International Campaign for Tibet
 

Tibet: KP-Funktionäre übernehmen direkte Kontrolle in buddhistischem Studienzentrum / Parteikader in Leitungsgremien von Larung Gar entsandt / ICT: „Internationale Gemeinschaft muss sich entschieden gegen Eingriff in Religionsfreiheit aussprechen“

Schneisen der Verwüstung durchziehen das Studienzentrum Larung Gar in Tibet, Juli 2016. Zum Vergrößern bitte anklicken. Quelle: TCHRD

Berlin, 25. August 2017. Wie am 20. August offiziell bekanntgegeben wurde, haben KP-Funktionäre die Leitung des bedeutenden buddhistischen Studienzentrums Larung Gar im Osten von Tibet übernommen. Die Behörden der Präfektur Kardze (chin.: Ganzi) ernannten eine Reihe von Parteikadern, die der buddhistischen Akademie Larung Gar und dem „Klosterverwaltungskomitee“ von Larung Gar vorstehen werden. Besondere Bedeutung erhält die Ankündigung der Behörden durch einen Artikel in der „Global Times“, dem auf Englisch erscheinenden Propaganda-Sprachrohr der chinesischen KP. Darin wird die Ernennung von Parteifunktionären für die Leitung einer religiösen Institution wie Larung Gar als „normal“ beschrieben. Die Ernennung der KP-Funktionäre sei den „Bedürfnissen der buddhistischen Schule“ geschuldet, auch seien die Kader „bessere Manager“, zitiert das Blatt einen chinesischen Tibetologen.

Dazu ICT-Geschäftsführer Kai Müller: „Die offen zur Schau gestellte Kontrolle der sich selbst als atheistisch definierenden Kommunistischen Partei Chinas über eine Einrichtung wie Larung Gar zeigt erneut, dass von einer freien Religionsausübung in Tibet nicht die Rede sein kann. Parteifunktionäre haben in der Leitung einer religiösen Einrichtung nichts zu suchen. Es ist zynisch, wenn in der KP-Zeitung ‚Global Times‘ behauptet wird, die neue Leitung würde sich nicht in die buddhistische Unterweisung einmischen“, so Müller weiter. ICT fordere die internationale Gemeinschaft auf, sich entschieden gegen diesen massiven Eingriff in das Recht auf freie Religionsausübung auszusprechen. „Normal“ sei an der Verfügung allenfalls, dass sie einer gängigen menschenrechtswidrigen Praxis der chinesischen Behörden in Tibet entspreche, der jetzt auch Larung Gar zum Opfer falle, so Müller.

Wie berichtet  hatten die chinesischen Behörden im vergangenen Sommer damit begonnen, im buddhistischen Studienzentrum Larung Gar tausende Unterkünfte von Mönchen, Nonnen und am tibetischen Buddhismus Interessierten niederzureißen und tausende Bewohner zu vertreiben. In einer offiziellen Ankündigung hatten sie das Ziel ausgegeben, bis Ende September 2017 die Anzahl der ständigen Bewohner Larung Gars auf 5.000 zu begrenzen. Schätzungen zufolge hatten in Larung Gar mindestens 10.000 Menschen gelebt, zu Spitzenzeiten soll ihre Zahl auch deutlich darüber gelegen haben. Nachdem Zerstörungen und Vertreibungen zu weiten Teilen abgeschlossen scheint, wollen die chinesischen Behörden nunmehr offenbar auf der Verwaltungsebene sicherstellen, dass die weitere Transformation Larung Gars ohne Widerstände vonstattengehen kann. Immer deutlicher erkennbar werden die Pläne, das Institut zu einer Touristenattraktion umzubauen, in der Mönche und Nonnen bestenfalls für eine erwünschte exotische Note sorgen dürfen (siehe Bericht des „Tibetan Center for Human Rights and Democracy“ vom 11. August 2017).

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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit mehr als 20 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.

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