International Campaign for Tibet
 

Tibet: ICT fordert sofortige Freilassung von Tashi Wangchuk / Wegen Interview mit „New York Times“ droht lange Haftstrafe / ICT: „Anschlag auf Pressefreiheit“

Berlin, 20. Januar 2017. Weil er sich in einem Interview mit der „New York Times“ kritisch über die chinesische Kultur- und Bildungspolitik in Tibet geäußert hatte, droht dem 31-jährigen Tibeter Tashi Wangchuk nach Angaben seines Anwalts die Eröffnung eines Gerichtsverfahrens, das zu einer langen Haftstrafe führen könnte. Wangchuk, der bis zu seiner Verhaftung am 27. Januar 2016 ein Ladengeschäft in der tibetischen Stadt Jyekundo in der Tibetisch Autonomen Präfektur Yushu in der Provinz Qinghai betrieb, war von der „New York Times“ im November 2015 interviewt und umfassend porträtiert worden. Einem auf der Webseite der Zeitung veröffentlichten Video zufolge hatte er unter anderem versucht, die örtlichen Behörden per Gerichtsklage auf tibetischsprachigen Unterricht in den Schulen zu verpflichten. Tashi Wangchuk wird vorgeworfen, zu „Separatismus“ angestiftet zu haben, obwohl keinerlei entsprechende Aktivitäten Wangchuks bekannt sind. Tatsächlich hatte er sich für eine größere regionale Autonomie Tibets insbesondere hinsichtlich der Sprachpolitik innerhalb der Volksrepublik China ausgesprochen. Wie Wangchuks chinesischer Anwalt Liang Xiaojun betonte, gehe es seinem Mandanten „alleine um den Erhalt der tibetischen Kultur“. Eine offizielle Anklageschrift gegen Wangchuk wurde von den Behörden dem Vernehmen nach bis jetzt nicht öffentlich gemacht.

Die International Campaign for Tibet (ICT) fordert die sofortige Freilassung Tashi Wangchuks, der gegenwärtig in einem Gefängnis in Jyekundo festgehalten wird. ICT-Geschäftsführer Kai Müller unterstrich, Tashi Wangchuk sei nichts vorzuwerfen, was eine Inhaftierung oder gar Anklage wegen „Separatismus“ rechtfertige. Er müsse umgehend freigelassen werden. Müller weiter: „Der Fall Tashi Wangchuk ist nicht zuletzt auch ein Anschlag auf die Pressefreiheit. Er sitzt heute auch deswegen im Gefängnis, weil er einer renommierten westlichen Zeitung ein Interview gegeben hat. Die Botschaft der chinesischen Behörden ist klar: Eine unabhängige Berichterstattung aus Tibet soll um jeden Preis unterbunden werden.“ Der ICT-Geschäftsführer fügte hinzu, dass damit auch eine klare Drohung an die tibetische Bevölkerung einhergehe: „Wer offen mit westlichen Medien spricht, riskiert es, seine Existenz zu verlieren und für lange Jahre im Gefängnis zu verschwinden. Ganz offensichtlich soll an Tashi Wangchuk ein Exempel statuiert werden“, so Kai Müller.

Die tibetische Sprache, Fundament der tibetischen Kultur, Religion und Identität, wurde in den Jahrzehnten seit der gewaltsamen Besetzung Tibets durch die chinesischen Streitkräfte zunehmend marginalisiert. Die chinesischen Behörden fördern die Dominanz des Chinesischen insbesondere über die Schulen, wo das Tibetische als Unterrichtsmedium mehr und mehr verdrängt wird. Vorhandene rechtliche Schutzbestimmungen für Sprache und Kultur werden in Tibet nicht angewendet. Mehrfach war es deswegen in den vergangenen Jahren in Tibet zu Proteskundgebungen gekommen. Menschen, die nur des Tibetischen mächtig sind, erfahren in ihrer eigenen Heimat massive Nachteile im Hinblick auf ihre Jobchancen und die Höhe ihrer Einkommen. Tibetische Kinder und Jugendliche beherrschen die Muttersprache ihrer Eltern häufig nur noch unvollkommen, private Initiativen zur außerschulischen Vermittlung des Tibetischen werden von den Behörden unterbunden.

Unseren englischsprachigen Bericht „ICT calls for the immediate release of Tashi Wangchuk“ können Sie hier herunterladen.

Pressekontakt:

Kai Müller
Geschäftsführer
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Twitter: @savetibet

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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit mehr als 20 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien. ICT ist Mitglied der International Federation for Human Rights (FIDH) und des Deutschen Instituts für Menschenrechte.

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