Pekings pompöser
Auftritt auf der
Klimakonferenz COP30
Quelle: chinanews.com.cn
Die chinesischen Machthaber ziehen alle Register, um sich auf der Welt-Klimakonferenz COP30 im brasilianischen Bélem in ein günstiges Licht zu rücken. Die staatlichen Propagandisten bringen dabei sogar das Kunststück fertig, den Klimasünder Nr. 1 als vorgeblichen Klimaschützer zu präsentieren.
Ganz ungerührt gehen sie dabei über die Tatsachen hinweg. So ist Peking nicht nur allein für fast ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich, nein, die Volksrepublik China hat sogar einen höheren Pro-Kopf-Ausstoß als die EU-Staaten zusammengenommen. Und der KP-Staat hat sich ausbedungen, seine Emissionen noch bis ins Jahr 2030 weiter erhöhen zu dürfen – während anderwärts verzweifelt versucht wird, den Ausstoß der Klimagase zu senken.
Peking feiert Aussage von UN-Diplomat, Experten bleiben skeptisch
Diesen Fakten zum Trotz legt China in Bélem einen pompösen Auftritt mit einem eigenen Pavillon hin. Schon im Vorfeld der Klimakonferenz COP30 hatte Peking angekündigt, bis 2035 den Ausstoß von Treibhausgasen gemessen an den Höchstwerten um sieben bis zehn Prozent zu senken. Und so begeistern sich die chinesischen Propagandamedien an einer diplomatisch verbrämten Aussage des Klima-Sekretärs der Vereinten Nationen Simon Stiell.
Einem ihrer Berichte zufolge bezeichnete der UN-Klimadiplomat Chinas Ankündigung als „einen entscheidenden Moment für globale Klimaschutzmaßnahmen“. Was Pekings Staatspropaganda dabei jedoch unterschlägt, ist die Forderung Stiells, dass die eingereichten Ziele „eine Untergrenze, nicht die Obergrenze“ der Ambitionen darstellen sollten.
China ist Haupttreiber des Klimawandels – und will gleichzeitig davon profitieren
Ohnehin handelt es sich dabei lediglich um Absichtserklärungen. Ob es über Lippenbekenntnisse hinausgeht, muss die Zukunft zeigen. Offenbar nehmen viele Klima-Experten die Ankündigungen aus Peking mit einiger Skepsis auf, wie etwa das „Handelsblatt“ meldete.
Gründe dafür gibt es mehr als genug. So hat China allein im Jahr 2023 Kohlekraftwerke mit einer Kapazität von 47 GW in Betrieb genommen, mehr als doppelt so viel wie im Rest der Welt. So paradox es klingen mag: China ist Haupttreiber des Klimawandels – und will gleichzeitig davon profitieren.
Auch der Ausbau der Erneuerbaren Energien gehört zu Pekings strategischem Plan zur globalen Dominanz einer ganzen Zukunftsindustrie. Nicht übersehen sollte man dabei, dass für die Erzeugung chinesischer Solarpaneele und Windräder extrem schmutziger Kohlestrom verwendet wird: derzeit liegt dessen Anteil in China bei ca. 55 Prozent.
Fataler Bau von Mega-Staudämmen in Tibet
Auch eine andere Energiequelle, deren Ausbau von Peking mit enormem Aufwand vorangetrieben wird, weist deutliche Schattenseiten auf. So verursachen vom chinesischen Staat initiierte Wasserkraftprojekte an den Flüssen Tibets – oft fälschlicherweise als „grüne Energie“ verkauft – irreversible ökologische Schäden und vertreiben lokale Gemeinschaften.

Das auf 4.100 Metern Höhe gelegene Xianghe-„Wasserschutzzentrum“ im südtibetischen Landkreis Namling. (Quelle: sasac.gov.cn)
Diese Mega-Staudämme zerstören fragile Ökosysteme, gefährden die Wassersicherheit in großen Teilen Asiens und untergraben das kulturelle und spirituelle Erbe des tibetischen Volkes. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen zudem, dass neue Wasserkraftwerke erhebliche Mengen Methan freisetzen können – ein enorm klimaschädliches Treibhausgas.
Die Interessen der Tibeter werden von den Machthabern mit Füßen getreten.
Trotzdem feiern die Staatsmedien weiterhin den Bau von Staudämmen. Diese werden in den Worten ihrer Propagandisten gar zu „Wasserschutzzentren“ erhoben, wie im Falle eines Damms im südtibetischen Landkreis Namling. Das auf 4.100 Metern Höhe gelegene Xianghe-Wasserschutzzentrum sei mit einem FIDIC Ingenieurspreis ausgezeichnet worden, einer international angesehenen Auszeichnung.
Doch selbst eine solche Anerkennung kann über zwei fundamentale Probleme nicht hinwegtäuschen. So erfolgen Pekings Mega-Infrastrukturprojekte in Tibet ohne jegliche Konsultation der betroffenen Tibeter. Deren Interessen werden von den chinesischen Machthabern generell mit Füßen getreten.
Spektakulärer Brückeneinsturz verdeutlicht Risiken großer Infrastrukturprojekte in Tibet
Klar ist auch, dass Peking die Rechnung ohne die Kräfte der Natur gemacht hat. Wie unberechenbar diese in einer seismisch aktiven Hochgebirgsregion sein können, zeigte sich erst vor wenigen Tagen beim spektakulären Einsturz einer mehrere hundert Meter hohen Straßenbrücke in Osttibet.
Vor dem Hintergrund von Pekings ungebremster Bauwut in Tibet und vielen weiteren rücksichtslos durchgeführten Megaprojekten steht zu befürchten, dass dieses Brückenunglück nicht das letzte derartige Ereignis gewesen sein dürfte.
