Tibeter kritisieren
«Missachtung des
tibetischen Glaubens»
Quelle: vot.org
Wie tibetische Exilmedien berichten, sollen die chinesischen Behörden des osttibetischen Landkreises Chikdril (chin.: Jigzhi) eine große Anzahl von Gebetsfahnen verbrannt haben. Dabei hätten sie sich auf „Brandgefahren während der trockenen Wintersaison“ berufen, wie es heißt.
Am 18. November hätten die Behörden demnach auf den Berggipfeln des Landkreises eine groß angelegte Verbrennung von Gebetsfahnen und anderen religiösen Gegenständen durchgeführt. Angeblich hätten sie es zudem unterlassen, die Asche und die Trümmer ordnungsgemäß zu entsorgen, sodass die Tibeter den Ort selbst hätten säubern müssen.
„Missachtung des tibetischen Glaubens“
Eine tibetische Quelle aus der Region habe ausgesagt, dass Beamte der Umwelt- und Brandschutzbehörden des Kreises Chikdril die Orte, an denen Gebetsfahnen gehisst worden waren, inspiziert hätten. Anschließend hätten sie behauptet, dass Gebetsfahnen „in der trockenen Wintersaison leicht Feuer fangen könnten und daher ein Sicherheitsrisiko darstellten“.
Am 18. November seien diese Beamten schließlich zurückgekehrt und hätten die Gebetsfahnen und andere für die Tibeter heilige Gegenstände verbrannt. Das Verbrennen von Gebetsfahnen komme „einer Schändung der Ruhestätten unserer Vorfahren gleich“, so ein in Tibet lebender Tibeter. In der exiltibetischen „Tibet Times“ war in diesem Zusammenhang von „Missachtung des tibetischen Glaubens“ die Rede.

Offenbar mussten die Tibeter später die Reste der verbrannten Gebetsfahnen beseitigen. (Quelle: vot.org)
Gebetsfahnen sind Ausdruck von Tibets kulturellem und religiösem Erbe
Gebetsfahnen (Tibetisch: Lungta; Deutsch: Windpferd) haben eine große kulturelle und spirituelle Bedeutung für die tibetische Gemeinschaft. Sie werden häufig an markanten Punkten wie Berggipfeln oder Pässen bis zur vollständigen Verwitterung dem Wind ausgesetzt; auf diese Weise sollen die Gebete dem Himmel zugetragen werden.
In den vergangenen Jahren haben die chinesischen Behörden bereits mehrfach die Zerstörung von Gebetsfahnen angeordnet. Im Zuge ihrer Kampagne zur zwangsweisen Assimilierung der Tibeter zwangen die chinesischen Behörden im vergangenen Jahr etwa die Bewohner von vier osttibetischen Dörfern, Gebetsfahnen von den Außenwänden und Dächern ihrer Häuser zu entfernen. Oder im südlich von Tibets Hauptstadt Lhasa gelegenen Landkreis Gonggar, wo die Behörden eine größere Ansammlung von Gebetsfahnen abreißen ließen.
Teil der „Sinisierungs“-Kampagne zur zwangsweisen Assimilierung der Tibeter
Und im Sommer 2020 zwangen die Behörden der nordosttibetischen Präfektur Golog und des Landkreises Tengchen die Menschen dazu, ihre Gebetsfahnen gleich selbst zu zerstören. Behördenvertreter und Polizisten riefen die Bevölkerung zusammen und ordneten eine sogenannte „Umweltsäuberungsaktion“ an. In der Folge mussten die Tibeter unter Anleitung der Polizei die Gebetsfahnen in ihren Dörfern und auf Bergspitzen entfernen.
Im Zuge ihrer „Sinisierungs“-Kampagne zur zwangsweisen Assimilierung der Tibeter gehen die chinesischen Behörden nicht nur gegen sichtbare religiöse Symbole vor. Auch der Besuch von Klöstern und Tempel unterliegt immer schärferen Restriktionen, insbesondere für öffentlich Beschäftigte sowie Kinder und Jugendliche.
Die erzwungene Ansiedlung der tibetischen Nomaden und die Zwangsinternate für den weitaus größten Teil der tibetischen Schulkinder stehen ebenfalls in diesem Zusammenhang. Letztlich findet derzeit in Tibet nichts Geringeres als eine neue Kulturrevolution statt, deren Ziel darin besteht, die tibetische Identität komplett auszulöschen.
