Pekings Propaganda
inszeniert Auftritt
mit jungem Lama
Foto: UFWD Golog/WeChat*
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, lautet ein bekanntes Sprichwort. Wie zutreffend diese Lebensweisheit sein kann, belegt ein aktueller Bericht der chinesischen Staatspropaganda auf nachdrückliche Weise. In dem Artikel der Einheitsfrontabteilung der chinesischen KP geht es um einen „Inspektionsbesuch“ von Funktionären im osttibetischen Kloster Dodrubchen.
Das erste darin verwendete Bild wirft ein Schlaglicht auf eine Strategie Pekings mit dem Ziel, sich den tibetischen Buddhismus langfristig gefügig zu machen. Chinas Hebel ist dabei die Kontrolle über die von der KP als sogenannte „lebende Buddhas“ bezeichneten Reinkarnationen tibetischer Lamas.
Vielsagende Symbolik
Insofern dürfte es kein Zufall sein, dass im Zentrum des offenbar sorgfältig inszenierten Bildes ein kleiner Junge auf einem thronartig erhöhten Sitz zu erkennen ist. Bei dem Kind handelt es sich um die jüngste Reinkarnation von Dodrubchen Rinpoche, einem bedeutenden „Tulku“, so die tibetische Bezeichnung. Neben dem kleinen Tibeter wurde ein Teddybär platziert, der fast doppelt so groß ist.

Hier etwas größer: Bei dem Jungen im Zentrum des Bildes handelt es sich um die jüngste Reinkarnation von Dodrubchen Rinpoche, einem bedeutenden „Tulku“. (Foto: UFWD Golog/WeChat)
Die Symbolik des Bildes ist vielsagend: Der Mönch in der linken Bildhälfte scheint den KP-Funktionären gegenüber Rechenschaft ablegen zu müssen, während diese sich offenbar in einer starken Position befinden. Der kleine „Tulku“ mitsamt seinem Teddy in der Bildmitte hingegen ist keine Gefahr für Pekings Herrschaft über Tibet. Dies zumindest soll offenbar die Inszenierung der chinesischen Propaganda suggerieren.
Tatsächlich wurde seine Reinkarnation im Frühjahr offiziell von den KP-Machthabern anerkannt. Und wie bereits bei Chinas „falschem Panchen Lama“ werden diese wohl auch bei ihm versuchen dafür zu sorgen, dass er dereinst Pekings Interessen vorantreiben wird.
Die KP entscheidet über die offizielle Anerkennung tibetischer Reinkarnationen
Nicht umsonst beansprucht die offiziell atheistische Kommunistische Partei Chinas für sich die alleinige Befugnis, die Wiedergeburten tibetischer Lamas abzusegnen. Zu diesem Zweck haben die chinesischen Machthaber bereits im Jahr 2007 ihre „Verwaltungsmaßnahmen für die Wiedergeburt lebender Buddhas im tibetischen Buddhismus“ erlassen. Regelmäßig müssen tibetische Mönche und Nonnen diese im Rahmen von Umerziehungskampagn studieren. Vor einigen Jahren mussten junge tibetische Lamas gar öffentlich ihre Loyalität gegenüber der Kommunistischen Partei Chinas bekunden und Mao Zedong huldigen.

KP-Funktionäre beim „Inspektionsbesuch“ im Kloster Dodrubchen im osttibetischen Landkreis Baima. (Foto: UFWD Golog/WeChat)
Die chinesische KP nutzt die Reinkarnationen damit als Instrument der Herrschaftssicherung, und untergräbt zugleich die Autonomie des tibetischen Buddhismus. Die Wiedergeburten verstorbener tibetischer Lamas werden in der Regel schon als Kleinkinder gefunden. In einem jahrhundertealten, komplizierten Prozess bestimmen erfahrene Mönche, welche der in Frage kommenden Kandidaten die Richtigen sind. Doch die offizielle Anerkennung muss von staatlicher Stelle – und damit der KP – genehmigt werden.
Betreuung und Erziehung von „lebenden Buddhas“
Dem oben erwähnten Artikel zufolge habe der Leiter der Abteilung für Einheitsfrontarbeit im Landkreis Baima Cai Bai im Kloster eine „Vor-Ort-Untersuchung“ durchgeführt. Dabei sei es dem KP-Funktionär unter anderem um die „konsequente Förderung des Nachwuchses unter den Mönchen“ gegangen. Explizit geht es im Text auch um die Betreuung und Erziehung von „lebenden Buddhas“, ohne dabei allerdings auf das erwähnte Bild einzugehen.
Cai Bais Besuch im Kloster Dodrubchen fügt sich bestens in eine bereits seit mehreren Wochen laufende Propagandakampagne der chinesischen Machthaber in tibetischen Klöstern ein. Ihren Ausgang nahm diese mit dem Inkrafttreten von Chinas neuem Assimilationsgesetz am 1. Juli, das offiziell als Gesetz über «ethnische Einheit» bezeichnet wird.

KP-Funktionäre beim „Inspektionsbesuch“ im Kloster Dodrubchen im osttibetischen Landkreis Baima. (Foto: UFWD Golog/WeChat)
Polizisten suchen in Klöstern nach „verbotenen Propagandamaterialien“
Generell verschärft die chinesische KP derzeit ihre Kontrolle der tibetischen Klöster. Sogar im äußersten Westen Tibets, in der extrem dünn besiedelten Präfektur Ngari, verstärken die chinesischen Machthaber ihre Assimilationskampagne. Dies berichtete etwa die regionale Abteilung für Einheitsfrontarbeit der KP auf ihrem WeChat-Kanal.
Und im westtibetischen Landkreis Purang durchsuchten kürzlich in den Klöstern stationierte KP-Kader und Polizisten die Unterkünfte der Mönche. Dabei suchten sie offenbar gezielt nach „verbotenen Propagandamaterialien“. Auch hätten sie „persönliche Gespräche mit den Mönchen geführt“, die vermutlich mit dem Wort Verhöre angemessener zu beschreiben wären.
Im osttibetischen Landkreis Darlag mussten die Mönche des Klosters Moba an einer Propagandakampagne teilnehmen. Vor einem Podium im Klosterhof mussten die Mönche Platz nehmen und Vorträge zum neuen Assimilationsgesetz über sich ergehen lassen. Offenkundig wollen die chinesischen Machthaber die Mönche für sich einspannen, um Werbung für ihre Assimilationspolitik zu machen.
* Bild oben: KP-Funktionäre statten dem Kloster Dodrubchen im osttibetischen Landkreis Baima einen „Inspektionsbesuch“ ab. Im Zentrum des Bildes ist ein kleiner Junge auf einem thronartig erhöhten Sitz zu erkennen. Bei dem Kind handelt es sich die jüngste Reinkarnation von Dodrubchen Rinpoche, einem bedeutenden „Tulku“. Das Foto stammt aus dem WeChat-Kanal der UFWD Golog. Die Vereinigte Arbeitsfront der Kommunistischen Partei Chinas (UFWD) ist auch bekannt als KP-Einheitsfront.
