Peking ignoriert die durch
Staudämme verschärfte
geologische Instabilität

 

Quelle: Screenshot youtube.com

Nur zehn Monate alt wurde die „Rote Flagge“-Brücke (chin.:Hongqi) im osttibetischen Landkreis Barkham; nur sieben Monate lang floss der Verkehr der chinesischen Nationalstraße G317 über das 170 Meter hohe Bauwerk. Am 11. November war Schluss damit. Spektakuläre Bilder gingen um die Welt, auf denen zu sehen war, wie die neue Brücke von einem Erdrutsch weggerissen wurde.

Zuvor hatten die chinesischen Ingenieure noch behauptet, die Brücke sei so konstruiert, dass sie Erdbeben der Stärke 8,0 standhalten könne. Am Ende brauchte es kein Erdbeben: Ein simpler Erdrutsch genügte, um in der geologisch instabilen Region die Stützpfeiler der stolzen Brücke wie Streichhölzer zu zerbrechen. Immerhin hatten die Behörden erste Warnzeichen erkannt und die Strecke gesperrt, sodass beim Brückeneinsturz keine Opfer zu beklagen waren.

Mega-Staudamm verstärkt die geologische Instabilität

Die „Rote Flagge“-Brücke war als Teil des Wasserkraftwerks Shuangjiangkou am tibetischen Gyalmo-Ngulchu-Fluss (Dadu oder Salween) errichtet worden, sie führte über den dafür aufgestauten See. Ihr Einsturz verdeutlicht die enormen Risiken, die mit Pekings Bauexzessen in Tibet einhergehen. Der Vorfall bestätigt zudem das Potenzial für zukünftige Katastrophen ähnlicher Art im Zusammenhang mit Chinas rücksichtslosen Wasserkraftprojekten.

Die „Rote Flagge“-Brücke im Mai 2025. (Quelle: Screenshot CCTV)

So ignorieren die chinesischen Machthaber ganz offensichtlich die durch Pekings Mega-Staudämme noch weiter verschärfte geologische Instabilität. Diese hat im Fall der „Rote Flagge“-Brücke offenbar einen Erdrutsch in den angrenzenden Berghängen ausgelöst. Erheblich verstärkt wurde diese Instabilität durch die Wasseransammlung und den Druck des Shuangjiangkou-Staudamms. Der chinesische Mega-Staudamm ist der fünfte in einer langen Kette von 28 geplanten Dämmen allein am Gyalmo Ngulchu-Fluss.

Hydrostatischer Druck des aufgestauten Wassers macht steile Hänge instabil

Der Shuangjiangkou-Damm, der mit einer Höhe von 315 Metern nach seiner Fertigstellung als „höchster Damm der Welt” bezeichnet wurde, begann am 3. April 2025 mit der ersten Wasserbefüllung, wobei die zweite Phase der Aufstauung am 10. Oktober 2025 begann – nur wenige Wochen vor dem Einsturz. Alle Hinweise deuten darauf hin, dass die durch den Stausee verursachte geologische Destabilisierung der Hauptgrund war und nicht strukturelle Mängel der Brücke selbst.

Die Aufstauung begann im April 2025, wodurch der Wasserstand anstieg und instabile Berghänge gesättigt wurden. Die Überflutung des ursprünglichen Flusstals hatte zur Folge, dass hydrostatischer Druck auf die umliegenden Hänge und geologischen Formationen ausgeübt wurde. Dies entspricht dem hydrologischen und geotechnischen Prinzip, dass steigende Wasserstände den Boden sättigen und Hanginstabilitäten auslösen können.

Chinesische Behörden wollen keinen Zusammenhang erkennen

Der Zeitpunkt des Einsturzes – sechs Monate nach Beginn der Stauung – bestätigt die Annahme, dass die Belastung durch den Stausee als Auslöser fungierte. Schon lange kritisieren Experten die übereilte Errichtung von Staudämmen in geologisch gefährdeten Gebieten.

Der Erdrutsch setzte drei Millionen Kubikmeter Steine und Geröll frei. Die Brücke konnte dem nicht lange standhalten. (Quelle: Screenshot youtube.com)

Ungeachtet dessen wollen die lokalen chinesischen Behörden keinen Zusammenhang zwischen dem Aufstauen des Sees und dem Erdrutsch erkennen. In offiziellen Erklärungen führen sie den Einsturz der Brücke direkt auf die sich verschlechternden Bedingungen am Berghang zurück.

Staudamm führte zur Vertreibung von schätzungsweise 6.300 Tibetern

Der Bau des Shuangjiangkou-Staudamms hat erhebliche menschliche Kosten verursacht, die kaum jemals Erwähnung finden. So führte die Überflutung der hinter der Staumauer liegenden Gebiete zur Zwangsumsiedlung der lokalen tibetischen Gemeinschaften. Dem 3,135 Milliarden Kubikmeter großen Stausee fielen Dörfer, Ackerland und tibetische Kulturstätten zum Opfer.

Der Bau des Staudamms führte zur Vertreibung von schätzungsweise 6.300 Tibetern, die für ihren Lebensunterhalt von der Viehzucht und Landwirtschaft abhängig waren. In den von hoch aufragenden Bergen gesäumten schmalen Flusstälern ist dies die logische Konsequenz aus dem Bau von Staudämmen. Historisch betrachtet konnten Menschen in dieser Region nur in den Tallagen siedeln, Staudämme machen dies unmöglich.

Der Bau des Shuangjiangkou-Staudamms führte zu gewaltigen Erdbewegungen. (Quelle: Screenshot CCTV)

Kein Einzelfall

Die Situation rund um den Shuangjiangkou-Staudamm ähnelt derjenigen am nahe gelegenen Kamtok-Damm im Landkreis Derge, sie ist also mitnichten ein Einzelfall. Dort wurden im Februar 2024 Hunderte von Tibetern verhaftet, weil sie sich gegen die geplante Überflutung ihres Landes und ihrer heiligen Stätten gewehrt hatten.

Einer der Inhaftierten soll sich Berichten zufolge in einem Krankenhaus in Chengdu in intensiver medizinischer Behandlung befinden, nachdem er während seiner Haft von den chinesischen Behörden gefoltert und auf andere Weise unmenschlich behandelt worden war.

Wie ein ICT-Bericht im vergangenen Jahr feststellte, könnten bis zu 1,2 Millionen Tibeter aus ihrer traditionellen Heimat vertrieben werden, wenn Chinas Wasserkraftpläne umgesetzt werden. Nicht zuletzt Chinas neuer Mega-Staudamm dürfte verheerende Folgen für die Tibeter wie die Nachbarländer gleichermaßen haben. Nach Fertigstellung soll der Medog-Damm das größte Wasserkraftwerk der Welt antreiben.

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