International Campaign for Tibet
 

Tibet: Neue Sorgen um Zustand des Jokhang-Tempels / Versuchen chinesische Behörden, Ausmaß der Brandschäden zu vertuschen?

Rasch kursierten Bilder vom Brand am 17. Februar in den sozialen Medien. Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken. (Quelle: RFA-Screenshot)

Berlin, 13. März 2018. Immer noch herrscht weitgehende Unklarheit über die Größe des Schadens, den der Jokhang-Tempel in Lhasa in Folge des Großfeuers vom 17. Februar erlitten hat. Wie ein neuer Bericht der International Campaign for Tibet (ICT) dokumentiert, wächst die Sorge, die chinesischen Behörden würden versuchen, das wahre Ausmaß der Brandschäden zu vertuschen. Soweit bekannt, wurde bislang weder tibetischen noch ausländischen unabhängigen Fachleuten gestattet, den Brandort zu untersuchen. Experten gehen nach Auswertung des verfügbaren Bild- und Videomaterials davon aus, dass die Schäden beträchtlich sein dürften. Die restriktive und widersprüchliche Informationspolitik der Behörden gibt diesen Befürchtungen zusätzliche Nahrung. So gibt es nach wie vor keine Erklärung dafür, warum das Feuer überhaupt so groß werden konnte, dass die aus dem Dachgeschoss des Tempels schlagenden Flammen weithin sichtbar waren. Noch im Dezember hatte Peking dem UNESCO-Welterbekomitee mitgeteilt, der Jokhang-Tempel verfüge über eine eigene Feuerwache, die rund um die Uhr besetzt sei. Der Jokhang-Tempel zählt seit dem Jahr 2000 zum Weltkulturerbe der UNESCO und gilt als eine der heiligsten Stätten des tibetischen Buddhismus. Mit seiner Errichtung war im siebten Jahrhundert begonnen worden.

Die Experten rätseln weiterhin über widersprüchliche Zeitangaben. So heißt es in einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua, das Feuer sei um 18:40 Uhr im zweiten Stock im rückwärtigen Bereich des Tempels ausgebrochen. Die berühmte Statue des Jowo-Buddha sowie „alle registrierten 6.510 historischen Objekte und auch das Hauptgebäude“ seien unversehrt. Das goldverzierte Hauptdach sei entfernt worden, um einen eventuellen Kollaps oder einen erneuten Ausbruch des Brandes vorzubeugen. Laut einem durchgesickerten Dokument der Polizei, das wenige Tage nach dem Feuer im Internet zirkulierte, seien die Feuerwehrleute erst um 19:07 Uhr am Jokhang eingetroffen. Videos zeigen, dass die Flammen auch um 19:46 Uhr immer noch hoch aufloderten. Erst um 20:05 Uhr sei das Feuer dann gelöscht gewesen.

Mehrere Fachleute bezweifeln die Darstellung der Behörden. Sie befürchten, dass das Gebäude durch Feuer, Löschwasser und von der Feuerwehr zum Ersticken der Flammen verwendete Chemikalien teils erhebliche Schäden davongetragen haben dürfte, auch wenn es vermutlich gelungen sei, den Brand auf die rückwärtigen Teile der Tempelanlage zu begrenzen. Als der Jokhang am Tag nach dem Brand wieder betreten werden konnte, fiel Beobachtern auf, dass der Bereich hinter der Statue des Jowo-Buddha mit neuen Vorhängen verhüllt war. Dergleichen hatten Kenner des Heiligtums noch nie erlebt.

Weitere Einzelheiten entnehmen Sie bitte unserem Bericht „New fears for historic structure of Jokhang temple after major fire, as China covers up extent of damage“.

 

Pressekontakt:

Kai Müller
Geschäftsführer
Tel.: +49 (0) 30 27879086
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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit mehr als 20 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.

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