Seit 17 Jahren bot die
Schule Unterricht in
tibetischer Sprache an
Foto: ICT/Tibetische Quellen
17 Jahre lang hatte die der Hungkar-Dorje-Berufsschule in der nordosttibetischen Präfektur Golog eine spezialisierte Ausbildung in tibetischer Kultur und Sprache angeboten. Am 24. Juni 2026 war damit Schluss. An diesem Tag erzwangen die chinesischen Behörden die endgültige Schließung der renommierten Privatschule, die auch als „Snowland Ancient and Modern Education Center“ bekannt war.
Die Gründung der Schule geht zurück auf den tibetisch-buddhistischen Lehrer Tulku Hungkar Dorje, der am 29. März 2025 unter ungeklärten Umständen in chinesischer Haft in Vietnam verstorben ist. Der Abt des Klosters Lung-ngon hatte sich Vorgaben der chinesischen Behörden widersetzt und für den Erhalt der tibetischen Kultur eingesetzt.
Tulku Hungkar Dorje hatte sich geweigert, einen aufwendigen Empfang für Chinas „falschen Panchen Lama“ Gyaltsen Norbu in Golog zu organisieren. Im Jahr vor seinem Tod war er deshalb intensiven Schikanen ausgesetzt.
In Tibet soll nur noch auf Chinesisch unterrichtet werden
Zwei Quellen der International Campaign for Tibet (ICT) sehen den Hauptgrund für die Schließung der Schule in der Verwendung der tibetischen Sprache als primäres Unterrichtsmedium. Dies sei als Verstoß gegen die überarbeitete Bildungspolitik der chinesischen Regierung angesehen worden. Nach dem Willen der chinesischen Machthaber soll in Tibet der Unterricht ausschließlich auf Chinesisch erteilt werden.
Der vom Bildungsamt der Präfektur Golog genehmigte Bau der Schule, begann im Jahr 2007; am 6. Juli 2008 wurde sie offiziell eröffnet. Der Schwerpunkt der Schule lag vor allem auf der tibetischen Sprache, es wurden jedoch auch Englisch und Chinesisch unterrichtet. Die Berufsschule bot unter anderem Lehrgänge in traditioneller Weberei und Schneiderei, tibetischer Medizin in und Thangka-Malerei an. Daneben gab es aber etwa auch Kurse in Informationstechnologie (IT).
Zu ihrer Blütezeit zählte die Schule zwischen 800 und 1.000 Schüler
Seit die Schule geschlossen ist, wurden dort alle Aktivitäten vollständig untersagt. Ehemalige Schüler bringen ihre Trauer über diese Nachricht zum Ausdruck. Einer von ihnen sagte: „Ich bin Absolvent dieser Schule und bin zutiefst betrübt über ihre Schließung. Zu ihrer Blütezeit zählte die Schule zwischen 800 und 1.000 Schüler.“
Offenbar hatten die chinesischen Behörden bereits im Jahr 2024 die offizielle Schließungsverfügung erlassen und der Schule die Aufnahme neuer Schüler untersagt. Tulku Hungkar Dorje gelang es jedoch die Schule noch so lange offen zu halten, bis die derzeitigen Schüler ihren Abschluss machen konnten.
Behörden löschen Trauerbekundungen
Viele Tibeter teilten Fotos der Schule in den sozialen Medien und brachten ihre Trauer über den Verlust der Schule zum Ausdruck. Die chinesischen Behörden hätten diese Beiträge jedoch in großem Umfang zensiert, gelöscht und blockiert, so eine weitere Quelle von ICT.

Die Hungkar-Dorje-Berufsschule bot auch Kurse für tibetische Thangka-Malerei an. (Foto: ICT/Tibetische Quellen)
Die Schließung des „Snowland Ancient and Modern Education Center“ ist kein Einzelfall, sondern spiegelt ein breiteres Muster: So gehen die chinesischen Behörden systematisch gegen tibetische Bildungseinrichtungen vor, die der Bewahrung der Kultur Vorrang vor der staatlich verordneten Assimilation einräumen.
Gezielte Kampagne gegen unabhängige tibetische Bildungsinitiativen
Bereits im Juli 2024 schlossen die Behörden ebenfalls in der Präfektur Golog die renommierte „Jigme Gyaltsen-Berufsschule“. In den drei Jahrzehnten ihres Bestehens hatte die Schule hohe akademische Standards gewahrt und gleichzeitig den Schwerpunkt auf die tibetische Sprache und Kultur gelegt.
In der osttibetischen Präfektur Ngaba in Sichuan zwangen Beamte im November 2024 junge Mönche, die Taktsang-Lhamo-Klosterschule zu verlassen, und verlegten sie in staatliche Einrichtungen. Ebenso wurden im Oktober 2024 rund 140 Schüler der Muge-Klosterschule in staatliche Internate verbracht.
Erkennbar wird eine gezielte Kampagne gegen unabhängige tibetische Bildungsinitiativen und kulturelle Führungspersönlichkeiten. An ihre Stelle treten von den KP-Machthabern kontrollierte Internate, die ideologische Konformität und Assimilation fördern.

