International Campaign for Tibet
 

International Campaign for Tibet begrüßt Protest in Fußballstadien / „Chinas U20-Nationalmannschaft muss Meinungsfreiheit akzeptieren“

UPDATE:

Rückzieher: DFB und chinesischer Fußballverband setzen die Freundschaftsspiele von Chinas U20-Nationalmannschaft gegen Vereine der Regionalliga Südwest „bis zur Winterpause aus“ (http://bit.ly/2mZGEQg), wie es auf der Webseite des DFB heißt. Damit findet das für morgen geplante Spiel beim FSV Frankfurt nicht statt.

Die International Campaign for Tibet kommentiert: „Zu offensichtlich weichen die Standpunkte der beiden Fußballverbände hinsichtlich des Rechts auf freie Meinungsäußerung voneinander ab. Wenn Kooperationsprojekte mit China die Einschränkung von Grundrechten in Deutschland zwingend nach sich ziehen, dann sollten sie nicht vereinbart oder fortgeführt werden. Das gilt bedauerlicherweise auch für den Sport. Insofern ist fraglich, ob es unter den aktuellen Bedingungen überhaupt zu einer Fortsetzung des Kooperationsprojektes zwischen chinesischem und deutschem Fußballbund kommen sollte. Dies ist bedauerlich, denn letztlich hat die chinesische Seite eine Chance vertan, sich mit abweichenden Meinungen und Kritik konstruktiv auseinanderzusetzen. Auf absehbare Zeit wird China – auch im Sport – damit kein normaler Partner bleiben.“

Berlin, 24. November 2017. Die International Campaign for Tibet (ICT) begrüßt die Proteste in den Fußballstadien während der Spiele der chinesischen U20-Nationalmannschaft in Deutschland. Zugleich forderte die Menschenrechtsorganisation die Fans auf, sich weiterhin für das Recht auf freie Meinungsäußerung gerade auch gegenüber einem autoritären Regime einzusetzen. Angesichts der besorgniserregenden Menschenrechtslage in Tibet und China müssten es die Sportler ertragen, dass Menschen in Deutschland die Politik ihrer Regierung kritisierten. Mannschaft und Betreuerstab der chinesischen U20 müssen überdies akzeptieren, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung internationaler Standard und keinesfalls eine deutsche Besonderheit darstelle. Das Zeigen einer Tibetfahne sei ohne Zweifel vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt, so die Menschenrechtsorganisation weiter.

Wie berichtet, verließen die chinesischen Nachwuchsfußballer am vergangenen Samstag bei einem Freundschaftsspiel gegen den Regionalligisten Schott Mainz den Platz, nachdem sie auf der Tribüne einige Tibet-Fahnen entdeckt hatten. Die Mannschaft weigerte sich so lange weiterzuspielen, bis die Tibet-Fahnen freiwillig eingerollt wurden. Ein chinesischer Mannschaftsbetreuer versuchte Medienberichten zufolge sogar, sich der Tibet-Fahnen zu bemächtigen. Das chinesische Außenministerium verurteilte das Geschehen in Mainz und kritisierte Deutschland für sein Verhalten als Gastgeber. Ministeriumssprecher Lu Kang verlangte „gegenseitigen Respekt“. Damit meinte er aber offensichtlich nicht etwa Respekt vor dem Recht auf Meinungsfreiheit in Deutschland, sondern dass die deutsche Regierung und die deutsche Öffentlichkeit den Pekinger Narrativ als verbindlich akzeptieren sollten. Den Protest der Zuschauer in Mainz gegen die Menschenrechtsverletzungen in Tibet definierte Sprecher Lu so flugs zu einer „separatistischen, antichinesischen und terroristischen Aktivität“ um. Damit ignorierte er die Tatsache, dass der Dalai Lama und die gewählte Vertretung der Tibeter im Exil seit geraumer Zeit friedlich für eine echte Autonomie Tibets innerhalb Chinas, und nicht für Unabhängigkeit eintreten.

Kai Müller, Geschäftsführer der International Campaign for Tibet, begrüßte die klare Haltung des DFB hinsichtlich des Rechts auf freie Meinungsäußerung in deutschen Fußballstadien. Sowohl DFB-Präsident Reinhard Grindel als auch Vizepräsident Ronny Zimmermann hatten sich deutlich gegen die Forderung ausgesprochen, die Proteste gegen Chinas Politik in den Stadien zu verbieten. Dazu Kai Müller: „Wir freuen uns, dass sich der DFB hier so klar positioniert. Angesichts der weitreichende Kooperationsvereinbarung des DFB mit dem chinesischen Verband, die zudem auf höchster politischer Ebene abgesegnet wurde, verdient dies unseren Respekt“, so Müller. Allerdings hätte der DFB auch vor den Risiken einer allzu engen Kooperation mit China gewarnt sein können. „Schon seit Langem weisen wir darauf hin, dass China kein normaler Partner ist“, sagte der ICT-Geschäftsführer. „Je früher man dies hierzulande erkennt, desto geringer fallen die Kosten dieser fundamentalen Fehleinschätzung Pekings aus. Wir warnen daher auch die künftige Bundesregierung davor, sich in dieser Sache Illusionen zu machen“, so Kai Müller.

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Kai Müller
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International Campaign for Tibet Deutschland e.V.
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D-10435 Berlin
www.savetibet.de

Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit mehr als 20 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.

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