Schulleiter und Lehrer
reisen zu «Fortbildungs-
programm» nach China
Quelle: xzdw.gov.cn *
Ein aktueller Bericht der chinesischen Propagandamedien unterstreicht, wie systematisch die chinesischen Machthaber die „Sinisierung“ tibetischer Schulkinder vorantreiben. Vordergründig ging es dabei um ein „Fortbildungsprogramm“ für Grundschullehrer und -Rektoren aus dem östlich von Lhasa gelegenen Landkreis Meldro Gungkar (chin.: Maizhokunggar). Für zwei Wochen reisten diese in die ostchinesische Metropole Nanjing, die Hauptstadt der Provinz Jiangsu.
Die „angesehenen Schulleiter und führenden Lehrkräfte“ nahmen dort an einem „externen Fortbildungsprogramm für Lehrforschung“ teil. Den staatlichen Propagandisten zufolge solle damit die „hochwertige Bildungsentwicklung in den Hochlandgebieten“ weiter vorangetrieben werden.
Politik der kulturellen Auslöschung
Dass es dabei nicht allein um guten Unterricht geht, liegt auf der Hand. Schließlich ist es erklärtes Ziel der chinesischen Machthaber, die „Sinisierung“ von Tibets Kindern und Jugendlichen weiter zu forcieren. Eine entscheidende Rolle spielen dabei Pekings Zwangsinternate, was letztlich auch durch die chinesische Propaganda regelmäßig bestätigt wird.
Die Zwangsinternate stehen für eine systematische Politik der kulturellen Auslöschung, der die tibetische Bevölkerung ausgesetzt ist. In diesen staatlich kontrollierten Einrichtungen wird die große Mehrheit der tibetischen Kinder ihrer angestammten Sprache, Religion und Kultur entfremdet. Laut UN-Experten sind über eine Million Kinder davon betroffen – viele bereits im Vorschulalter.
Etablierte Zusammenarbeit mit chinesischen Regionen
Der Artikel wirft auch ein Licht auf die offenbar immer engere Zusammenarbeit der KP-Machthaber in Tibet mit chinesischen Städten und Regionen. Bereits im Jahr 1994 begann Peking damit, deren Institutionen in den Dienst der systematischen Kontrolle und Ausbeutung Tibets zu stellen. Als Partnerprovinz für die sogenannte Autonome Region Tibet, die ungefähr die Hälfte Tibets umfasst, wurde Jiangsu mit der Hauptstadt Nanjing bestimmt.
Entsprechend trägt heute eine der wichtigsten Grundschulen des Landkreises Meldro Gungkar den Namen „Nanjing Experimental-Grundschule“. In den chinesischen Propagandamedien finden sich regelmäßig Artikel über modellhafte Aktivitäten der Schule. Und in Tibets Hauptstadt Lhasa findet sich ein „Lhasa Jiangsu-Experimentalkindergarten“.
Auch andere chinesische Provinzen haben ihre Zusammenarbeit mit den kommunistischen Behörden in Tibet institutionalisiert. Die Provinz Guangdong etwa soll sich schon mehr als 40 Jahre auf diesem Feld engagieren.
* Unser Bild zeigt Schüler der „Nanjing Experimental-Grundschule“ in Einheitskleidung bei einem „Wettbewerb zur Standardisierung von Pausenübungen“. Der begleitende Artikel steht beispielhaft für die Behandlung des Themenfelds in den chinesischen Propagandamedien.
