Peking lässt 30 Jahre
Installierung seiner
Marionette feiern

 

Quelle: xzdw.gov.cn

Die chinesischen Staatsmedien haben in der vergangenen Woche eine regelrechte Propagandakampagne für Chinas „falschen Panchen Lama“ Gyaltsen Norbu durchgeführt. In gleich mehreren Artikeln erschien Pekings tibetisch-buddhistische Marionette an prominenter Stelle. Aufhänger war die Installierung des damals Sechsjährigen als Panchen Lama von Chinas Gnaden vor 30 Jahren.

Zum Jahrestag dieses fragwürdigen Ereignisses ließen die chinesischen Machthaber Vertreter des tibetischen Buddhismus aus ganz Tibet nach Shigatse kommen. Für die Zeremonie wählten sie das Kloster Tashi Lhunpo, den traditionellen Sitz von Tibets Panchen Lamas. Neben buddhistischen Würdenträgern nahmen auch zahlreiche Vertreter der Kommunistischen Partei Chinas an der Veranstaltung teil.

Einheitsfront der KP mit Zuständigkeit für Religionspolitik

Dabei sang der Vizeminister der Abteilung für Einheitsfrontarbeit des Zentralkomitees Lin Rui ein Loblied auf Chinas „falschen Panchen Lama“. Er hob hervor, dass Generalsekretär Xi Jinping Gyaltsen Norbu zweimal persönlich empfangen habe. Dabei habe der KP-Vorsitzende „seine aufrichtigen Hoffnungen für dessen Zukunft zum Ausdruck gebracht“, so der Funktionär.

Propagandainszenierung in Kloster Tashi Lhunpo: Die Zeremonie zum Jahrestag der Installierung von Pekings „falschem Panchen Lama“. (Quelle: xzdw.gov.cn)

Lin Rui sprach in Shigatse als Vertreter der Einheitsfront der Kommunistischen Partei Chinas. Diese gilt als wichtiges Machtinstrument der KP und ist unter anderem für deren Religionspolitik zuständig. Lin Rui behauptete gar, Norbu genieße „breite Anerkennung aus allen Bereichen der Gesellschaft“. Daran allerdings herrschen große Zweifel, wie nicht nur die sofort einsetzende scharfe Kritik aus dem tibetischen Exil deutlich machte.

Gyaltsen Norbu wiederholt KP-Propaganda

Über die Veranstaltung im Kloster Tashi Lhunpo hinaus berichteten die chinesischen Staatsmedien auch über einen Empfang Norbus durch den ranghöchsten KP-Funktionär der sogenannten Autonomen Region Tibet (TAR) Wang Junzheng. Die TAR umfasst bekanntlich nur etwa die Hälfte Tibets. Die andere Hälfte Tibets wurde von Peking verwaltungsmäßig zum großen Teil als sogenannte „Tibetisch Autonome“ Landkreise und Präfekturen den chinesischen Provinzen Qinghai, Gansu, Sichuan und Yunnan zugeschlagen.

Pekings „falscher Panchen Lama“ Gyaltsen Norbu im Gespräch mit Pekings Mann in Lhasa, dem Parteisekretär Wang Junzheng. (Quelle: xzxw.com)

Und schließlich tauchte Chinas „falscher Panchen Lama“ auch noch prominent in Berichten über ein Symposium zum System der Reinkarnationen im tibetischen Buddhismus auf. Bei beiden Gelegenheiten beschränkte sich Gyaltsen Norbu im Wesentlichen darauf, bekannte Propagandastandpunkte der KP-Führung zu wiederholen.

Unter anderem wolle er „die ernsthaften Anweisungen von Generalsekretär Xi Jinping beherzigen“ und sich für die weitere Sinisierung des tibetischen Buddhismus einsetzen, so Norbu.

Pekings „falscher Panchen Lama“ wird von den Tibetern nicht anerkannt

Nach wie vor stehen die chinesischen Machthaber vor dem Problem, dass der von ihnen eingesetzte „falsche Panchen Lama“ Gyaltsen Norbu von den Tibetern nicht anerkannt wird. Immer noch halten diese Tibets Panchen Lama Gedhun Choekyi Nyima (auch Gendun Choekyi Nyima) die Treue, den Peking vor dreißig Jahren mitsamt seiner Familie „verschwinden“ ließ.

Der Dalai Lama hatte den damals sechsjährigen tibetischen Jungen Gedhun Choekyi Nyima als 11. Inkarnation des Panchen Lama anerkannt. Peking ließ das Kind daraufhin entführen. Wenige Monate später präsentierte das offiziell dem Atheismus verpflichtete KP-Regime in Gyaltsen Norbu einen eigenen Panchen Lama.

Instrument der Kommunistischen Partei

Chinas „falscher Panchen Lama“ bekleidet mehrere hohe Ämter im KP-Staat. Diese haben in erster Linie symbolische Bedeutung und sind nicht mit tatsächlichem Einfluss verknüpft. So ist Gyaltsen Norbu etwa Mitglied des Ständigen Ausschusses des Nationalen Komitees der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes.

Das von der Buddhistischen Vereinigung Chinas organisierte Symposium zum System der Reinkarnationen im tibetischen Buddhismus. (Quelle: xzxw.com)

Zudem ist er Vizepräsident der Buddhistischen Vereinigung Chinas (BAC) und Präsident von deren tibetischer Abteilung. Die BAC wiederum ist ein Instrument der Kommunistischen Partei zur zwangsweisen Assimilation und Transformation insbesondere des tibetischen Buddhismus.

Ganz offensichtlich spielt Gyaltsen Norbu eine wichtige Rolle in den Planungen der chinesischen Machthaber, den tibetischen Buddhismus unter ihre Kontrolle zu bringen. Deutlich wurde dies etwa im Juni, als KP-Generalsekretär Xi Jinping den „falschen Panchen Lama“ in der Pekinger Machtzentrale Zhongnanhai empfing.

Europaparlament fordert Freilassung von Tibets Panchen Lama

Auch dreißig Jahre nach seinem „Verschwindenlassen“ ist Tibets 11. Panchen Lama Gedhun Choekyi Nyima nicht vergessen. Erst im Oktober etwa forderte das Europaparlament unter anderem die bedingungslose Freilassung des einstmals „jüngsten politischen Gefangenen der Welt“. Die Abgeordneten nutzten dafür das 42. Interparlamentarische Treffen (IPM) zwischen der EU und China in Brüssel.

Chinas „falscher Panchen Lama“ beim Symposium zum System der Reinkarnationen im tibetischen Buddhismus. (Quelle: xzxw.com)

Und auch in einer Erklärung der EU-Delegation in China zum Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember ist explizit von Tibets 11. Panchen Lama die Rede. So äußern die Vertreter der Europäischen Union ihre „Besorgnis über das seit 1995 andauernde Verschwinden von Gedhun Choekyi Nyima, dem 11. Panchen Lama“. Sie beklagen, dass es weiterhin „keine verlässlichen Informationen über seinen Verbleib oder sein Wohlergehen“ gebe.

Keine Einmischung Chinas in Nachfolge des Dalai Lama

Darüber hinaus fordert die EU-Delegation in China Peking auch dazu auf, die Rechte von Angehörigen religiöser Gruppen zu achten und zu schützen, damit diese ihre Religionsfreiheit ohne Einmischung ausüben können. Die Auswahl religiöser Führungspersönlichkeiten sollte ohne Einmischung der Regierung und in Übereinstimmung mit religiösen Normen erfolgen, auch was die Nachfolge des Dalai Lama betrifft.

ICT begrüßt sowohl die Forderung des Europaparlaments nach Freilassung von Tibets 11. Panchen Lama als auch die Erklärung der EU-Delegation in China. Weitere Parlamente und Regierungen sollten sich dem anschließen, bis Gedhun Choekyi Nyima endlich wieder ein Leben in Freiheit führen kann. Bis dahin werden wir nicht müde werden, uns immer wieder für ihn einzusetzen.

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