buddhismus an die sozialistische Gesellschaft“.
Mönche können sich nicht entziehen
Über den Grad an Freiwilligkeit seitens der Drepung-Mönche darf man sich gewiss keine Illusionen machen; der Besuch der Ausstellung war offenkundig verpflichtend. Die Mönche haben keine Chance, sich dem zu entziehen. Folgerichtig vermeldet der Propagandabericht denn auch, dass die Mönche ihre Lektion gelernt hätten, und legt ihnen entsprechende Aussagen in den Mund.
Der Artikel erschien übrigens auf der offiziellen Seite der Einheitsfrontabteilung der chinesischen KP. Die Einheitsfront gilt als wichtiges Machtinstrument der KP und ist unter anderem für deren Religionspolitik zuständig.
„Der Staat ist größer als die Religion“
Fast zeitgleich berichtete die Seite der Einheitsfront auch über thematische Lernaktivitäten zur „zweisprachigen Förderung“ im Jokhang-Tempel in Lhasa. Auch hier ging die Initiative vom Verwaltungskomitee des Tempels aus. Das vorgebliche Ziel der Aktion: Den Geist einer „wichtigen Rede des Generalsekretärs Xi Jinping“ eingehend zu studieren“. Xi hatte diese beim Empfang für Chinas „falschen Panchen Lama“ gehalten.
Auch dieser Bericht strotzt nur so vor Ergebenheitsadressen der Mönche. Angeblich sagten sie, dass im atheistischen KP-Staat China „das Recht auf Religionsfreiheit in vollem Umfang respektiert und im Einklang mit dem Gesetz geschützt werde“. Der Artikel endet dann auch mit einem Bekenntnis der Mönche zu der Aussage „Der Staat ist größer als die Religion“. Klar ist: Die chinesischen Machthaber verlangen bedingungslose Gefolgschaft. Dieses Bild soll nach innen und nach außen wirken. Doch möglicherweise erliegen die Mächtigen dabei einem trügerischen Wunschbild.
„Rote Bildung“ und „Ausübung der chinesischen Religion“
In die gleiche Richtung zielte auch die Reise einer Gruppe tibetisch-buddhistischer Mönche und Nonnen aus dem osttibetischen Kreis Dzamthang. Knapp zwei Wochen lang führte die „Studienreise“ die Mönche und Nonnen durch drei Provinzen. Dabei seien „auf geschickte Weise rote Bildung, nationale Einheit und Fortschritt sowie die Ausübung der chinesischen Religion“ miteinander verbunden worden.
Der Bericht verwendet das bekannte Propaganda-Motiv vom Granatapfel, ein Sprachbild, das sich auf eine Aussage von Xi Jinping bezieht. Darin forderte Chinas oberster Machthaber bei einer Konferenz zur sogenannten „ethnischen Arbeit“ in der Uigurenregion Ostturkestan (chin.: Xinjiang): „Alle ethnischen Gruppen sollen wie die Kerne eines Granatapfels eng aneinanderhaften.“
Prüfungsvorträge zum Abschluss
Entsprechend dieser Propagandalosung sollen auch die Mönche und Nonnen aus Dzamthang ihre spezifische tibetische – und buddhistische – Identität aufgeben und im kommunistischen China aufgehen. So zumindest wollen es die Machthaber in Peking.

Die buddhistische Reisegruppe nimmt Aufstellung vor einer kommunistischen Weihestätte. (Quelle: kangbatv.com)
Die „rote Bildung“ wiederum besteht in hemmungsloser Propaganda. Wieder und wieder mussten die Reiseteilnehmer Vorträge über angebliche Erfolge der kommunistischen Machthaber über sich ergehen lassen. Bemerkenswert ist nicht zuletzt der Begriff „Ausübung der chinesischen Religion“. Vermutlich ist damit das Endziel der KP-Führung gemeint: Ein komplett „sinisierter“ Buddhismus, der so weit an die „sozialistische Gesellschaft mit chinesischen Merkmalen“ angepasst wurde, dass er aufhört, eine eigenständige Religion zu sein.
Zum Ende der Reise hätten die Mönche und Nonnen in Einzelvorträgen berichtet, „was sie auf der Reise gelernt, gedacht und gefühlt hatten“. Kaum vorstellbar, dass dabei von den KP-Lernvorgaben abweichende Positionen zu hören waren. Es ist schwer einzuschätzen, aber vielleicht handelte es sich bei der „Studienreise“ auch nur um eine mit viel Aufwand betriebene Übung in Selbstbetrug der KP-Oberen.
