Stellungnahme vor
Unterausschuss für
Menschenrechte

 

Foto: ICT

ICT-Präsidentin Tencho Gyatso hat vor Abgeordneten des kanadischen Unterhauses eine Stellungnahme zu Chinas Politik der Zwangsassimilation in Tibet abgegeben. Im Rahmen einer Anhörung des Unterausschusses für Menschenrechte forderte sie die Parlamentarier auf, entschlossen dagegen vorzugehen.

Bereits seit Längerem interessiert sich das kanadische Parlament für die Menschenrechtslage in Tibet. Zuletzt haben zwei Parlamentsausschüsse Anträge angenommen, in denen es darum geht, die Situation tibetischer Kinder in Chinas Zwangsinternaten zu untersuchen.

Weitere Tibet-Experten bei Parlamentsanhörung

Neben der per Video zugeschalteten Präsidentin der International Campaign for Tibet (ICT) sprachen am 8. Juni weitere Tibet-Experten zu den Abgeordneten. Zum einen waren dies die tibetisch-kanadische Menschenrechtsaktivistin Chemi Lhamo und Tenzin Choekyi von Tibet Watch.

Zum anderen der tibetische Bildungssoziologe Dr. Gyal Lo und Lhadon Tethong, Mitbegründerin und Direktorin des Tibet Action Institute. Tethong erhielt vor zwei Jahren in Berlin den ICT-Menschenrechtspreis „Schneelöwe“ überreicht.

Bedrohung für Tibets Sprache, Religion, Kultur und Identität

In ihrer Stellungnahme ging Tencho Gyatso auch auf Pekings sogenanntes Gesetz über „ethnische Einheit“ ein, das am 1. Juli in Kraft treten soll. Es stelle eine direkte Bedrohung für die tibetische Sprache, Religion, Kultur und Identität dar, sagte die ICT-Präsidentin:

„Das neue Gesetz macht die Absichten des Staates unmissverständlich deutlich und legt einen klaren Plan vor, um die tibetische Sprache, Kultur und Identität auszulöschen“, so Gyatso vor dem Unterausschuss.

Sie warnte davor, dass Chinas Gesetz über „ethnische Einheit“ auch Auswirkungen über die Grenzen Chinas hinaus haben könnte. So ermöglicht es die globale Ausweitung chinesischer Repression, indem Kritik daran in aller Welt als strafbare Handlung gewertet werden kann.

Was Kanada tun sollte

Die ICT-Präsidentin forderte die kanadische Politik auf, drei konkrete Schritte zu unternehmen. Sowohl das Parlament als auch Premierminister Mark Carney und Außenministerin Anita Anand sollten Chinas Gesetz über „ethnische Einheit“ öffentlich verurteilen.

Außerdem sollte Kanada durch hochrangige Kontakte mit der tibetischen Exilregierung und Sikyong Penpa Tsering Unterstützung für die Tibeter bekunden. Gemeinsam mit demokratischen Partnern sollte das Land schließlich dafür sorgen, dass die Nachfolge des Dalai Lama ausschließlich als eine Angelegenheit der tibetisch-buddhistischen Gemeinschaft respektiert wird.

Eine Einmischung durch die chinesischen Machthaber in dieser Frage sei nicht akzeptabel. Die Regelung der Nachfolgefrage gehe die Kommunistische Partei Chinas nichts an, sondern sei allein die Sache der Tibeter, so ICT-Präsidentin Tencho Gyatso.

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