Kindern soll «gesunde
Weltanschauung»
eingeimpft werden

 

Quelle: WeChat/Verkehrspolizei Xiahe*

Am ersten Schultag nach den Winterferien mussten die Schüler der Zentralen Grundschule des nordosttibetischen Landkreises Sangchu (chin.: Xiahe) zunächst einmal strammstehen. Unter der roten Fahne des chinesischen KP-Staates erteilte ihnen die lokale Polizei eine Unterrichtseinheit der besonderen Art.

Laut einem Propaganda-Artikel, den die Verkehrspolizei Xiahe auf ihrem WeChat-Kanal veröffentlichte, kamen die jungen Tibeter in den zweifelhaften Genuss des Rechtsaufklärungsprogramms „Erste Unterrichtsstunde des Schuljahres“.

Schüler sollen „Dankbarkeit gegenüber der Kommunistischen Partei“ empfinden

Vordergründig sei es dabei um die „Durchführung von Sicherheitsinspektionen auf dem Campus und die Durchführung von Notfallübungen“ gegangen. Doch bereits die Leuchtschrift am Schulgebäude zeigt, worum es in Wahrheit ging: „Neues Semester, neuer Geist: Dankbarkeit gegenüber der Kommunistischen Partei, Streben in der neuen Ära“, steht dort in großen roten Schriftzeichen zu lesen.

„Rechtsaufklärung“ durch die chinesische Polizei: Tibetische Grundschüler müssen unter der roten Fahne strammstehen. (Quelle: WeChat/Verkehrspolizei Xiahe*)

In die gleiche Richtung weist auch die Erwähnung „gesellschaftlicher Schäden“, die „durch die Beteiligung von Jugendlichen an illegalen Aktivitäten entstehen“ könnten. Bekanntlich haben die chinesischen Machthaber nicht nur etwa Geburtstagsfeiern für den Dalai Lama für illegal erklärt, sondern alles, was zur Bewahrung von Tibets authentischer Sprache und Kultur beitragen könnte.

Verbot von Tibetisch-Unterricht und religiösen Aktivitäten

So haben die chinesischen Behörden in der Vergangenheit selbst während der Winterferien regelmäßig privaten Tibetisch-Unterricht verboten. Eltern wurden verpflichtet, ihre Kinder von religiösen Aktivitäten fernzuhalten; gleichzeitig verstärkten die chinesischen Behörden ihre sogenannte „patriotische Erziehung“ an Tibets Schulen. Besonders gravierend wirkt sich dies vor dem Hintergrund von Chinas System der Zwangsinternate in Tibet aus.

Die Indoktrination der tibetischen Grundschüler in Sangchu solle diesen eine „gesunde Weltanschauung, Lebenseinstellung und Werte“ einimpfen, so der Propagandaartikel der chinesischen Polizei. Die Kinder sollten lernen, durch praktische Taten „ihren jugendlichen Schwur ‚Ich bin Teil einer starken Nation‘ zu erfüllen“.

So steht auch diese scheinbar kleine Episode im großen Rahmen von Pekings neuer Kulturrevolution in Tibet. Schon bei den Jüngsten stehen die tibetische Sprache, Religion und Tradition unter maximalem Druck. Das klare Ziel der KP-Führung ist die Auslöschung der eigenständigen tibetischen Kultur.

* Die verwendeten Fotos stammen aus einem Propaganda-Artikel, den die Verkehrspolizei Xiahe auf ihrem WeChat-Kanal veröffentlicht hat.

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