Mönche müssen
Aufspaltung Tibets
öffentlich gutheißen
Quelle: xztzb.gov.cn
In einer konzertierten Aktion haben die chinesischen Behörden drei bedeutende tibetische Klöster zu Loyalitätsbekundungen gezwungen. Rund um den von enormem publizistischem Aufwand begleiteten Besuch von KP-Generalsekretär Xi Jinping in Lhasa veröffentlichten die Propagandamedien offenkundig aufeinander abgestimmte Berichte aus den Klöstern Samye, Drepung und Tsurphu.
Fast wortgleich ist darin die Rede von Feierlichkeiten unter dem Motto „Das große Fest feiern, die Gnade der Partei preisen, gemeinsam voranschreiten“. Auch die begleitenden Bilder weisen große Ähnlichkeiten auf. Typischerweise sind darauf Mönche zu sehen, die zusammen mit entsprechenden Propagandabannern Aufstellung nehmen.
Peking lässt die Aufspaltung Tibets feiern
Hintergrund des Ganzen ist die Feier zum 60. Jahrestag der Errichtung der sogenannten „Autonomen Region Tibet“ (TAR) und damit einhergehend die Aufspaltung Tibets durch die chinesische Regierung. Die Schaffung der TAR im Jahr 1965 folgte auf die Invasion und völkerrechtswidrige Besetzung Tibets durch die Volksrepublik China. Die damals versprochenen Rechte – regionale Autonomie, Religionsfreiheit, Förderung der tibetischen Sprache – wurden von der Kommunistischen Partei Chinas systematisch verletzt.
Schon vor Schaffung der „Autonomen Region“ wurden andere Teile Tibets – und damit auch deren Bewohner – zum großen Teil als sogenannte „Tibetisch Autonome“ Landkreise und Präfekturen den chinesischen Provinzen Qinghai, Gansu, Sichuan und Yunnan zugeschlagen.

Unter den wachsamen Augen von Xi Jinping und weiteren KP-Führern müssen die Mönche Aufstellung nehmen. Auf dem Banner steht „Feier zum 60. Jahrestag der Gründung der Autonomen Region“. (Quelle: xztzb.gov.cn)
Durchsichtige Propagandabotschaften
Die Berichte sollen erkennbar das Bild einer angeblich erfolgreichen „Sinisierung des tibetischen Buddhismus“ durch Peking belegen. Die Botschaft der chinesischen Propagandisten lautet: Die „Anpassung des tibetischen Buddhismus an die sozialistische Gesellschaft“ findet in der von den KP-Machthabern erwünschten Weise statt. Die auf den Fotos abgebildeten Mönche sollen den Eindruck erwecken, dass sie die Aufspaltung Tibets gutheißen, auch wenn dies für die Tibeter in Wahrheit kein Grund zum Feiern ist.
Alle drei Klöster spielen eine wichtige Rolle in der tibetischen Geschichte. So gilt Samye als das älteste buddhistische Kloster in Tibet überhaupt. Das bei Lhasa gelegene Drepung ist neben Sera und Ganden eines der „Drei Großen Klöster“ der Gelugpa-Schule des tibetischen Buddhismus. Und das Kloster Tsuphu wiederum ist der traditionelle Sitz des Karmapa, des Oberhaupts der Karma-Kagyü-Schule.

„Gemeinsam feiern wir 60 Jahre Tibet“ heißt es auf dem Banner. Die Aufnahme entstand vor dem Kloster Tsurphu, auch die lokale Polizei ist mit von der Partie. (Quelle: xztzb.gov.cn)
Die Rolle der sogenannten Demokratischen Verwaltungskomitees
Alle drei zitierten Berichte sind auf der offiziellen Seite der Einheitsfront der Kommunistischen Partei Chinas erschienen. Die Einheitsfront gilt als wichtiges Machtinstrument der KP und ist unter anderem für deren Religionspolitik zuständig. Als Quellen sind jeweils die sogenannten Demokratischen Verwaltungskomitees der Klöster angegeben.
Sie spielen für Peking eine entscheidende Rolle, ermöglichen sie der KP doch die direkte Kontrolle über Tibets Klöster. Über die Religion hinaus gelten diese traditionell als die wichtigsten Institutionen zur Bewahrung der tibetischen Kultur und Sprache. Doch mittlerweile geben dort von den Behörden entsandte Beamte den Ton an.

Auch im bedeutenden Kloster Drepung mussten die Mönche die Aufspaltung Tibets öffentlich gutheißen. (Quelle: xztzb.gov.cn)
Förderung der „patriotischen Gefühle innerhalb der Klostergemeinschaft“
Ihre Arbeit schränkt die Ausbildung neuer Mönche in den Klöstern gemäß der tibetisch-buddhistischen Tradition stark ein. Zugleich zwingen sie die Mönche, nach einem von der Regierung kontrollierten Lehrplan zu lernen. Geradezu idealtypisch zeigt sich dies in dem Bericht aus dem Kloster Tsurphu.
Dort heißt es, die Aktivitäten des Verwaltungskomitees zielten „darauf ab, die patriotischen Gefühle innerhalb der Klostergemeinschaft weiter zu fördern“. Es gelte, „ihre Entschlossenheit zu stärken, den Leitlinien der Partei zu folgen, ihre Güte zu würdigen und ihrem Beispiel zu folgen“.
In den Vorstellungen Pekings verkommt der tibetische Buddhismus so zu einer leeren Hülle, einem Vehikel ihrer eigenen Machtpolitik. Die Religion im Dienst der Kommunistischen Partei, das ist der Traum der chinesischen Machthaber und ihre wahre Botschaft zum 60. Jahrestag der Aufspaltung Tibets.
* Foto oben: Vor Tibets ältestem Kloster Samye müssen Mönche mit der kommunistischen Nationalflagge Chinas posieren. (Quelle: xztzb.gov.cn)
