Pekings langer Arm

Chinas Einfluss auf die Politik der nepalesischen Regierung zeigte sich in den vergangenen Wochen erneut in aller Deutlichkeit. Wachsendem Druck ausgesetzt sieht sich dabei die auf 20.000 Mitglieder geschätzte tibetische Gemeinde Nepals. Inzwischen werten die nepalesischen Behörden fast jede öffentliche Äußerung tibetischer Identität – gleich ob religiös oder politisch – als illegale „anti-chinesische Aktivität“ und versuchen, diese mit großem Personalaufgebot zu unterbinden. So löste die Polizei am 21. Juni in der Hauptstadt Kathmandu eine Solidaritätsmahnwache für die in der tibetischen Region Kardze verhafteten Demonstranten auf und nahm dabei zwölf Tibeter in Haft. Wenige Tage später verhinderten Hunderte Polizisten in Kampfmontur Feiern aus Anlass des Geburtstags des Karmapa Lama (26. Juni), zu weiteren Verhaftungen kam es in Kathmandu dann am 28. Juni. Insgesamt 39 Tibeter wurden dabei festgenommen, obwohl sie offenbar überhaupt nicht demonstriert, sondern lediglich gemeinsam Karten und Mahjong gespielt hatten. Von dieser Politik betroffen sind inzwischen offenbar auch nepalesische Buddhisten, die nach Aussage eines Menschenrechtlers aus Kathmandu ebenfalls ins Visier der Polizei gerieten und so in ihrer Religionsausübung beschnitten wurden. Einzelheiten können Sie hier in einem ICT-Bericht nachlesen.
Zu neuerlichen Zwischenfällen kam es dann am 6. Juli, dem 76. Geburtstag des Dalai Lama. Erneut verhinderte ein massives Polizeiaufgebot jegliches öffentliche Feiern dieses für gläubige Tibeter bedeutsamen Ereignisses. Bilder des Dalai Lama und „Happy Birthday“-Plakate wurden selbst dann konfisziert, wenn sie innerhalb von Klostermauern aufgehängt waren. Weitere Einzelheiten dazu finden Sie hier.
Ein kleines Zeichen der Hoffnung setzte – für viele überraschend – das Oberste Gericht Nepals, das am 10. Juli die Freilassung von zwölf seit dem 21. Juni inhaftierten Tibetern anordnete. Die Richter konnten keine „vernünftige Erklärung“ für die Verhaftung erkennen und befanden die Haft schlicht für „illegal“, wie es in den der ICT vorliegenden Gerichtsdokumenten heißt. Auch hierzu existiert ein Bericht der ICT, den Sie hier einsehen können. Mary Beth Markey, Präsidentin der International Campaign for Tibet nannte das Gerichtsurteil “ein ermutigendes Zeichen für die Unabhängigkeit des Rechtssystems in Nepal, trotz des Drucks aus Peking in Richtung Unterdrückung aller für ‚anti-chinesisch‘ befundenen Aktivitäten.“ Der Bericht enthält auch die Aussage eines der mittlerweile Freigelassenen. Der 39-jährige Tibeter schildert darin detailliert seine Misshandlung durch einen Polizeioffizier, der in ihm einen Rädelsführer der Mahnwache vom 21. Juni erkannt haben wollte und drohte, ihn zu töten, sollte er kein Geständnis ablegen.

Treffen trotz Protest

Fast zwei Wochen lang hielt sich der Dalai Lama im Juli in Washington auf. Wie bei Auslandsreisen des geistlichen Oberhaupts der Tibeter üblich, gab es einen vollen Terminkalender, zumeist waren es religiöse Veranstaltungen. Professionelle Beobachter und die großen Medien interessierten sich indes vor allem für die politische Seite des Dalai Lama-Besuchs in der US-Hauptstadt. Würde Barack Obama den Dalai Lama im Weißen Haus empfangen oder nicht, lautete ihre Frage. Die chinesische Regierung ließ keinen Zweifel an ihrer Haltung. Sie sei "strikt gegen ein Treffen jedes ausländischen Politikers mit dem Dalai Lama, egal in welcher Form", wurde der Sprecher des Außenministeriums in der Presse zitiert. Die US-Regierung wurde ausdrücklich vor Handlungen gewarnt, "die die US-chinesischen Beziehungen gefährden könnten". Nichts Neues aus Peking also, wo man nicht müde wird, den Dalai Lama als Separatisten zu verunglimpfen, gerade so als hätte man noch nie von dessen Politik des „Mittleren Weges“ gehört, die ausdrücklich darauf verzichtet einen eigenständigen tibetischen Staat zu fordern und stattdessen "echte Autonomie" innerhalb der Grenzen der Volksrepublik China anstrebt.

Trotz der chinesischen Proteste kam es dann am 16. Juli schließlich doch zu einem Empfang des Dalai Lama im Weißen Haus. Presseberichten zufolge teilte das Präsidialamt in Washington mit, US-Präsident Obama wolle „mit dem Gespräch im Weißen Haus seine ‚andauernde Unterstützung‘ für einen Dialog zwischen den Vertretern Tibets und der chinesischen Regierung zum Ausdruck bringen. Obama werbe für den Schutz der einzigartigen religiösen, kulturellen und sprachlichen Identität Tibets sowie die Einhaltung der Menschenrechte.“ Zu dem etwa eine Dreiviertelstunde dauernden Gespräch waren keine Journalisten zugelassen. Die International Campaign for Tibet begrüßte das Zustandekommen des Treffens im Weißen Haus in einer Pressemitteilung, die Sie hier nachlesen können.

Vor dem Empfang im Weißen Haus hatte sich der Dalai Lama bereits mit hochrangigen Vertretern des US-Kongresses getroffen, unter ihnen der republikanische Sprecher des Abgeordnetenhauses John Boehner und die demokratische Fraktionsvorsitzenden Nancy Pelosi.

Vier Jahre Haft für Schriftsteller

Unvermindert hoch ist der Druck der chinesischen Behörden auf tibetische Intellektuelle, Blogger und Autoren. Das vorläufig letzte Opfer dieser Politik ist Tashi Rabten, der Autor und Redakteur der tibetischen Zeitschrift „Shar Dungri“ („Östliche Schneeberge“). Am 2. Juni 2011 verurteilte ihn das Mittlere Volksgericht der Tibetisch Autonomen Präfektur Ngaba in der Provinz Sichuan zu einer vierjährigen Haftstrafe. In der Zeitschrift hatte er gemeinsam mit weiteren Autoren kritische Essays über die Situation in Tibet, insbesondere über die Entwicklung seit den Protesten im März 2008, zusammengestellt. Bereits im Juli 2009 war Tashi Rabten für einen kurzen Zeitraum festgenommen und dann wieder freigelassen worden. Am 6. April 2010, kurz bevor er sein Studium an der Nordwest-Minderheiten-Universität in Lanzhou abschließen konnte, wurde er dann erneut in Haft genommen. Über seinen Gesundheitszustand und seinen Aufenthaltsort gab es seitdem keinerlei Informationen. Zu dem am 2. Juni 2011 unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchgeführten Verfahren waren offenbar keine Angehörigen zugelassen. Ob Tashi Rabten von einem Rechtsbeistand seiner Wahl verteidigt werden konnte, ist nicht bekannt. Weitere Details zu diesem Fall finden Sie hier.
Tashi Rabten ist kein Einzelfall, weitere Tibeter, die ebenfalls für die Zeitschrift „Shar Dungri“ geschrieben hatten, teilen sein Schicksal. So wurden am 30. Dezember 2010 Dhonko, Buddha und Kelsang Jinpa zu vier bzw. drei Jahren Haft verurteilt. Dhonko war Leiter des staatlichen historischen Museums in Ngaba und ist ein bekannter Schriftsteller und Dichter. Buddha hat in Chongqing Medizin studiert und neben seinem Beruf als Arzt als Schriftsteller gearbeitet. Kelsang Jinpa, studierter Schriftsteller und Dichter, war zusammen mit Buddha Redakteur der Zeitschrift „Das Ich der modernen Zeit“. Die drei Intellektuellen verfassten hauptsächlich Artikel, die sich gegen die Repressionen der chinesischen Behörden ab 2008 richteten. Weitere Einzelheiten zu ihrem Fall können Sie hier nachlesen.
Im Mai 2010 bereits hatte die International Campaign for Tibet in ihrem Bericht "A Raging Storm: The Crackdown on Tibetan writers and artists after Tibet’s Spring 2008 Protests", über die chinesische Politik berichtet, die sich insbesondere gegen tibetische Intellektuelle richtet. Darin dokumentiert ICT die Fälle von mehr als 50 tibetischen Autoren, Bloggern und Künstlern, die in ihrer Arbeit behindert oder bedroht wurden, darunter mehr als 30 Tibeter, die sich in Haft befinden oder „verschwunden“ sind. Die englischsprachige Publikation umfasst 86 Seiten, und ist hier als kostenloser Download erhältlich. Zusätzlich kann sie auch über die ICT-Geschäftsstelle (Preis: 8,00 Euro inkl. Versand) bestellt werden.

Feiern ohne Fremde

Von einem Besuch in Lhasa konnten ausländische Touristen bereits seit Juni nur träumen, die erforderlichen Reisegenehmigungen waren schlicht nicht zu bekommen. Ausländische Journalisten kennen das bereits seit Jahren, sie dürfen allenfalls in handverlesenen Grüppchen nach Tibet reisen, in der Regel begleitet von einem Großaufgebot an Aufpassern. Wie die Deutsche Welle meldete, mussten kürzlich selbst die lokalen Mitarbeiter ihres chinesischen Programms „nach Aufforderung der Sicherheitsbehörden das Gebiet verlassen“. Und offenbar auch für chinesische Touristen wurde der Zugang nach Tibet eingeschränkt. Lhasa sei regelrecht "von der Außenwelt abgeschnitten" gewesen, hieß es in dem Beitrag unter Verwendung eines ICT-Zitats weiter. Die Patrouillen der Sicherheitskräfte in Lhasa wurden ausgeweitet, die ohnehin schon strengen Sicherheitsmaßnahmen weiter verstärkt. Grund für die Nervosität waren die offiziellen Feiern aus Anlass dessen, was die chinesische Führung als 60. Jahrestag der "friedlichen Befreiung" Tibets sieht, nämlich der Verkündung des „17-Punkte-Abkommens“ zwischen der chinesischen Führung und Vertretern des Dalai Lama am 23. Mai 1951.
Besonders aufgewertet wurden die Feierlichkeiten durch einen hochrangigen Besucher aus Peking, Chinas Vizepräsident Xi Jinping. Der Politiker, dem bei seiner Ankunft ein Khatag, ein tibetischer Glücksschal, umgehängt wurde, gilt allgemein als der kommende starke Mann in der chinesischen Führung. Es wird fest davon ausgegangen, dass er im kommenden Jahr Hu Jintao an der Spitze von Staat und Partei nachfolgen wird. Xis Auftritt beim großen Festakt in Lhasa am 19. Juli direkt unterhalb des Potala-Palasts ließ indes wenig Hoffnungen aufkommen, mit der Übergabe der Führung im Jahr 2012 könnte auch ein neuer Ansatz gegenüber den Tibetern verbunden sein. Xi Jinping wiederholte die altbekannten Propagandafloskeln. Tibet sei ein untrennbarer Bestandteil Chinas, und man werde „jeden Plan niederschlagen, der die Stabilität Tibets erschüttert und die nationale Einheit in Gefahr bringt", so Chinas Vizepräsident weiter.
Bereits in der Woche vor den Feierlichkeiten hatten die chinesischen Behörden eine unbekannte Zahl von Tibetern verhaftet. Einer tibetischen Quelle zufolge sollen alleine in Lhasa mindestens 100 Tibeter verhaftet und an unbekannte Orte gebracht worden sein, ein Muster, das bereits vom ersten Jahrestag der tibetischen Protestwelle im März 2008 bekannt ist. Weitere Einzelheiten zum Lhasa-Besuch Xi Jinpings und den offiziellen Feierlichkeiten in Lhasa können Sie hier einem aktuellen ICT-Bericht entnehmen.

Keep on running!

Gute Nachrichten von der aktuellen ICT-Kampagne „Laufen für Tibet“: Hans-Ulrich Billib aus Berlin, unser erster „Läufer für Tibet“ ist nicht mehr allein. Weitere Läuferinnen und Läufer haben sich der Aktion angeschlossen und werden in den kommenden Wochen und Monaten bei Laufereignissen in verschiedenen Regionen Deutschlands mit ihrer Teilnahme Tibet zum Thema machen. Vielen Dank dafür allen aktiven Sportlerinnen und Sportlern!

Wenn auch Sie „laufend“ für den Schutz der Menschenrechte eintreten und Tibet ins Licht der Öffentlichkeit rücken wollen, finden Sie hier alles was Sie dazu wissen müssen. Ganz nebenbei können Sie sich gleichzeitig fit halten und ihrer Solidarität mit dem tibetischen Volk öffentlich Ausdruck verleihen. Erzählen Sie Ihren Freunden, Ihren Bekannten und Arbeitskollegen davon, werben Sie dafür, dass sich auch andere Menschen ebenso wie Sie für Tibet einsetzen. Damit Sie als „Läuferin oder Läufer für Tibet“ erkennbar sind, erhalten Sie auf Wunsch ein kostenloses Stoffbanner mit dem Kampagnen-Logo zugeschickt. Dieses Stoffbanner lässt sich leicht mit Sicherheitsnadeln an Ihrem Laufshirt befestigen und bekundet unübersehbar Ihr Engagement.

Doch Sie müssen nicht unbedingt selbst die Laufschuhe schnüren, um die Kampagne „Laufen für Tibet" zu unterstützen. Mit einer Spende von beispielsweise einem Euro pro gelaufenem Kilometer können Sie den aktiven Läuferinnen und Läufern zusätzliche Motivation geben und helfen uns bei unserer Arbeit für Tibet. Als private Spender können Sie jetzt direkt online auf unserer Webseite spenden oder Sie überweisen auf unser Spendenkonto (Stichwort: 10463X Laufen für Tibet, Ihr Name und Ihre Anschrift). Unternehmen haben die Möglichkeit, eine so genannte "Lauf-Patenschaft" zu übernehmen. Lauf-Paten werden durch ihr Sponsoring symbolisch Pate für diese ICT-Kampagne. Das Firmenlogo eines Lauf-Paten wird auf Wunsch neben der Terminübersicht auf der Kampagnen-Webseite aufgeführt. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Irmtraut Wäger: Amala – Mein Leben für Tibet

Das Leben von Irmtraut Wäger zeichnet sich durch ihren unermüdlichen Einsatz für Tibet aus. Die Tibeter nennen sie deshalb "Amala", "verehrte Mutter". Mehr als 30 Jahre widmete sich die langjährige Vorsitzende der Deutschen Tibethilfe der Unterstützung tibetischer Flüchtlinge. Von ihrer kleinen Zweizimmerwohnung in München aus sammelte sie Gelder und vermittelte über 5.000 Patenschaften für Kinder, Studenten, Mönche, Nonnen und alte Tibeter. Dort besuchte sie der Dalai Lama im Jahr 2003.

Ihre im Februar erschienene Biographie beschreibt den Lebensweg einer außergewöhnlichen Frau, die für ihr herausragendes Engagement 1986 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt wurde. Im Jahr 2005 erhielt Wäger den „Light of Truth Award“ der International Campaign for Tibet vom Dalai Lama persönlich überreicht. Mit diesem Preis werden Personen ausgezeichnet, die sich auf besondere Weise für Tibet eingesetzt haben.

Unsere Arbeit

Kampagnenarbeit, Hilfsprojekte, politische Arbeit und mehr: Hier finden Sie weitere Informationen über unsere aktive Arbeit für die Menschen in Tibet. Mehr über unsere Arbeit

Tibetische politische Gefangene brauchen unsere Unterstützung!

Seit den landesweiten Protesten im letzten Jahr befinden sich immer noch mehr als 1.200 Tibeter in Haft oder sind „verschwunden“ – und müssen mit großer Wahrscheinlichkeit Folter und Misshandlungen hinnehmen. Der Grund: viele haben auf friedliche Weise gegen die Verhältnisse in Tibet und die Politik Pekings auf dem Hochland protestiert. Grundlegende Rechte werden ihnen damit systematisch vorenthalten.
Die Situation in Tibet ist eine Menschenrechtskrise, die uns alle angeht. Helfen auch Sie wie Schauspieler Hannes Jaenicke bei unserer Kampagne für tibetische Gefangene auf www.missingvoices.net oder sehen Sie ein Statement von Hannes Jaenicke auf unserer Webseite, laden Sie ein eigenes Videostatement hoch oder nehmen Sie an unserer Appellaktion an Staatspräsident Hu Jintao teil!

So können Sie helfen!

Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende bei unserem Einsatz für die Wahrung der Menschenrechte und die Selbstbestimmung des tibetischen Volkes.
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So können Sie helfen!

Mit 5 € können Malstifte und Zeichenblöcke gekauft werden.
Mit 50 € können 5 warme Decken gegen die Kälte bezahlt werden.
Mit 250 € könnten fünf zusätzliche Betten angeschafft werden.
Internationaler Vorsitzender ist der bekannte Schauspieler Richard Gere (Foto). Er setzt sich bereits seit vielen Jahren aktiv für die Freiheit und die Selbstbestimmung Tibets ein.

ICT – News April 2009 Chinesisches Gericht verhängt Todesstrafe gegen Tibeter

Am 8. April hat das Mittlere Volksgericht in Lhasa zwei Tibeter zum Tode verurteilt. Ihnen wird vorgeworfen, Geschäfte von Han-Chinesen in Brand gesetzt zu haben und dadurch den Tod mehrerer Menschen verursacht zu haben. Es handelt sich dabei um die ersten Todesurteile im Zusammenhang mit den Unruhen in Lhasa vom März 2008. Insgesamt wurden vor dem Mittleren Volksgericht in Lhasa drei Fälle von Brandstiftung verhandelt, die sich einem Bericht der amtlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua zufolge alle am 14. März 2008 ereignet haben sollen. Dabei hätten sieben Menschen den Tod gefunden. Zwei Angeklagte, deren Namen von Xinhua mit Losang Gyaltse und Loyar angegeben wurden, erhielten die Todesstrafe, zwei weitere Todesstrafen ergingen mit zweijährigem Aufschub, ein Angeklagter erhielt lebenslänglich. Todesstrafen mit Aufschub können in China bei guter Führung in lebenslange Haft umgewandelt werden. 
Der Meldung zufolge seien zwar alle fünf Angeklagten von Rechtsanwälten vertreten worden. Aus früheren Fällen ist jedoch bekannt, dass eine freie Wahl des Anwalts häufig unmöglich ist. So wurden im vergangenen Jahr 18 engagierte Bürgerrechtsanwälte massiv bedroht, sollten sie ihre Dienste Angeklagten in politisch sensiblen Verfahren anbieten. Generell muss davon ausgegangen werden, dass in solchen Fällen internationale Mindeststandards nicht eingehalten werden. Folter und Einschüchterung der Angeklagten sind an der Tagesordnung, die Gerichte stehen unter hohem Druck, ihre Urteile entsprechend den Erwartungen der politischen Führung zu fällen. ICT fordert die chinesischen Behörden auf, alle Urteile, die gegen Teilnehmer an den Protesten in Tibet vom März 2008 ergangen sind, unter der Teilnahme unabhängiger Beobachter zu überprüfen und in jedem Fall von der Anwendung der Todesstrafe abzusehen. Die Härte der ergangenen Urteile dürfte in keiner Weise geeignet sein zu einer Beruhigung der Lage beizutragen. Die Spannungen in Tibet dürften dadurch im Gegenteil nur noch erhöht werden.
Wenn Sie mehr über unseren weltweiten Einsatz für das tibetische Volk erfahren möchten, sehen Sie das
ICT-Video „20 Years ICT“.

„Tag der Befreiung der Leibeigenen“ provoziert Widerspruch

Mit großem Aufwand inszenierte die chinesische Staatsführung am 28. März in Lhasa die Feierlichkeiten zum „Tag der Befreiung der Leibeigenen“ in Tibet. Tatsächlich aber markiert das Datum den 50. Jahrestag der Niederschlagung des tibetischen Volksaufstands. Damit begann die Phase der direkten Herrschaft Pekings über Tibet. Am 28. März verkündete der chinesische Ministerpräsident Zhou Enlai die Auflösung der tibetischen Regionalregierung. Dies bedeutete das vorläufige Ende des tibetischen Volksaufstands, der am 10. März begonnen hatte. In seinem Verlauf verloren mehrere zehntausend Tibeter ihr Leben, der Dalai Lama musste – begleitet von zahlreichen Flüchtlingen – seine Heimat verlassen und lebt seither im indischen Exil. Der neue Feiertag muss als Reaktion auf die massiven Proteste im März 2008 gesehen werden. Diese machten aller Welt deutlich, dass die chinesische Herrschaft von den Tibetern keineswegs als Befreiung empfunden wird. Mit massiver Propaganda soll nun der große Fortschritt gewürdigt werden, den China angeblich nach Tibet gebracht hat. Vor allem der chinesischen Öffentlichkeit gegenüber wird deshalb betont, wie unsagbar rückständig die gesellschaftlichen Verhältnisse in Tibet gewesen seien. Dabei wird vom Dalai Lama keineswegs bestritten, dass Tibet vor 1959 eine äußerst arme Gesellschaft war und dass es große Ungerechtigkeiten gab. Klar ist, dass der Dalai Lama längst schon Reformen eingeleitet hatte und Tibet auch ohne chinesische Herrschaft seinen eigenen Weg der Modernisierung gegangen wäre. Insofern ist der „Tag der Befreiung der Leibeigenen“ eine Provokation für die tibetische Bevölkerung und ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die an einer Entspannung der Lage interessiert sind.

Missing Voices – prominente Unterstützer jetzt online

Neue prominente Unterstützer auf der neuen ICT-Webseite für politische Gefangene: Burkhardt Müller-Sönksen (FDP), Obmann im Menschenrechtsausschuss des Deutschen Bundestages, Thomas Mann (CDU), Präsident der Tibet-Intergroup im Europäischen Parlament, jetzt mit Statements auf www.missingvoices.net. Machen Sie mit: auch Sie können uns Ihr Video zuschicken und damit den vielen inhaftierten Tibetern symbolisch eine Stimme verleihen! Vielen Dank!

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