Programm dient
Staatspropaganda und
Herrschaftssicherung

 

Foto: rkzzfdj.gov.cn*

Die chinesischen Machthaber stützen ihre Herrschaft über Tibet nicht allein auf ihren Polizei- und Überwachungsapparat. Neben uniformierten Vertretern sollen auch zehntausende sogenannte Dorfkader Pekings Kontrolle über Tibet sicherstellen. Ein aktueller Artikel der chinesischen Staatspropaganda beziffert deren Zahl allein in der sogenannten Autonomen Region Tibet (TAR) auf 126.000 über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Die TAR macht ungefähr die Hälfte der Fläche Tibets aus. Die andere Hälfte des Landes – und damit auch deren Bewohner – hat Peking bereits vor Jahrzehnten als sogenannte „Tibetisch Autonome“ Landkreise und Präfekturen den chinesischen Provinzen Qinghai, Gansu, Sichuan und Yunnan zugeschlagen.

Kommunistische Dorfkader als vermeintliche Freunde und Helfer beim Hausbesuch. (Foto: sina.com.cn)

Die Zahl der von China in die TAR entsandten Funktionäre ist enorm, liegt doch deren Einwohnerzahl laut dem letzten Zensus bei ca. 3,65 Millionen Menschen. Nach Abzug der Stadtbevölkerung verbleiben etwa 2,2 Millionen Tibeter, die in Dörfern leben. Wenn man davon ausgeht, dass die Kader dort jeweils nur für ein Jahr stationiert sind, kämen statistisch betrachtet nicht einmal 100 Einwohner auf einen KP-Funktionär.

Herrschaftstechnik Hausbesuche

In den Berichten der Staatspropaganda ist zu lesen, die „Beziehungen zwischen Kadern und Bevölkerung seien enger geworden“. Die in den Dörfern stationierten Arbeitsteams betrieben „eine intensive Feldforschung, bei der sie von Haus zu Haus gingen“. Jedes Jahr besuchten sie so „fast 840.000 Haushalte von Bauern und Viehzüchtern“. Damit wolle man sicherstellen, dass „kein Haushalt ausgelassen wird und jeder Haushalt einen Kader zu Gesicht bekommt“.

Es ist kaum vorstellbar, dass die Tibeter sich solchen Hausbesuchen verweigern könnten. Sollten sie es dennoch versuchen, ist davon auszugehen, dass bewaffnete Polizisten sich Zutritt zu den Häusern und Wohnungen verschaffen würden. Tatsächlich sind willkürliche Hausdurchsuchungen in Tibet keine Seltenheit. Immer wieder erreichen uns etwa Berichte über gezielte Kampagnen, um von den Machthabern verbotene Bilder des Dalai Lama aufzuspüren.

Dorfkader bei einer Informationsveranstaltung für Dorfbewohner. (Foto: sina.com.cn)

Kampagne existiert bereits seit 15 Jahren

Die auch unter der Bezeichnung „Graswurzelarbeit“ laufende Entsendung chinesischer Kader in Tibets Dörfer ist kein ganz neues Phänomen. Zum ersten Mal wurde sie im Jahr 2011 in größerem Maßstab umgesetzt, entsprechende Berichte tauchen regelmäßig im Frühjahr in den Propagandamedien auf. Im vergangenen Jahr konnte man so erfahren, dass KP-Funktionäre in der TAR an circa 5.600 Orten „Graswurzelarbeit“ für die Machthaber durchgeführt hätten.

In der Regel präsentieren die chinesischen Staatsmedien ein freundliches Bild der KP-Funktionäre. Man zeigt sie als wahlweise als wohlmeinende Sozialarbeiter, Katastrophenhelfer beim Einsatz in der Ernte oder als vermeintlich uneigennützige Berater in allen vorstellbaren Angelegenheiten. Mehrere Beispiele dieser Art finden sich etwa in einer Variante des eingangs erwähnten Artikels auf einer vordergründig privaten chinesischen Internet-Plattform.

Chinas Propagandamedien präsentieren die Dorfkader gerne auch als Katastrophenhelfer. (Foto: sina.com.cn)

Gewalt bleibt unsichtbar

Die in Dörfern stationierten Parteikader forcieren die ideologische Durchdringung der tibetichen Gesellschaft auf zuweilen bizarr anmutende Weise. So kam es schon vor, dass kommunistische Dorfkader tibetische Pilzsammler im Grasland zur Teilnahme an „Umerziehungs“-Maßnahmen gezwungen haben.

Dass die vermeintlichen Freunde und Helfer in Wahrheit weniger die Interessen der Bevölkerung als die des KP-Regimes im Sinn haben, bleibt in den Staatsmedien selbstverständlich unerwähnt. Durch die Dorfkader-Kampagne sind die Tibeter jederzeit der Ideologie der chinesischen KP ausgesetzt. Die damit einhergehende Gewalt ist jedoch nie sichtbar.

* Das Bild ganz oben soll laut sina.com „Dorfbeamte bei einer Grenzpatrouille mit Dorfbewohnern“ zeigen. Es erschien bereits im Jahr 2024 in einem Artikel der Seite rkzzfdj.gov.cn. Diese wird herausgegeben vom lokalen Parteikomitee der Kommunistischen Partei Chinas der Stadt Shigatse.

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