International Campaign for Tibet
 

Tibet-News Juni 2010

„A Raging Storm“ - Neuer ICT-Bericht

Den neuen ICT-Bericht „A Raging Storm: The Crackdown on Tibetan Writers and Artists after Tibet’s Spring 2008 Protests“ können Sie im Bereich Mediathek/Publikationen herunterladen.

Das Vorgehen der chinesischen Polizei variiert. Mal erfolgt die Verhaftung am Arbeitsplatz, mal stürmt die Polizei ein Studentenwohnheim, mal wird im Restaurant zugegriffen, manchmal erfolgt der Zugriff auf offener Straße. Die Namen der Verhafteten lauten Shogdung (im Bild unten. Foto: phayul.com) oder Tashi Rabten, sie heißen Druklo oder Kunchok Tsephel. Was sie verbindet? Sie alle sind Tibeter, sie alle schreiben, bloggen oder singen über die Lage der tibetischen Bevölkerung unter chinesischer Herrschaft. Alle sind sie gut ausgebildet und vertraut mit modernen Kommunikationsmöglichkeiten. Seit 2008 äußern sich tibetische Autoren und Künstler verstärkt zur Situation in ihrer Heimat, die KP-Führung erkennt darin ganz offensichtlich eine Bedrohung für ihre Politik.

Ein neuer Bericht der International Campaign for Tibet dokumentiert nun die Fälle von mehr als 30 tibetischen Autoren, Bloggern und Künstlern, die sich in Haft befinden oder „verschwunden“ sind. Zusätzlich aufgeführt sind weitere Tibeter, die wegen ihres mutigen Beharrens auf ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung unmittelbar von Verfolgung bedroht sind. Nach ICT-Einschätzung sind Künstler und Intellektuelle derzeit in Tibet so stark von Repression betroffen wie seit Ende der Kulturrevolution nicht mehr. Einige der in dem Bericht aufgeführten Tibeter wurden zu langen Haftstrafen verurteilt, andere müssen staatliche Verfolgung fürchten. Weitere Einzelheiten können Sie unserer Pressemitteilung entnehmen. Den vollständigen englischsprachigen Bericht „A Raging Storm: The Crackdown on Tibetan Writers and Artists after Tibet’s Spring 2008 Protests“ finden Sie hier.

Panchen Lama Thema beim UN-Menschenrechtsrat

Gedhun Choekyi Nyima. Der 11. Panchen Lama war erst sechs Jahre alt, als er entführt wurde.

Nur ein einziges Foto existiert von Gedhun Choekyi Nyima. Es zeigt einen kleinen tibetischen Jungen von etwa sechs Jahren - vielleicht war es überhaupt das erste Mal, dass er fotografiert worden war. Nachdem der Dalai Lama am 14. Mai 1995 in ihm die Reinkarnation des 10. Panchen Lama erkannt hatte, änderte sich sein Leben jedoch von Grund auf. Der 11. Panchen Lama wurde gemeinsam mit seiner Familie von den chinesischen Behörden entführt. Seit nunmehr 15 Jahren ist er „verschwunden“. Vermutlich jedoch lebt der Panchen Lama noch – isoliert von der Welt, in so genannter „Schutzhaft“ der chinesischen Behörden und inzwischen 21 Jahre alt.

Die International Campaign for Tibet hatte Anfang Juni die seltene Gelegenheit, vor einem UN-Gremium auf das Schicksal des Panchen Lama aufmerksam zu machen. Anlässlich einer Sitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf, die sich mit geheimen Haftanstalten beschäftigte, konnte die ICT-Mitarbeiterin Leslie Butterfield in ihrer Stellungnahme auf seinen Fall eingehen. Darin forderte sie die chinesische Regierung auf, endlich mitzuteilen, wo der Panchen Lama festgehalten wird. Weitere Einzelheiten über die Erklärung der ICT-Mitarbeiterin können Sie hier nachlesen.

Nach wie vor haben Sie die Gelegenheit, sich an der ICT-Kampagne für den Panchen Lama zu beteiligen. Darin wird die chinesische Regierung aufgefordert, die Rechte des tibetischen Volkes auf freie Ausübung seiner Traditionen und seiner Religion zu achten und endlich freien Zugang zum 11. Panchen Lama zu gewähren. Eine Musterpetition finden Sie hier. Allen, die sich für den „verschwundenen“ Panchen Lama einsetzen, herzlichen Dank!

Big Brother in Lhasa

Überwachungskameras sind seit kurzem Pflicht in allen Hotels in Lhasa. Bild: Getty Images

Mit neuen drastischen Bestimmungen für die Betreiber von Hotels und Kopierläden verschärfen die chinesischen Sicherheitsbehörden die Überwachung der Bürger von Lhasa. In einer kürzlich ergangenen Anweisung werden alle Hotels und Pensionen angewiesen, Ausweisscanner für ihre Gäste und Überwachungskameras für ihre Räumlichkeiten anzuschaffen. Wer sich der Anordnung widersetzt, riskiert den Verlust seiner Geschäftslizenz, berichtet Radio Free Asia. Zudem wurden Hotels und Pensionen angewiesen, Sicherheitspersonal einzustellen, das zuvor ein verpflichtendes Training durch die Behörden absolviert haben muss. Eine Übernachtung ohne Personalpapiere ist nicht gestattet, Ausweise müssen mit Hilfe des direkt mit der Polizei verbundenen Scanners ausgelesen werden, zusätzlich muss täglich eine Liste der Gäste an die Polizei übermittelt werden. Nur noch Hotels dürfen Ausländer beherbergen, kleinen Familienpensionen ist dies untersagt. Weitere Einzelheiten können Sie diesem englischsprachigen Bericht von Radio Free Asia entnehmen.

Bereits vor einigen Wochen trat eine weitere Anordnung in Kraft, der zufolge in Lhasa Fotokopien nur noch nach Vorlage eines Ausweises erstellt werden können. Namen und Adressen der Kunden sollen von den Betreibern der Copy-Shops registriert und den Behörden übermittelt werden. Wer nicht in Lhasa polizeilich gemeldet ist, erhält überhaupt keine Genehmigung, Kopierläden zu nutzen. In von Han-Chinesen geführten Geschäften wird offenbar generell nichts auf Tibetisch Geschriebenes kopiert, da die Betreiber dies zumeist nicht lesen können und Angst haben, ihre Lizenz zu verlieren. Mit diesen Maßnahmen soll verhindert werde, dass kritische Flugblätter oder Aufrufe schnell und in großer Stückzahl erstellt werden können.

Todesurteil und Proteste in Tibet

Sonam Tsering wurde Ende Mai in Lhasa zum Tode verurteilt. Foto: TCHRD

Erneut ist in Tibet ein Todesurteil gefällt worden. Wie am 25. Mai bekannt wurde, verurteilte das Mittlere Volksgericht von Lhasa den Tibeter Sonam Tsering für seine mutmaßliche Beteiligung an den gewaltsamen Ausschreitungen in Lhasa am 14. März 2008 zum Tode. Die Strafe wurde für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt. In der Regel erfolgt nach Ablauf dieser Frist die Umwandlung in lebenslange Haft. Vor Sonam Tsering waren bereits sechs weitere Tibeter wegen ähnlicher Vorwürfe zum Tode verurteilt worden, zwei von ihnen ohne Bewährungsaufschub. Ihre Hinrichtung erfolgte im Oktober 2009.

Unterdessen reißen die Proteste der lokalen Bevölkerung gegen den forcierten Ausbau der wirtschaftlichen Infrastruktur und die ungebremste Ausbeutung der Bodenschätze in Tibet nicht ab. In zwei Fällen kam es dabei zu Zusammenstößen zwischen Tibetern und chinesischen Sicherheitskräften. Im ersten Fall eröffnete die Polizei das Feuer auf eine Menge von circa 1.000 Dorfbewohnern, die in Labrang gegen die von einer chinesischen Zementfabrik ausgehende Umweltverschmutzung protestieren wollten. 15 Menschen mussten anschließend im Krankenhaus behandelt werden. Einen detaillierten englischsprachigen Bericht finden Sie hier. In Markham wurden bei Protesten gegen ein Bergbauprojekt fünf Tibeter verletzt und dreizehn verhaftet. Sie hatten dagegen protestiert, dass entgegen einer früheren Vereinbarung die Arbeiten an einer Goldmine wieder aufgenommen wurden. In dem äußerst sensiblen Ökosystem des tibetischen Hochlands haben chinesische Wirtschaftsaktivitäten häufig drastische Umweltverschmutzungen zur Folge.

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Dalai Lama

„Die International Campaign for Tibet hat einen lobenswerten Beitrag zur Förderung von Menschenrechten und Demokratie in Tibet geleistet.“
14. Dalai Lama

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