International Campaign for Tibet
 

Tibet-News Mai 2010

Erdbeben in Tibet

Ein Mitarbeiter der Tibet Foundation neben einem frisch beladenen LKW mit Hilfsgütern für die Erdbebenopfer. Unten: Die Fahrt kann gleich losgehen. Fotos: Tibet Foundation.

Viele Unterstützer der International Campaign for Tibet haben spontan ihre Hilfsbereitschaft für die Opfer des verheerenden Erdbebens in Tibet unter Beweis gestellt, dem nach offiziellen Angaben knapp 2.200 Menschen zum Opfer gefallen sind. In wenigen Tagen gingen beim ICT-Büro in Berlin Spenden von mehr als 10.000 Euro ein. ICT leitet das gesamte Geld an die Erdbebenhilfe der Tibet Foundation in London weiter, die unverzüglich damit begonnen hat, Hilfslieferungen in die betroffene Tibetische Autonome Region Yushu zu organisieren. Wie ICT-Geschäftsführer Kai Müller betonte, werden die Gelder für unmittelbare Nothilfe sowie für den Wiederaufbau wichtiger sozialer Projekte vor Ort verwendet. Allen Spenderinnen und Spendern gilt unser herzlicher Dank!

Unterdessen hat die chinesische Führung den Versuch unternommen, die Katastrophe und die Rettungs- und Aufräumarbeiten in ihrem Sinne zu instrumentalisieren. Zwar waren es in den ersten Tagen nach dem Beben vor allem tibetische Nonnen und Mönche, die teils mit bloßen Händen versuchten, Verschüttete zu bergen und die zahlreichen Verletzten medizinisch zu versorgen. Tausende von ihnen waren aus allen Teilen Tibets nach Yushu gereist, um helfen zu können. Die staatliche Katastrophenhilfe dagegen kam erst allmählich in Gang, viele chinesische Helfer waren mit der ungewohnt dünnen Luft auf bis zu 4000 Meter Höhe überfordert. Als deren Arbeit begonnen hatte, leidlich zu funktionieren, erhielten die nicht aus Yushu stammenden Nonnen und Mönche die Aufforderung, in ihre Heimat zurückzukehren. Ihre Arbeit würde nicht mehr benötigt, hieß es. Weitere Details zu diesem Thema können Sie hier einem Beitrag entnehmen, den Tsering Jampa, die Geschäftsführerin der International Campaign for Tibet Europe in Amsterdam für die Deutsche Welle verfasst hat. Zudem erging eine Direktive, die Berichterstattung über die Folgen des Erdbebens herunterzufahren und gleichzeitig verstärkt über die am 1. Mai eröffnete Weltausstellung in Shanghai zu berichten.

Panchen Lama immer noch „verschwunden“

Gedhun Choekyi Nyima, der 11. Panchen Lama. Er war erst sechs Jahre alt, als er entführt wurde.

Bis zum 14. Mai 1995 war Gedhun Choekyi Nyima ein ganz normaler tibetischer Junge in Tibet, der keine drei Wochen zuvor seinen sechsten Geburtstag gefeiert hatte. Doch dieser Tag sollte sein gesamtes bisheriges Leben auf den Kopf stellen. Der Dalai Lama erkannte in ihm die Reinkarnation des einige Jahre zuvor verstorbenen 10. Panchen Lama. Drei Tage später „verschwand“ er, gemeinsam mit seiner Familie entführt von den chinesischen Behörden. Niemand, der den kleinen Jungen und seine Familie gekannt hatte, hat sie seither wieder gesehen. Weitere Informationen zu dem Fall des vielleicht bekanntesten tibetischen Gefangenen können Sie hier lesen.

Hintergrund der Entführung war der immer noch anhaltende Versuch der chinesischen Regierung, sich den tibetischen Buddhismus zu Willen zu machen, indem die Organe des offiziell atheistischen Staates damit begannen, ihnen willfährige Reinkarnationen hoher geistlicher Führer installieren. Bestes Beispiel hierfür ist Gyeltshen Norbu. Ein halbes Jahr nach der Entführung des „echten“ Panchen Lama wurde er von der chinesischen Regierung als solcher anerkannt. Sowohl der Dalai Lama als auch die überwältigende Mehrheit der Tibeter lehnen dies entschieden ab und beharren darauf, dass Gedhun Choekyi Nyima, der echte Panchen Lama, aus seiner „Schutzhaft“ entlassen und seinem Volk zurückgegeben wird.

Zum 15. Jahrestag seiner Entführung erneuert die International Campaign for Tibet ihre Kampagne für den Panchen Lama. Wir fordern von der chinesischen Regierung, die Rechte des tibetischen Volkes auf freie Ausübung ihrer Traditionen und ihrer Religion zu achten und endlich freien Zugang zum 11. Panchen Lama zu gewähren. Dafür muss jedoch der Druck auf die chinesischen Behörden erhöht werden. Auch Sie können dabei helfen, indem Sie noch heute unsere Petition zugunsten des heute Einundzwanzigjährigen und seiner Familie unterzeichnen. Schenken Sie den Menschen in Tibet und dem jungen Gedhun Choekyi Nyima Hoffnung. Hier können Sie dies ganz bequem tun. Vielen Dank ihnen dafür!

„Himmlisches Tibet“ bei Expo in Shanghai

Bilder, die die Besucher des Tibet-Pavillons nicht zu sehen bekommen: Ein später hingerichteter Tibeter wird von der Polizei vorgeführt. (Foto: TCHRD).

Dass die Weltausstellung in Shanghai den in- und ausländischen Besuchern ein von Misstönen ungetrübtes Bild Chinas zeichnen soll, ist nicht verwunderlich. Bei geschätzten Kosten von 45 Milliarden US-Dollar – mehr als selbst die Olympischen Spiele 2008 verschlungen haben - kann man nichts anderes erwarten. Besonders aufwändig fiel die Darstellung des eigenen Landes aus. So präsentiert die Pekinger Führung dem Publikum die 22 chinesischen Provinzen, die vier der Regierung direkt unterstellten Großstädte und die fünf autonomen Gebiete in einer gemeinsamen Ausstellungshalle mit eigens gestalteten Pavillons. Wer sie besucht, kann sich ein ausgezeichnetes Bild der aktuellen Propaganda-Linie machen. Besonders am Tibet-Pavillon lässt sich vortrefflich studieren, wie die Kommunistische Partei die tibetische Wirklichkeit präsentieren lässt.

Unter dem Titel „Himmlisches Tibet“ bekommen die Besucher ein ungetrübtes Bild von Fortschritt, Wirtschaftswachstum und malerischer Landschaft geboten. Keine Spur von der massiven Umweltzerstörung durch die zahlreichen Bergbauprojekte, von zwangsangesiedelten tibetischen Nomaden, die damit ihre bisherige Lebensgrundlage verloren haben, oder der allgegenwärtigen Unterdrückung von Meinungs- und Religionsfreiheit. ICT- Geschäftsführer Kai Müller sagte dazu in der hier nachzulesenden Pressemitteilung der International Campaign for Tibet: „Wenn die Harmonie in Tibet wirklich so groß ist, wie es der Tibet-Pavillon suggeriert, warum gibt es dann immer wieder Proteste im Land, warum sind dann so viele Tibeter in Haft, warum finden fortdauernd die ‚patriotischen Erziehungsmaßnahmen’ statt und warum haben unabhängige Beobachter dann keinen uneingeschränkten Zugang nach Tibet?“

Fragen, die im „Himmlischen Tibet“ leider gar nicht erst gestellt werden.

Kritischer Publizist verhaftet

Der 45-jährige Shogdung wurde nach einem kritischen Aufruf im Internet verhaftet. Foto: Phayul.com

Es war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, als der tibetische Publizist Shogdung wenige Tage nach dem verheerenden Erdbeben im tibetischen Hochland einen Aufruf unterschrieb, der in verschiedenen Internet-Blogs veröffentlicht wurde. Gemeinsam mit mehreren führenden tibetischen Intellektuellen kritisierte er darin die staatlich gesteuerte Berichterstattung über das Erdbeben und die Aufräumarbeiten in den chinesischen Medien. Außerdem forderte die Gruppe darin zu Spenden für die Opfer auf, verband dies jedoch mit der Aufforderung, diese nicht an die staatlichen Stellen zu geben, da ansonsten davon ausgegangen werden müsste, dass ein Großteil des Geldes in privaten Taschen landen würde. Kurz nach der Veröffentlichung des Aufrufs wurde der 45-jährige Shogdung von Polizisten an seinem Arbeitsplatz festgenommen.
Zum Welttag der Pressefreiheit am 3. Mai veröffentlichte die International Campaign for Tibet eine Pressemitteilung, die Sie hier nachlesen können. Darin finden Sie zusätzliche Informationen über Shogdung sowie eine Reihe weiterer Tibeter, die derzeit in chinesischer Haft sitzen, weil sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen hatten. Einen detaillierten Bericht zur Lage verfolgter tibetischer Journalisten, Blogger und Schriftsteller wird die International Campaign for Tibet in Kürze auf Englisch veröffentlichen.

Signieren Sie Ihre Mails für Tibet

In Zukunft könnte jede Ihrer E-Mails dafür werben, sich ebenfalls für Tibet einzusetzen.

Dass man sich mit Hilfe von E-Mails für die Menschenrechte einsetzen kann, ist für die meisten von uns ein alter Hut. Man beteiligt sich an einer Online-Petition, beispielsweise auf der Missing-Voices-Seite der International Campaign for Tibet: Name und E-Mail-Adresse eingeben, einmal klicken, fertig!
Doch auch mit jeder „normalen“ E-Mail, sei sie privater oder geschäftlicher Natur, können Sie etwas zugunsten der Menschenrechte in Tibet unternehmen. Was Sie dazu tun müssen? Ganz einfach, Sie richten Ihre E-Mails so ein, dass am Ende Ihrer Mail, nach Ihrer Adresse, ein Verweis auf die Arbeit der International Campaign for Tibet zu lesen ist.

Praktisch könnten Ihre E-Mails in Zukunft so schließen:

Maria Mustermann

Beispielplatz 4

17777 Musterhausen

Telefon +49 3324 555 55

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Unterstützen Sie die Wahrung der Menschenrechte in Tibet – www.savetibet.de

Alternativ können Sie natürlich auch zu Spenden für tibetische Flüchtlingskinder oder zur Beteiligung an einer unserer Online-Petitionen aufrufen. Vorschläge dazu finden Sie hier. Und sollten Sie Schwierigkeiten technischer Art damit haben, Ihre Mails für Tibet zu signieren, werden wir gerne versuchen, Ihnen dabei zu helfen.



Dalai Lama

„Die International Campaign for Tibet hat einen lobenswerten Beitrag zur Förderung von Menschenrechten und Demokratie in Tibet geleistet.“
14. Dalai Lama

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