Gefängnisverwaltung
verweigert Kontakt zu
Angehörigen und Anwalt
Quelle: ICT
Der prominente tibetische Geschäftsmann und Philanthrop Dorjee Tashi wurde in chinesischer Haft wiederholt von Mitgefangenen angegriffen. Die International Campaign for Tibet (ICT) verfügt über glaubwürdige Informationen, denen zufolge die chinesischen Gefängnisbehörden ihn nicht davor geschützt haben. Stattdessen – so die Quellen – hätten sie die Angriffe als Vorwand genutzt, um Dorjee „Fehlverhalten” im Gefängnis vorzuwerfen und ihm den Kontakt zu seiner Familie und seinem Rechtsbeistand zu verweigern.
Der 51-jährige Dorjee Tashi verbüßt derzeit eine lebenslange Haftstrafe im berüchtigten Drapchi-Gefängnis in Tibets Hauptstadt Lhasa. Er gilt als einer der prominentesten Tibeter in chinesischer Haft, ICT fordert seit vielen Jahren schon seine Freilassung.
Gezielte Gewalttaten unter den Augen der Gefängnisbehörde
Die erst vor Kurzem bekannt gewordenen Angriffe von Mitgefangenen auf Dorjee fanden im April 2025 und im April 2021 statt.
Ein am 15. April 2025 durch drei andere Gefangene verübter Angriff hinterließ sichtbare Narben auf Dorjee Tashis Stirn. Bereits vier Jahre zuvor war es am 17. April 2021 zu einem schwereren Angriff auf ihn durch eine Gruppe von acht Insassen gekommen.
Die beiden bestätigten Vorfälle sind höchstwahrscheinlich gezielte Gewalttaten, die unter den Augen der Gefängnisbehörden stattfanden.
China verletzt die „Mandela-Regeln“
In Verbindung mit der anhaltenden Verweigerung medizinischer Versorgung stellen die Angriffe eine ernsthafte Gefahr für Dorjee Tashis Gesundheit dar. Zusammen mit dem Ausbleiben angemessener Reaktionen offenbaren sie die Absicht der Behörden, ihn während seiner Haft zu bestrafen und zu misshandeln.
Die Inhaftierung einer Person ist mit der grundlegenden Pflicht verbunden, die körperliche Unversehrtheit des Gefangenen zu schützen und seine Sicherheit zu gewährleisten. Das Versäumnis, Gewalt gegen Dorjee Tashi zu verhindern oder zu untersuchen, stellt einen Verstoß gegen die von China ratifizierte Antifolterkonvention und insbesondere gegen die Mindestgrundsätze der Vereinten Nationen für die Behandlung von Gefangenen („Mandela-Regeln“) dar. Die Übergriffe gegen Dorjee im Drapchi-Gefängnis sind ein klarer Beweis für dieses Versäumnis. Sie zeigen, dass er dort nicht vor Gewalt geschützt ist und dass es keine Rechenschaftspflicht gibt.
Das Opfer wird bestraft
So verging mehr als ein halbes Jahr, bis Dorjee Tashi von dem jüngsten Angriff berichten konnte. Ende Oktober 2025 war es ihm schließlich möglich, etwa eine Stunde lang über ein Gefängnistelefon mit seinem Anwalt zu sprechen. Erst während dieses Gesprächs erfuhr Wang Fei von den Verletzungen seines Mandanten.
Anstatt jedoch die Übergriffe zu untersuchen oder die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, zogen die chinesischen Gefängnisbehörden es vor, das Opfer zu bestrafen. Familienangehörigen und Anwälten gleichermaßen blieb der Besuch Dorjee Tashis verwehrt. Zur scheinbaren Begründung verwiesen die Behörden auf angebliche „Verstöße gegen die Gefängnisregeln“, „Fehlverhalten“ oder „schlechtes Benehmen“. Es handelt sich dabei um eine konstruierte Rechtfertigung für die totale Isolation der Gefangenen.
ICT fordert Freilassung
Dorjee Tashi wurde brutal angegriffen, ohne dass Ermittlungen eingeleitet wurden, und ihm wurde medizinische Versorgung und Zugang zu einem Rechtsbeistand verweigert. All dies verstößt sowohl gegen chinesisches Recht als auch gegen verbindliche internationale Menschenrechtsstandards und blieb straffrei.
ICT fordert die chinesischen Behörden auf, Dorjee Tashi bedingungslos aus der Haft zu entlassen und seine politisch motivierte Verurteilung aufzuheben. Notwendig ist zudem eine transparente, unabhängige Untersuchung der wiederholten körperlichen Übergriffe auf Dorjee Tashi im Gefängnis.
Die chinesischen Behörden sollten die Täter zur Rechenschaft ziehen und Dorjee Tashis medizinische Behandlung sicherstellen. Falls er nicht unverzüglich und bedingungslos aus dem Gefängnis entlassen wird, muss sein Recht auf Familienbesuche und Rechtsbeistand wiederhergestellt werden.
