«Entwicklungshilfe»
bringt tausende
Chinesen nach Tibet
Quelle: Beijing Daily/sohu.com
Gleich zwei aktuelle Berichte der chinesischen Propagandamedien beleuchten einen wichtigen Aspekt von Pekings anhaltender Kampagne zur «Sinisierung» Tibets. Der Begriff beschreibt die erzwungene Assimilation der Tibeter an die han-chinesische Kultur, wie sie von den kommunistischen Machthabern definiert wird. Die «Sinisierungs»-Kampagne der chinesischen KP ist ein zentrales Element der von ihr betriebenen, neuen Kulturrevolution in Tibet mit dem Ziel der Auslöschung der traditionellen tibetischen Kultur, Sprache und Religion.

Für die einschlägigen Propagandabilder werden den „Tibet-Helfern“ tibetische Glücks- und Segensschals umgehängt. Damit soll der Eindruck vermittelt werden, sie seien in Tibet willkommen. (Quelle: Beijing Daily/sohu.com)
Am 27. Juli meldeten mehrere staatliche Propagandamedien, eine neue Gruppe chinesischer „Kader und Fachkräfte der Zentralregierung“ sei in Tibet* angekommen. Beigefügte Fotos zeigen die vorgeblichen „Entwicklungshelfer“ bei der Ankunft auf dem Flughafen, im Hintergrund steht eine Maschine von „Air China“.
„Tibet-Hilfe“ dient dem Umbau des Landes gemäß den Vorstellungen der Machthaber
Bei der insgesamt 2.156 Mitglieder starken Gruppe handele es sich um die mittlerweile 11. Abordnung aus China, die im Rahmen der sogenannten „Tibet-Hilfe“ eingesetzt werde. Das Programm existiert bereits seit 1994. Für die kommenden drei Jahre sollen die Chinesen die ihnen von Peking gesetzten Ziele verfolgen.

Mit erhobener Faust im Einsatz für die Kommunistische Partei Chinas: Die nach Tibet entsandten „Freiwilligen“ des „Westlichen Plans“. (Quelle: tibet.cn)
Bei ihrer von den chinesischen Propagandisten als „Unterstützung Tibets“ bezeichneten Arbeit dürfte es in Wahrheit allein darum gehen, den Umbau des Landes gemäß den Vorstellungen der Machthaber voranzutreiben. Letztlich soll damit Pekings Kontrolle über Tibet weiter ausgebaut und Tibets Wirtschaft in die Chinas integriert werden.
In die gleiche Richtung zielt auch die Entsendung chinesischer Hochschulabsolventen nach Tibet. Einem Bericht der chinesischen Propagandamedien vom 30. Juli zufolge seien mehr als 1.200 Studenten aus 22 chinesischen Provinzen nach Tibet entsandt worden. Die „Freiwilligen“ sollen zwischen einem und drei Jahren in Tibet tätig sein, ihr Einsatz erfolge im Rahmen eines Programms mit der Bezeichnung „Westlicher Plan“.
30% der Programmteilnehmer lassen sich dauerhaft in Tibet nieder
Die Programmteilnehmer werden in Bereichen wie ländlicher Bildung, Gesundheitswesen und Grenzschutz eingesetzt. Im Vordergrund ihrer Tätigkeit steht die Kontrolle durch den chinesischen Staat und die Durchsetzung der Ziele Pekings. Tibetern ist darin keine aktive Rolle zugedacht.

Die nach Tibet entsandten „Freiwilligen“ des „Westlichen Plans“ haben Aufstellung genommen für ein Propagandabild. (Quelle: tibet.cn)
Wie die oben beschriebene „Tibet-Hilfe“ gibt es den „Westlichen Plan“ ebenfalls bereits seit Jahren. Chinesischen Staatsmedien zufolge sollen sich nach Beendigung ihres Einsatzes in Tibet fast 30 % der Teilnehmer dauerhaft dort niederlassen. Damit entsprechen sie den Wunschvorstellungen der chinesischen Machthaber, die seit jeher versuchen, mehr Han-Chinesen in Tibet anzusiedeln, um so die Mehrheitsverhältnisse in ihrem Sinne zu verändern.
* Wenn in den chinesischen Propagandamedien von Tibet die Rede ist, bezieht sich dies allein auf die im Jahr 1965 von den chinesischen Machthabern geschaffene „Autonome Region Tibet“ (TAR). Diese umfasst allerdings nur etwa das halbe Land. Die andere Hälfte Tibets – und damit auch deren Bewohner – wurden damals zum großen Teil als sogenannte „Tibetisch Autonome“ Landkreise und Präfekturen den chinesischen Provinzen Qinghai, Gansu, Sichuan und Yunnan zugeschlagen.
