Peking organisiert
Wettbewerb für Lehrer
aller Schulgattungen
Quelle: WeChat/Bildungsministerium TAR
Einem Bericht der chinesischen Staatspropaganda zufolge verschärfen die chinesischen Machthaber die Indoktrination tibetischer Kinder. So versuchen sie derzeit offenbar, die „Sinisierung“ junger Tibeter effektiver zu gestalten. Zu diesem Zweck habe das Bildungsministerium der sogenannten Autonomen Region Tibet (TAR) kürzlich einen Wettbewerb für Lehrer aller Schulgattungen organisiert.
Ziel sei unter anderem gewesen, die „Wirksamkeit der ideologischen und politischen Bildung zu vertiefen“. Übersetzt heißt das, herauszufinden, wie man die tibetischen Kinder am effektivsten „sinisieren“ könnte. Bekanntlich versuchen die chinesischen Behörden schon seit Jahren, Tibets Jugend der eigenen Kultur zu entfremden und sie zu Chinesen zu machen.
„Sinisierung“ in chinesischen Zwangsinternaten
Zentrales Element dieses Plans sind die chinesischen Zwangsinternate, in denen die Kinder wochen- und monatelang von ihren Familien getrennt leben müssen. Dort sind sie der ideologisierten Einflussnahme durch Lehrkräfte und Schulverwaltung schutzlos ausgesetzt.
An dem Wettbewerb um die besten Techniken zur Indoktrination von Kindern und Jugendlichen hätten 155 Lehrkräfte teilgenommen, so der Bericht. 50 von ihnen hätten es schließlich in das Finale geschafft, das unter dem Motto „Ein starkes Gemeinschaftsgefühl für die chinesische Nation schaffen” an der Tibet-Universität in Lhasa stattgefunden habe. 30 Lehrer seien für die von ihnen vorgestellten Konzepte zur „Sinisierung“ tibetischer Kinder im Klassenzimmer ausgezeichnet worden.
Zahlen sollen Ausweitung der „Sinisierung“ belegen
Ein weiterer Artikel der chinesischen Staatsmedien über das „Gesetz über die nationale gemeinsame Sprache“ versucht, den angeblichen Erfolg von Pekings Strategie mit Zahlen zu unterfüttern. So seien aktuell mehr als 95 % der Bewohner der Volksrepublik China des Chinesischen mächtig, heißt es in dem Bericht. Die sogenannte „gemeinsame Sprache des Landes“ sei das „Fundament der chinesischen Kultur“ und ein „Symbol des chinesischen Volkes“.
Die Fiktion des einheitlichen „chinesischen Volkes“ ist in Wahrheit kaum älter als 100 Jahre und bis heute eine Fiktion geblieben. Die KP hat sie von den großchinesischen Nationalisten der KMT-Partei übernommen*, der nach dem Zusammenbruch des Kaiserreichs im Jahr 1911 dominierenden politischen Kraft. Ungeachtet der Tatsache, dass der KP-Staat China offiziell 56 Nationalitäten benennt, zielen die Pekinger Machthaber auf die Schaffung einer homogenen Masse von Chinesen.
Für Tibeter und Uiguren, die an ihrer Sprache und Kultur festhalten, ist darin ebenso wenig Platz vorgesehen wie für Mongolen, Hui oder die Angehörigen anderer Volksgruppen. Nur wenn sie sich „sinisieren“ lassen, sind sie akzeptiert. Dabei muss beachtet werden, dass das KP-Konzept der „Sinisierung“ weit über den Bereich der chinesischen Sprache und Kultur hinausgeht. Laut dem Artikel gehören dazu explizit auch die kommunistischen Symbole der Flagge, der Nationalhymne und des Staatswappens.
Drohung mit Strafmaßnahmen
Offenbar hat Peking einige Zweifel an der eigenen Soft Power. Daher enthält das „Gesetz über die nationale gemeinsame Sprache“ auch Bestimmungen zur „Überwachung der Sprachaktivitäten“ mit entsprechenden Strafmaßnahmen. Diese drohen etwa denjenigen, die „das Erlernen und den Gebrauch der Landessprache entgegen den Bestimmungen dieses Gesetzes behindern“.
Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass damit beispielsweise private Tibetisch-Kurse mit Strafen belegt werden können. Und so endet der Bericht – wenig überraschend – auch mit einem Verweis auf die sogenannten „ethnischen Gebiete und Orte“ des Landes. Er betont zum Schluss ausdrücklich die Notwendigkeit, „die Bedingungen für die Verbreitung der nationalen Gemeinschaftssprache in abgelegenen Gebieten zu verbessern“.
Der KP-Staat mobilisiert dafür alle Ressourcen, von der Schule über die Verwaltung bis hin zur Polizei.
* (Stephan Tome, Schmales Gewässer, gefährliche Strömung, Lizenzausgabe Berlin 2025, S. 180 ff.)
