International Campaign for Tibet
 

Tibet: Schule verbietet Kindern religiöse Aktivitäten / Eltern sollen sich gleichfalls von „Aberglauben und religiösen Handlungen“ fernhalten

Berlin, 14. Juni 2017. Eine Grundschule in Lhasa hat Lehrer und Eltern angewiesen, Kinder davon abzuhalten, sich während des für Buddhisten besonders wichtigen Monats „Saga Dawa“ an religiösen Handlungen zu beteiligen. In einer Anordnung, die von der Leitung der Jebumgang-Grundschule am 27. Mai ausgegeben wurde, heißt es, Eltern sollten sicherstellen, dass ihre Kinder sich während der Ferien zu „Saga Dawa“ und dem einen Monat lang dauernden Gebetsfest „Dachoe Duchen“ nicht an „Aberglauben und religiösen Handlungen“ beteiligten. In dem auf Tibetisch verfassten Dokument, das der International Campaign for Tibet (ICT) vorliegt, werden die Eltern aufgefordert, sich gleichfalls von solchen Aktivitäten fernzuhalten. Darin heißt es, die Verbotsanordnung basiere auf einer „Bekanntmachung der oberen Schulbehörde“.

Kai Müller, Geschäftsführer der ICT: „Offensichtlich handelt es sich bei der Verbotsanordnung um einen Eingriff in die Rechte von Schülern, Eltern, Lehrern und Schulangestellten. Dies ist nicht zu akzeptieren“, so Müller. Bei minderjährigen Schülern könne insbesondere eine Verletzung der Kinderrechtskonvention vorliegen, die von China ratifiziert worden ist.

Zum Vergrößern bitte anklicken. Quelle: ICT

Verbotsanordnung, Übersetzung ICT:

Dear Parents,

Based on the notice issued by the superior education department, a ban has been issued for all the teachers, students and employees of our school. No one shall participate in any form of religious activities during the holidays for Saga Dawa Festival and Dachoe Duchen (Month Long Prayer Festival).

We hope that parents, as always, support the every effort of the school. You must bear the responsibilities for not allowing your children to participate in superstition and religious activities, as well as not allowing yourselves to participate in such activities.

Jebumgang (Ji Peng Gang) Elementary School, Chengguan District, Lhasa City

May 27, 2017

Zudem stelle sich die Frage, ob es derartige Anordnungen auch in anderen Schulen in Tibet gibt. Müller zufolge sei vorstellbar, dass die Jebumgang-Grundschule kein Einzelfall ist. Der ICT-Geschäftsführer weiter: „Besondere Sorge bereitet der Umstand, dass das Verbot religiöser Aktivitäten mit einer ‚Bekanntmachung der oberen Schulbehörde‘ begründet wird. Hier ist dringend Aufklärung geboten. Es muss klar sein, auf welche konkrete Bekanntmachung sich die Schulleitung hier bezieht. Die chinesischen Behörden sollten aufgefordert werden, derartige Weisungen zurückzunehmen und klarzustellen, dass das Recht auf freie Religionsausübung in vollem Umfang zu respektieren ist“, so Müller abschließend.


Pressekontakt:

Kai Müller
Geschäftsführer
Tel.: +49 (0) 30 27879086
E-Mail: presse(at)savetibet.de
Twitter: @savetibet

International Campaign for Tibet Deutschland e.V.
Schönhauser Allee 163
10435 Berlin
www.savetibet.de

Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit mehr als 20 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.

 

 

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