Pressemitteilung: Tibet: Eskalation in Ngaba nach weiterer Selbstverbrennung / Berichte: Polizei schießt auf Tibeter

Berlin, 14. Januar 2012. Die Situation in der Region Ngaba (chin.: Aba) in der Provinz Sichuan hat sich nach einer weiteren Selbstverbrennung eines Tibeters heute offenbar zugespitzt. Berichten zufolge haben Polizeikräfte auf eine Gruppe von Tibetern geschossen, als diese versuchten, den Körper des Tibeters an sich zu bringen. Polizei hatte zuvor die Flammen an seinem Körper gelöscht und auf ihn eingeschlagen, woraufhin diese einschreiten wollten. Mehreren Quellen zufolge ist der Tibeter verstorben. Mindestens zwei Tibeter seien durch die Schüsse verletzt worden, Berichte über den Tod einer Tibeterin konnten nicht unmittelbar bestätigt werden. Darüber hinaus sei Tränengas eingesetzt worden. Tibeter verharrten indes weiterhin in Protest in der Stadt, hieß es weiter, und es besteht große Sorge über ein gewaltsames Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen sie.

Ein Tibeter aus der betroffenen tibetischen Region Amdo, der aus dem indischen Exil mit Quellen vor Ort sprach, sagte: „Viele Menschen haben das gewaltsame Vorgehen der Polizei gegenüber dem Tibeter, der sich selbst verbrannt hat, beobachtet und waren sehr verärgert. Wir hörten, dass die Polizei ihn mit einem Knüppel geschlagen hat, an dem Nägel angebracht waren. Der Tibeter war tot und wurde von den Leuten weggeschafft, nicht von der Polizei.“

Die International Campaign for Tibet ist zutiefst besorgt über die Situation in Ngaba und ruft die internationale Gemeinschaft dazu auf, die chinesische Regierung unmissverständlich dazu zu drängen, mit Zurückhaltung auf die Proteste in Ngaba zu reagieren und internationale Menschenrechtsstandards unbedingt zu beachten. Bei der erneuten Selbstverbrennung in Ngaba am heutigen Tag handelt es sich um die 17. seit Februar 2009, und die 16. innerhalb eines Jahres. Am vergangenen Sonntag (8. Januar 2012) hatte sich zum ersten Mal ein reinkarnierter buddhistischer Lama in Darlag, Provinz Qinghai, selbst verbrannt.

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Kai Müller
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Berlin, 16. März 2011. Der 21 Jahre alte tibetische Mönch Phuntsog aus dem Kloster Kirti in Ngaba (chin.: Aba) in der chinesischen Provinz Sichuan hat sich heute Morgen öffentlich angezündet und ist anschließend seinen Verletzungen erlegen. Augenzeugen in Kontakt mit tibetischen Exil-Quellen zufolge soll die Polizei die Flammen gelöscht und auf Phuntsog eingeschlagen haben. Kurz danach sei der Mönch gestorben. Die Selbstverbrennung Phuntsogs fiel zusammen mit dem dritten Jahrestag der blutigen Niederschlagung des friedlichen Protests im Kloster Kirti im Jahre 2008. Dabei waren mindestens zehn Tibeter von chinesischen Sicherheitskräften erschossen worden.

Der Tod Phuntsogs führte anschließend zu einer großen Demonstration, an der sich mehrere Hundert Mönche und weitere Tibeter beteiligten, wie dieselben Quellen berichten. Diesen Protestzug habe die Polizei gewaltsam gestoppt und dabei eine unbekannte Anzahl von Mönchen verhaftet sowie protestierende Tibeter geschlagen. Der Leichnam Phuntsogs wurde unterdessen ins Kloster Kirti zurückgebracht. Wie ein tibetischer Mönch im nordindischen Dharamsala sagte, seien die Mönche in Kirti „eher bereit zu sterben, als Phuntsogs Leiche den chinesischen Behörden zu übergeben“. Inzwischen soll das Kloster von chinesischem Militär umstellt sein, offenbar seien auch einige Telefonverbindungen unterbrochen worden.

Die Selbstverbrennung Phuntsogs ist bereits die zweite im Kloster Kirti seit dem Frühjahr 2008. Im Februar 2009 hatte sich der Mönch Tapey ebenfalls in Brand gesetzt, nachdem eine Gebetszeremonie innerhalb des Klosters von den chinesischen Behörden untersagt worden war. Tapey überlebte, wurde allerdings anschließend inhaftiert. Wo er derzeit festgehalten wird, ist unbekannt. Nach Einschätzung der International Campaign for Tibet (ICT) ist der aktuelle Vorfall in hohem Maße erschütternd. Phuntsogs Selbstverbrennung zeige auf drastische Art die Verzweiflung der Tibeter über die kompromisslose Linie Pekings in ihrer Heimat.

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