Selbst für medizinische
Behandlung braucht Anya
Sengdra eine Erlaubnis
Foto: RFA
Der tibetische Umweltverteidiger Anya Sengdra bleibt auch Monate nach seiner Haftentlassung weiterhin massiven Einschränkungen unterworfen. Der 55-Jährige ist damit ein klassischer Fall der sogenannten „Non-Release-Release“ – einer Praxis, bei der Personen zwar physisch aus der Haft entlassen werden, jedoch unter Bedingungen leben müssen, die ihre Freiheit massiv einschränken.
Wie berichtet, wurde Anya Sengdra am 7. Februar 2026 aus dem Gefängnis von Mianyang entlassen. Der Umweltverteidiger und Anti-Korruptionsaktivist musste mehr als sieben Jahre zu Unrecht in chinesischer Haft verbringen. Die chinesischen Behörden hatten seine Strafe willkürlich um ein Jahr verlängert.
Willkürliche Verhöre, Durchsuchung des Mobiltelefons
Quellen aus seinem Umfeld teilten der International Campaign for Tibet (ICT) kürzlich mit, dass die chinesischen Behörden Anya Sengdras Bewegungsfreiheit weiterhin stark einschränken. So unterziehe man ihn willkürlichen Verhören und durchsuche sein Mobiltelefon. Außerdem dürfe er ohne Genehmigung der Regierung keine medizinische Behandlung in Anspruch nehmen.
Sengdra leidet derzeit an einer Nierenerkrankung, Sehverlust und Bluthochdruck. Trotz seiner schweren gesundheitlichen Probleme muss er vor jeder Krankenhausbehandlung eine Genehmigung der Behörden einholen. Obwohl er und seine Familie mehrfach um eine Genehmigung gebeten haben, durfte er seit seiner Freilassung nur einmal ein örtliches Krankenhaus aufsuchen. Ein Verwandter teilte ICT mit, dass sich sein Gesundheitszustand nicht verbessert habe.
Auch persönliches Umfeld wird drangsaliert
Die chinesische Regierung schränkt nicht allein Anya Sengdras Bewegungsfreiheit ein, auch sein persönliches Umfeld wird drangsaliert. So werden offenbar auch die Telefone seiner engsten Familienangehörigen und Verwandten abgehört und durchsucht. Man habe Sengdras Bekannte davor gewarnt, über seine Situation zu sprechen.
Kurz nach Anya Sengdras Entlassung aus dem Gefängnis verbreitet sich im Internet ein Foto von ihm. Einer Quelle von ICT zufolge hätten die chinesischen Behörden Sengdra daraufhin vorgeworfen, „Kontakt zu separatistischen und kriminellen Gruppen aufgenommen zu haben“.
Anschließend habe man ihn erneut zur Vernehmung auf die örtliche Polizeiwache vorgeladen. Sein Telefon sei gewaltsam beschlagnahmt und durchsucht worden, auch habe man ihn gezwungen, eine schriftliche Erklärung zu unterzeichnen, in der er sich verpflichtete, jeglichen Kontakt nach außen abzubrechen. Die Überwachung durch die Behörden sei seitdem erheblich verschärft worden.
