Mönche sollen
Werbung machen für
Assimilationsgesetz
Foto: UFWD Darlag/WeChat*
Die chinesischen Machthaber versuchen, ihr Assimilationsgesetz in Tibet beschleunigt durchzusetzen. Was „Chinas Chef-Stratege“ Wang Huning anlässlich seines jüngsten Tibet-Besuchs ankündigte, wird offenbar bereits jetzt mit Nachdruck verfolgt. So mussten die Mönche des Klosters Moba im osttibetischen Landkreis Darlag kürzlich an einer entsprechenden Propagandakampagne teilnehmen. Inhaltlich war diese ganz explizit dem sogenannten Gesetz über „ethnische Einheit“ gewidmet.
Wenig überraschend beginnt der Bericht über die Propagandasitzung mit der üblichen Ergebenheitsadresse an „die wichtigen Gedanken von Generalsekretär Xi Jinping“. Um diese „umfassend umzusetzen“, habe die Verwaltungskommission des Klosters die „sorgfältig organisierte und gut durchdachte Sonderveranstaltung“ anberaumt. Offenbar war die Teilnahme für alle Mönche des Klosters verpflichtend; jedenfalls ist in dem Artikel der KP-Einheitsfront von der „gesamten Mönchsgemeinschaft“ die Rede.
Mönche müssen Vorträge über sich ergehen lassen
Wie den Begleitfotos zu entnehmen ist, mussten die Mönche vor einem Podium im Klosterhof Platz nehmen und Vorträge über sich ergehen lassen. Diese hätten sich am Gesetzestext orientiert, Fallbeispiele als Einstieg genutzt und „die Zuhörer emotional angesprochen“. In schönster KP-Prosa beschreiben die Propagandisten der Einheitsfront die angebliche Wirkung der Vorträge:
„Sie lösten im Tempel eine Welle des Lernens, Verstehens, Einhaltens und Schutzes des Gesetzes aus und verliehen der Wahrung der nationalen Einheit und der Harmonie im Tempel eine starke rechtsstaatliche Dynamik.“ Selbstredend kann dabei von Rechtsstaatlichkeit im eigentlichen Sinne nicht die Rede sein. Schließlich kennt der KP-Staat China weder eine unabhängige Justiz, noch scheren sich die Machthaber sonderlich um den Text von Gesetzen.
Chinesische Machthaber wollen Mönche für sich einspannen
Der Bericht macht keinen Hehl daraus, was die Mönche für die Pekinger Machthaber besonders interessant erscheinen lässt. So hätten die Referenten betont, dass Klöster „wichtige Einheiten der sozialen Verwaltung an der Basis“ seien. Die tibetischen Mönche stellten „ein wichtiges Bindeglied zu den gläubigen Menschen dar“.
Und weiter: „Jeder Mönch solle seine persönliche spirituelle Praxis bewusst mit Patriotismus, der Einhaltung der Gesetze sowie dem Schutz des Landes und dem Wohl des Volkes in Einklang bringen.“ Mit anderen Worten ausgedrückt: Der chinesische KP-Staat will die Mönche für seine Zwecke einspannen.
Der Einsatz für die Ziele von Pekings Assimilationsgesetz soll gar Teil der täglichen religiösen Praxis werden: Die Mönche in den Tempeln sollten „im Rahmen ihrer täglichen Sutrenrezitationen, Segensgebete und ihres Dienstes an den Gläubigen aktiv positive Energie in Form von Einheit, Freundschaft, gegenseitiger Hilfe und Harmonie verbreiten“. Explizites Ziel ist es, die Mönche „zu entschlossenen Verfechtern, aktiven Praktizierenden und lebendigen Vermittlern der nationalen Einheit“ zu machen.
„Gefestigte ideologische Grundlagen der Mönche“
Sofern man den KP-Propagandisten Glauben schenkt, war ihre Kampagne ein voller Erfolg. Die Mönche hätten übereinstimmend erklärt, dass sie nun „ein intuitiveres und tieferes Verständnis“ von Chinas Assimilationsgesetz hätten. Sie seien sich einig darin, „dass die nationale Einheit ein Segen für das Land, ein Glück für die Tempel und Verantwortung der Mönche darstelle“. Die Autoren kommen zum Schluss, die „Informationsveranstaltung“ habe „wirksam die ideologischen Grundlagen der Mönche“ gefestigt.

Die Mönche des Klosters Moba mussten mehrere Vorträge über sich ergehen lassen. Auf dem Podium ist auch ein chinesischer Polizist zu erkennen. (Foto: UFWD Darlag/WeChat*)
Allerdings geben sich die chinesischen Machthaber damit nicht zufrieden. Oder sie misstrauen vielleicht auch ihrer eigenen Propaganda. Jedenfalls endet der Artikel mit der Aussage, die „Erziehung zur nationalen Einheit“ sei kein Werk eines Tages, sondern erfordere „langwierige und beharrliche Anstrengungen“. Daher wolle man sie im nächsten Schritt „kontinuierlich in alle Aspekte der täglichen Verwaltung des Klosters integrieren“.
Mönche sollen „unbeirrt den Anweisungen der Partei folgen“
Man werde daran festhalten, „die Verwaltung des Klosters unter der Führung der Partei gemäß den Gesetzen und Vorschriften zu gestalten“. Die gesamte Mönchsgemeinschaft solle dazu angeleitet werden, „unbeirrt den Anweisungen der Partei zu folgen, ihr dankbar zu sein und ihr zu folgen“.
Wahrlich keine schönen Aussichten für die tibetischen Mönche des Klosters Moba. Und auch nicht für die anderen Klöster. Denn offensichtlich ist die chinesische KP dazu entschlossen, alle tibetischen Mönche und Nonnen für ihr Assimilationsgesetz einzuspannen. Die schon seit Jahren propagierte „Sinisierung des tibetischen Buddhismus“, wird damit auf die nächste Stufe gehoben.
* Bild oben: Im osttibetischen Landkreis Darlag zwang die Klosterverwaltung die Mönche des Klosters Moba zur Teilnahme an einer Propagandakampagne. Das Foto stammt aus dem WeChat-Kanal der UFWD Darlag. Die Vereinigte Arbeitsfront der Kommunistischen Partei Chinas (UFWD) ist auch bekannt als KP-Einheitsfront. Auf dem Banner im Bildhintergrund steht: „Die tibetisch-buddhistische Gemeinschaft führt eine Propaganda-/Informationskampagne zum Gesetz der Volksrepublik China über die regionale Autonomie ethnischer Minderheiten durch.“

