International Campaign for Tibet
 

Tibet-News Juli 2010

Tibetische Umweltschützer verurteilt

Karma Samdrup wurde am 24. Juni 2010 zu 15 Jahren Haft verurteilt. Foto: "Woeser's Middle Way Blog".

Noch vor einem Jahr galten die drei Brüder Rinchen und Karma Samdrup sowie Chime Namgyal in Tibet als Vorzeigebürger. Die Gründer der Umweltschutzorganisation „Three Rivers Environmental Protection Group“ hatten für ihre Arbeit zahlreiche Auszeichnungen erhalten, unter anderem von dem Automobilhersteller Ford. Auch in den staatlichen chinesischen Medien war die Arbeit der Organisation lobend erwähnt worden, das Staatsfernsehen CCTV hatte Karma Samdrup im Jahr 2006 sogar noch zum „Wohltäter des Jahres“ ernannt.

Heute hingegen sitzen alle drei in Haft. Chime Namgyal, der Jüngste, wurde zu 21 Monaten Umerziehung durch Arbeit verurteilt. Karma Samdrup wurde am 24. Juni von einem Gericht in der Region Xinjang zu 15 Jahren Haft verurteilt, offiziell wegen eines Falles von „Grabraub“ aus dem Jahr 1998, einem Vorwurf, der seinerzeit schon von der Polizei als widerlegt fallengelassen worden war. Weitere Einzelheiten können Sie hier nachlesen. Und für Rinchen Samdrup, den ältesten der Brüder lautete das Urteil am 3. Juli 2010 fünf Jahre Haft wegen "Anstiftung zur Spaltung des Landes". Näheres dazu finden Sie hier.

Nach Ansicht der International Campaign for Tibet deutet alles darauf hin, dass die Anschuldigungen vorgeschoben waren und die Tibeter zu Unrecht verurteilt wurden. ICT fordert daher, die Urteile aufzuheben und Rinchen und Karma Samdrup sowie Chime Namgyal unverzüglich freizulassen. Besonders besorgniserregend aus ICT-Sicht waren Berichte von Angehörigen, dass die drei Brüder während der Haft gefoltert worden seien. Aus Anlass der China-Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte die International Campaign for Tibet daher die Bundesregierung in einer Pressemitteilung auf, sich für die tibetischen Umweltschützer einzusetzen.

Der Forderung nach unverzüglicher Freilassung angeschlossen hat sich auch ICT-Mitglied Hannes Jaenicke. Der bekannte Schauspieler und Dokumentarfilmer sagte in einer Pressemitteilung: „Offenbar ist jeder engagierte Tibeter, der besonderes Ansehen genießt, eine Bedrohung für die Staatsmacht. Das trifft sogar solche Tibeter, die von den chinesischen Behörden wegen ihrer Arbeit für den Umweltweltschutz oder soziale Anliegen als vorbildliche Bürger bezeichnet werden. Dass dabei selbst vor Folter und Misshandlung nicht zurückgeschreckt wird, ist völlig inakzeptabel.“

Glückwünsche zum 75. Geburtstag des Dalai Lama

Man sieht ihm die Zahl seiner Lebensjahre nicht an. Der Dalai Lama bei seinem Besuch in der Schweiz im April 2010. Foto: tibetfocus.com.

Mehr als zehntausend Menschen aus aller Welt folgten dem Angebot der International Campaign for Tibet und übermittelten ihre Geburtstagsgrüße an den Dalai Lama. Das ICT-Büro in den Niederlanden hatte dazu eigens eine Postkarte entworfen, in Deutschland und den USA kamen die meisten Zusendungen per E-Mail oder über unsere Facebook-Seite. Viele der Gratulanten beließen es nicht bei einfachen Glückwünschen, unter den Einsendungen fanden sich sehr persönliche Beiträge wie Gedichte oder selbst eingespielte Geburtstagsständchen als mp3-Datei im E-Mail-Anhang.

ICT sagt allen Gratulanten herzlichen Dank! Die Glückwünsche wurden inzwischen nach Dharamsala an das persönliche Büro des Dalai Lama weitergeleitet. Bitte haben Sie Verständnis, dass der von einigen Gratulanten vorgebrachten Bitte um Rückantwort aufgrund der großen Zahl der Glückwünsche leider nicht entsprochen werden kann.

Seinen Geburtstag beging das religiöse Oberhaupt der Tibeter am 6. Juli in Dharamsala. Trotz Dauerregens waren mehrere Tausend Tibeter zu diesem Anlass zusammengekommen und feierten gemeinsam mit dem Friedensnobelpreisträger von 1989 das freudige Ereignis.

Gefährliche Flucht

"Dangerous Crossing" - den neuen ICT-Bericht zur Lage der tibetischen Flüchtlinge in Nepal können Sie entweder als Druckversion bestellen oder aus dem Internet herunterladen.

Zwei Vorfälle aus dem Juni beleuchten die zunehmend schwieriger werdenden Aussichten für tibetische Flüchtlinge, die versuchen, über nepalesisches Territorium ins rettende Indien zu gelangen. Immer häufiger ist zudem in Berichten die Rede davon, dass chinesische Grenztruppen offen auf der nepalesischen Seite der Grenze tätig werden. In einem Fall gelang es einer Gruppe von sieben Personen, darunter zwei Kinder im Alter von sieben und zwölf Jahren, sich mehrere Tage im Wald vor den Nachstellungen der chinesischen Grenzer versteckt zu halten, bis es ihnen gelang, Kontakt zu Mitarbeitern des Aufnahmezentrums für tibetische Flüchtlinge herzustellen, die ihren Transport in die Hauptstadt Kathmandu organisierten. Die Flüchtlinge waren zuvor von nepalesischen Polizisten aufgegriffen und ins Grenzgebiet zurückgebracht worden. Gleiches geschah drei weiteren Tibetern, zwei Mönchen aus dem grenznahen Kloster Korchak und einer Frau aus Shigatse. Anders als im ersten Beispiel übergaben die Polizisten die Flüchtlinge jedoch direkt an die chinesischen Grenztruppen, die die Flüchtlinge auf der Polizeistation von Muchu im Nordwesten Nepals persönlich in Empfang nahmen und über die Grenze zurück nach Tibet brachten. Es muss befürchtet werden, dass die drei Flüchtlinge gefoltert werden, ihnen drohen nach aller Erfahrung Gefängnis oder Arbeitslager unter äußerst harten Bedingungen.

Fälle wie diese schildern zwei neue Berichte der International Campaign for Tibet (ICT), die zum Weltflüchtlingstag am 20. Juni veröffentlicht worden sind. Sie dokumentieren eine deutliche Verschlechterung der Lage der Tibeter und die zunehmend flüchtlingsfeindliche Haltung der nepalesischen Behörden. So hat es immer mehr den Anschein, als ob Nepal das bisherige ‚Gentleman’s Agreement’ mit dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) aufkündigen wolle, demzufolge allen Flüchtlingen eine sichere Weiterreise nach Indien gewährt würde, sofern sie nepalesischen Boden betreten haben. Weitere Details zu den Berichten können Sie hier nachlesen.

Insgesamt 838 Tibetern gelang im Jahr 2009 die gefährliche Flucht über den Himalaja nach Nepal und von dort weiter nach Indien. Dies bedeutet eine leichte Steigerung gegenüber den 652 Menschen, denen dies im Jahr 2008 gelungen war. In den Jahren davor hatte die Zahl der Tibeter, denen die Flucht geglückt war, noch jeweils zwischen 2.500 und 3.500 gelegen. Weitere Informationen finden Sie in den beiden englischsprachigen Berichten “A fragile welcome: China’s influence on Nepal and its impact on Tibetans” und “Dangerous Crossing: Conditions Impacting the Flight of Tibetan Refugees, 2009”. Den zweiten Bericht können Sie zudem über die ICT-Geschäftsstelle auch in der gedruckten Fassung zu 8,00 Euro (inkl. Versand) bestellen. 

ICT bei EU-China-Menschenrechtsseminar

Vincent Metten aus dem Brüsseler Büro nahm für ICT an dem Menschenrechtsseminar in Madrid teil. Foto: ICT.

Die International Campaign for Tibet nahm vor kurzem am Menschenrechtsseminar im Rahmen des EU-China-Menschenrechtsdialogs teil. Dieser findet mit kurzen Unterbrechungen seit 1995 halbjährlich statt und wird in der Regel jeweils von dem EU-Mitgliedsland organisiert, das gerade den Ratsvorsitz innehat. Menschenrechtsseminare zu spezifischen Rechtsfragen sollen „den Dialogprozess für Akademiker und die Zivilgesellschaft aus der EU und China“ öffnen. 

Das Menschenrechtsseminar fand am 26. und 27. Juni in Madrid statt. ICT war vertreten durch Vincent Metten, den für die EU-Politik verantwortlichen Leiter des Brüsseler Büros von ICT, der einen 15-minütigen Vortrag zum Thema Minderheitenrechte hielt. Im Zentrum seiner Präsentation stand der Vergleich der rechtlichen Lage von Minderheiten in Europa und der Volksrepublik China. Metten hob dabei die Mängel in der Umsetzung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte insbesondere der Tibeter hervor und formulierte konstruktive Empfehlungen, wie diese Mängel abgebaut werden könnten.

Ihre Internetsuche hilft ICT

Mit jeder Internetsuche bei benefind können Sie ICT unterstützen.

Jeder, der im Internet etwas sucht, ist auf Suchmaschinen angewiesen, erst mit ihrer Hilfe kann man sich Wege durchs Dickicht des World Wide Web bahnen. Viele Internetnutzer verwenden einfach die Standardsuchmaschinen der großen Anbieter ohne sich Gedanken über mögliche Alternativen zu machen. Was die wenigsten von ihnen wissen dürften: Es gibt inzwischen eine Möglichkeit, mit jeder einzelnen Suchanfrage Gutes zu tun und eine gemeinnützige Organisation zu unterstützen - beispielsweise die International Campaign for Tibet.

Wie das gehen soll? Folgen Sie einfach diesem Link, und schon erscheint in der Kopfzeile ihres Browsers www.benefind.de. In dem Fenster sehen Sie eine Suchzeile für Ihren Suchbegriff und darunter den Text „Mit jeder Suchanfrage unterstützen Sie eine Hilfsorganisation Ihrer Wahl“. Wenn Sie diesen Text anklicken, gelangen Sie zu den Organisationen, die mit benefind zusammenarbeiten. Unter dem Anfangsbuchstaben "I" finden Sie nun die ICT, einmal auf „Auswählen“ geklickt, schon erhält ICT für jede Suchanfrage, die Sie auf diese Weise tätigen, einen halben Cent von benefind überwiesen.

Sie fragen sich, wie das gehen soll? Was auf den ersten Blick märchenhaft erscheinen mag, lässt sich leicht erklären. So heißt es auf der benefind-Seite: "Wie jede andere Suchmaschine zeigt benefind neben automatischen Suchergebnissen auch Werbeeinblendungen (so genannte gesponserte Suchergebnisse). Das Besondere an benefind ist, dass der gesamte Erlös aus diesen Werbeeinblendungen nach Abzug der eigenen Kosten für Technik, Vertrieb und Verwaltung an anerkannte Hilfsorganisationen gespendet wird. Die Verteilung der Spendengelder bestimmen Sie, indem Sie auswählen, welche Hilfsorganisation Sie mit Ihrer Suchanfrage unterstützen möchten."

Technisch übrigens ist benefind den herkömmlichen Suchmaschinen durchaus ebenbürtig, basiert die Suche doch auf Microsofts erst vor einem Jahr gestarteten Programm "bing". Probieren Sie es also ruhig einmal aus, suchen Sie fleißig im Internet und unterstützen Sie so die Arbeit der ICT. Und sagen Sie es in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis weiter. Danke!

Dalai Lama

„Die International Campaign for Tibet hat einen lobenswerten Beitrag zur Förderung von Menschenrechten und Demokratie in Tibet geleistet.“
14. Dalai Lama

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