International Campaign for Tibet
 

Tibet: Nomaden protestieren gegen Vertreibung / Petition an Behörden nennt Weideverbot „illegal“ / Hohe Geldstrafen angedroht

Ein Behördenvertreter gibt das Weideverbot für Nomaden im Landkreis Mangra (chin.: Guinan) bekannt. Das Bild wurde am 11. Juli auf der tibetischen Webseite Trimleng veröffentlicht. Zum Vergrößern bitte anklicken. Quelle: Trimleng

Berlin, 6. September 2017. Tibetische Nomaden haben mit einer Petition an die chinesischen Behörden gegen ein Weideverbot auf ihren traditionellen Sommerweiden protestiert. Dem Schreiben zufolge, das der International Campaign for Tibet (ICT) vorliegt, hätten die Behörden im osttibetischen Landkreis Darlag (chin.: Dari) am 8. August damit begonnen, die Nomaden samt ihren Herden von den Sommerweidegründen zu vertreiben. Den Tibetern sei ein Ultimatum gesetzt worden. Bis zum 23. August hätten sie die Gebiete zu verlassen, andernfalls drohten hohe Geld- und sogar Haftstrafen. Einer Quelle von „Radio Free Asia“ (RFA) zufolge sei dies einigen Nomaden jedoch nicht rechtzeitig gelungen. Daraufhin seien Einheiten der paramilitärischen Bewaffneten Volkspolizei (PAP) zum Einsatz gekommen. Diese hätten die Nomaden mit Gewalt von den Weidegründen vertrieben und ihnen jeweils Geldstrafen von 1.000 Yuan (ca. 128 €) auferlegt. Der Landkreis Darlag liegt in der Tibetisch Autonomen Präfektur Golog (chin.: Guoluo), die von der chinesischen Regierung der Provinz Qinghai zugeschlagen wurde.

Bereits im Juli hatten die Behörden im weiter nördlich gelegenen Landkreis Mangra (Guinan) ebenfalls tibetische Nomaden von ihren traditionellen Sommerweiden vertrieben. Einzelheiten darüber finden sich am Ende unseres Berichts „ICT Inside Tibet: Tibetan nomads make rare appeal against removal from grasslands“.

Die Petition der Nomaden von Darlag bezeichnet die Maßnahmen der Behörden als „illegal“ und beruft sich dabei sowohl auf die chinesische Verfassung und verschiedene Gesetze, wie auch auf langjährig geübten Brauch. Letztere würden durch das Weideverbot in ihr Gegenteil verkehrt. Die Petition appelliert an die Regierung, die „Interessen der Bevölkerung an die erste Stelle zu setzen“ und eine Entscheidung zu treffen, die sich im Einklang mit Gesetz und Brauch befinde. Die Nomaden verweisen darauf, dass die traditionelle Weidewirtschaft erwiesenermaßen gut sei für den Erhalt des Ökosystems des Graslands und mithelfe, die negativen Folgen des Klimawandels im Hochland von Tibet abzumildern. Den Text der Petition finden Sie in englischer Übersetzung am Ende unseres Berichts ICT Inside Tibet: Tibetan nomads make rare appeal against removal from grasslands“

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Die International Campaign for Tibet (ICT) setzt sich als weltweit größte Tibet-Organisation seit mehr als 20 Jahren für die Wahrung der Menschenrechte und das Selbstbestimmungsrecht des tibetischen Volkes ein. ICT unterhält Büros in Washington, D.C., Amsterdam, Brüssel und Berlin sowie ein Rechercheteam in Dharamsala, Indien.

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