KP plant Ausweitung
und Verstetigung der
Assimilationskampagne
Foto: UFWD Baima/WeChat*
Tibetische Mönche sind offenkundig im Visier einer groß angelegten Propagandakampagne zu Chinas neuem Assimilationsgesetz, das am 1. Juli in Kraft getreten ist. So berichtet ein Artikel der chinesischen Staatspropaganda explizit von entsprechenden „Aufklärungsmaßnahmen“ für buddhistische „Tempel“.
Im osttibetischen Landkreis Baima (chin.: Banma) machen kommunistische Kader demnach Werbung für das sogenannte Gesetz über „ethnische Einheit“, mit dem die chinesischen Machthaber derzeit die zwangsweise Assimilation von Tibetern, Uiguren und anderen vorantreiben. Davon betroffen seien alle religiösen Stätten im Gebiet des Klosters Gomang, so der Artikel der Vereinigten Arbeitsfront (UFWD) des Kreises Baima.
Die vorgeblichen „Aufklärungsmaßnahmen“ der KP-Kader seien eine Kombination aus Vorträgen in Gebetsräumen und „zentralen Informationsveranstaltungen im Freien“. Die staatlichen Propagandisten loben die Atmosphäre bei den Vorträgen als „intensiv“ und die Lernstimmung als „lebhaft“. Die Mönche und Nonnen aus allen Klöstern des Zuständigkeitsbereichs hätten aktiv teilgenommen und „gute Lernergebnisse“ erzielt.
Zwangsveranstaltung für Mönche und Nonnen
Was dies konkret heißen mag, ist schwer einzuschätzen. Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass tibetische Mönche und Nonnen die Teilnahme an derartigen Zwangsveranstaltungen schwerlich verweigern können. Gut vorstellbar erscheint daher, dass sie den Vertretern des KP-Regimes gegenüber versuchen dürften, die ihnen vorgelegten Propagandaphrasen einfach zu wiederholen. So quälend dies auch erscheinen mag, bewahrt es Mönche und Nonnen doch zumindest für den Moment vor negativen Konsequenzen.

Unter den Augen der obersten KP-Führer von Mao Zedong bis Xi Jinping müssen Mönche Propagandabroschüren studieren. (Foto: UFWD Baima/WeChat*)
Nach Abschluss der Veranstaltung hätten die im Kloster stationierten Kader vor Ort Broschüren zur nationalen Einheit verteilt. Zu den „Informationsmaterialien“ zählten offenbar auch „Pappbecher mit Aufdrucken zur Rechtsstaatlichkeit“. Dass dieser Begriff im Herrschaftsbereich der chinesischen KP für das exakte Gegenteil seiner eigentlichen Bedeutung steht, muss nicht eigens betont werden.
Assimilationskampagne geht weiter
Die chinesischen Machthaber scheinen fest entschlossen, ihre Assimilationskampagne gegenüber Mönchen und Nonnen auszuweiten und zu verstetigen. Der Artikel der KP-Einheitsfront macht keinen Hehl aus den entsprechenden Planungen. In einem nächsten Schritt werde man „weiterhin regelmäßig Aufklärungsveranstaltungen zur Rechtskunde im religiösen Bereich“ durchführen. Geplant seine zudem „Kampagnen zur Förderung der nationalen Einheit“, so die KP-Propagandisten.
Damit bestätigen sie einen Trend, der in weiten Teilen Tibets bereits seit mehreren Wochen zu beobachten ist. Im Moment zielt die Assimilationskampagne der chinesischen KP vor allem auf Klöster. So mussten die Mönche des Klosters Moba im osttibetischen Landkreis Darlag kürzlich ebenfalls an einer ähnlichen Propagandakampagne teilnehmen. Ganz generell verschärft China derzeit die Kontrolle der tibetischen Klöster.
Und Chinas Chef-Stratege Wang Huning reiste im vergangenen Monat persönlich nach Tibet. Dabei unterstrich der Spitzenfunktionär die Entschlossenheit der chinesischen Machthaber, ihr Assimilationsgesetz in Tibet beschleunigt durchzusetzen. Dafür nimmt die Partei offenkundig auch weitere Gruppen in den Blick, etwa tibetische Kinder, die in ihren Sommerferien „Assimilationskurse“ besuchen müssen.
* Bild oben: Im osttibetischen Landkreis Baima müssen Mönche an einer Propagandakampagne zu Chinas Assimilationsgesetz teilnehmen. Das Foto stammt aus dem WeChat-Kanal der UFWD Baima. Die Vereinigte Arbeitsfront der Kommunistischen Partei Chinas (UFWD) – auch bekannt als KP-Einheitsfront – ist ein Hauptträger der Assimilationspolitik der Partei.
