COP30 darf sich nicht
zu sehr auf Lage am
Amazonas fokussieren
Foto: Gerd Eichmann-CC-BY-SA-4.0
Schwedische Forscher haben an die Teilnehmer der derzeit tagenden Weltklimakonferenz COP30 im brasilianischen Bélem appelliert, die Krise in Tibet nicht außer Acht zu lassen. Eine Delegation des angesehenen Stockholm Center for South Asian and Indo-Pacific Affairs (SCSA-IPA) war eigens dazu nach Brasilien gereist.
Dort führten die Forscher Gespräche, um auf einen der weltweit am meisten vernachlässigten ökologischen Brennpunkte aufmerksam zu machen: die sich beschleunigende Klimakrise in Tibet und der Himalaja-Region.
Forscher zitieren ICT
Erst im vergangenen Monat hatte das Institut einen umfangreichen Bericht zu diesem Thema veröffentlicht. Er erschien unter dem Titel „Whither Tibet in Climate Crisis Agenda” (Wohin steuert Tibet in der Klimakrise?). Darin finden sich mehrere Beiträge von Forschern, die Berichte der International Campaign for Tibet zitieren.
Insbesondere der ICT-Bericht „Chinese Hydropower“ über die mit dem Staudammbau verbundenen massiven Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden in Tibet fand viel Beachtung.
Tibet, der „Dritte Pol“, befindet sich in einem ökologischen Zusammenbruch
Bereits vor Beginn der COP30 diskutierten die von Institutsleiter Dr. Jagannath Panda angeführten Forscher in Rio mit brasilianischen Experten und politischen Entscheidungsträgern. An der Weltklimakonferenz nahmen sie anschließend als Beobachter und Gesprächspartner teil, um das globale Bewusstsein für die Klimavulnerabilität in Höhenlagen zu schärfen.
Ihre Botschaft war eindeutig: Das häufig als „Dritter Pol“ bezeichnete Hochland von Tibet befindet sich in einem ökologischen Zusammenbruch, den die globale Klimapolitik nicht länger ignorieren kann. Zwar hätten die zentralen Themen der COP30 – der Schutz des Amazonasgebiets, die Umweltrechte indigener Völker und nachhaltige Entwicklung – zu Recht weltweite Aufmerksamkeit erregt. Doch sei es falsch, sich zu sehr auf die tropischen Regenwälder zu fokussieren.
Tibet erwärmt sich fast dreimal so schnell wie der Rest der Welt
Die Stockholmer Forscher vom SCSA-IPA beklagten, dass Tibet in der internationalen Klimadiskussion nach wie vor deutlich unterrepräsentiert sei. Dabei erwärme sich das Hochland von Tibet fast dreimal so schnell wie der Rest der Welt, was zu einem raschen Rückgang der Gletscher, einer Zerstörung des Permafrostbodens und einer Destabilisierung wichtiger Flusssysteme führe.
Die Folgen der Umweltzerstörung in Tibet reichen weit über die Grenzen Chinas hinaus, so Delegationsleiter Dr. Panda. Tibet speist zehn große Flusssysteme und versorgt fast 2 Milliarden Menschen in Süd- und Südostasien.
Chinas Mega-Staudämme verschärfen die Krise
Der Verlust der Eisreserven jedoch verändert die Niederschlagsmuster. Die zunehmende Wasserknappheit flussabwärts könnte die Ernährungssicherheit, die Energieplanung, die Katastrophenanfälligkeit und die geopolitische Dynamik der Region verändern.
Die Krise wird durch Pekings Ausbau der Wasserinfrastruktur in Tibet noch verschärft. Der kürzlich vorgestellte neue chinesische Mega-Staudamm im südtibetischen Medog etwa hätte weitreichende Auswirkungen auf die flussabwärts gelegenen Länder. Zudem droht bis zu 25.000 Tibetern die zwangsweise Umsiedlung und damit der Verlust ihrer angestammten Heimat.
