Maos Verbrechen
bis heute von der
KP totgeschwiegen
Foto: Rabs003-CC-BY-SA-3.0
In den meisten Ländern dieser Welt gedenken die Menschen an ihren Nationalfeiertagen freudiger Ereignisse. Die USA erinnern an das Erlangen ihrer Unabhängigkeit; Frankreich an das Ende der absolutistischen Königsherrschaft; Deutschland an die Wiedervereinigung zweier getrennter Landeshälften; die Schweiz feiert die Gründung der Eidgenossenschaft.
Bei den meisten Nationalfeiertagen geht es also um die Feier von Ereignissen, die einem Volk Freiheit gebracht und Menschen miteinander vereint haben.
Bei der Volksrepublik China ist jedoch das Gegenteil der Fall. Mit ihrer Gründung am 1. Oktober 1949 wurde Freiheit zu einem Fremdwort; von Anfang an verfolgte die neuerrichtete KP-Diktatur eine Politik der Repression. Kaum waren sie an der Macht, setzten die Kommunisten alles daran, jegliche denkbare Opposition mundtot zu machen.
Bauern werden zu „Leibeigenen des Staates”
Sämtliche unabhängigen Organisationen, wie etwa Gewerkschaften, Studentenverbände und Vereine, wurden abgeschafft. Künstler und Schriftsteller mussten sich einer strengen Zensur beugen, schon im Jahr 1950 ließ das Regime „unerwünschte” Bücher auf riesigen Scheiterhaufen verbrennen und tonnenweise einstampfen, wie der Historiker Frank Dikötter schreibt*.

Das KP-Regime hat Maos Verbrechen nie aufgearbeitet, sein Gesicht prangt immer noch auf jeder Banknote. (Foto: Baderneiro-PD-CC0_Wikimedia Commons)
In den Folgejahren kam es zu flächendeckenden Enteignungen: Handel und Industrie mutierten zu „Ablegern des Staates”, die KP verbot praktisch die gesamte Privatwirtschaft. Kleine Geschäfte, private Unternehmen und große Industriebetriebe wurden allesamt enteignet.
Besonders dramatisch: „Im Sommer 1958 wurden die Menschen auf dem Land in riesige Kollektivbetriebe, sogenannte Volkskommunen, getrieben. Das Land wurde den Bauern weggenommen, die zu Leibeigenen des Staates wurden.”*
Chinas KP hat Maos Verbrechen nie aufgearbeitet – im Gegenteil
Die Diktatur der chinesischen KP forderte einen schrecklichen Preis: Alleine der von Maos „Großem Sprung nach vorne” verursachten Hungersnot fielen zwischen 1958 und 1962 mindestens 45 Millionen Menschen zum Opfer. Frank Dikötter, einer der renommiertesten China-Historiker weltweit, nennt diese Zahl eine „konservative Schätzung”.**
Das Regime, dessen 76. Gründungstag in Peking heute groß gefeiert wird, hat Maos Verbrechen nicht nur nie aufgearbeitet. Im Gegenteil hält es den Diktator immer noch in höchsten Ehren. Maos überlebensgroßes Porträt hängt unübersehbar am Eingang zur Verbotenen Stadt im Zentrum Pekings (Bild oben); sein Gesicht prangt immer noch auf jeder Banknote. Und es fehlt auch nicht auf den bekannten Postern mit den Porträts der fünf obersten KP-Führer seit 1949, die etwa die tibetischen Klöster gezwungen sind, aufzuhängen.
Und so darf man es zynisch finden, wenn Maos aktueller Nachfolger Xi Jinping, am gestrigen „Tag der Märtyrer“ laut einem Bericht der chinesischen Auslandspropaganda der sogenannten Helden gedenken ließ, „die ihr Leben für die Befreiung des chinesischen Volkes und die Entwicklung der Volksrepublik China geopfert haben“. Nein, das chinesische Volk wurde 1949 nicht befreit, in Wahrheit ist es weniger frei denn je. Die Chinesen haben heute also nichts zu feiern.
Auf die Errichtung der kommunistischen Diktatur folgte der Einmarsch in Tibet
Und das bringt uns zu Tibet. Tatsächlich haben die Tibeter noch weniger zu feiern als die Chinesen. Denn Tibet war am 1. Oktober 1949 ein unabhängiger Staat. Doch nicht mehr lange sollte dies so bleiben. Diktator Mao ließ schon kurze Zeit nach Errichtung der Volksrepublik China seine Soldaten in Tibet einfallen.

Links oben das bekannte Poster mit den Porträts der fünf obersten kommunistischen Führer seit 1949. Es hängt auch in vielen tibetischen Klöstern.. (Quelle: xztzb.gov.cn)
Die nur mit leichter Kampfausrüstung versehenen tibetischen Streitkräfte hatten den kriegserfahrenen chinesischen Truppen wenig entgegenzusetzen und mussten letztlich ihre Waffen niederlegen. Bereits im Jahr 1950 eroberte die kommunistischen Armee den Osten Tibets, ein Jahr später marschierten sie in der Hauptstadt Lhasa ein.
Tibet im Feuer von Pekings „Sinisierungs“-Kampagnen
Tibet ist bis heute ein besetztes Land. Die chinesischen Machthaber verweigern den Tibetern fundamentale Menschenrechte. Überwachung und Kontrolle sind allgegenwärtig, Protest wird brutal unterdrückt und kann zu Verhaftung, Folter und Tod führen. Tibets Sprache, Religion und Kultur stehen im Feuer von Pekings „Sinisierungs“-Kampagnen. Und Tibets Jugend soll in Zwangsinternaten zu „Chinesen“ nach Vorstellung der KP umerzogen werden.
Doch die Tibeter wissen, dass Pekings Herrschaft unrechtmäßig ist. Die Tibeter und die Tibet-Unterstützer in aller Welt geben die Hoffnung nicht auf, dass eines Tages die Gerechtigkeit siegen wird.
* Frank Dikötter, China nach Mao, Lizenzausgabe Bonn 2024, S. 23
** Frank Dikötter, Maos Großer Hunger, Lizenzausgabe Bonn 2014, S. 421
Autor: Martin Reiner, International Campaign for Tibet

