„Chinesische U-Boote“ an deutschen Universitäten

26 Apr
26. April 2017

Keine guten Nachrichten aus Bonn: An der dortigen Universität soll am Donnerstag ein „Konfuzius-Institut“ eröffnet werden. Wie in anderen Fällen auch wird das Institut nicht von der Bonner Uni direkt betrieben. Als Träger tritt ein Verein auf, „in dessen Vorstand sowohl chinesische als auch Bonner Wissenschaftler sitzen“, wie der Bonner „Generalanzeiger“ schreibt. Federführend auf chinesischer Seite ist das „Büro für chinesische Sprachausbildung (Hanban)“, das der Zentralen Propaganda-Abteilung der Chinesischen Kommunistischen Partei untersteht. Dies hindert den Vorsitzenden des Trägervereins, den Sinologieprofessor Ralph Kauz, indes nicht an verharmlosenden Vergleichen, etwa mit der Konrad-Adenauer-Stiftung. Man könne am neuen Institut „über alles reden“, wird Kauz im „Generalanzeiger“ zitiert. Doch genau das ist fraglich. Denn nicht umsonst bezeichnete der ehemalige Propagandachef der Kommunistischen Partei Chinas, Li Changchun, die Konfuzius-Institute als „wichtigen Teil der chinesischen Übersee-Propaganda“. Und die kommt häufig in harmlosem Gewand daher, als „Abkehr vom Politischen und Hinwendung zu rein kulturellen Themen“, wie die Zeitung „Die Welt“ schrieb.

Die Konfuzius-Institute sollten helfen „das Negativbild Chinas als Land der Parteidiktatur, der Repression von Bürgerrechtlern, der Korruption und eines rohen Kapitalismus hinter einer bunten Fassade der Harmlosigkeit“ zu verstecken, schrieb etwa der Sinologe Heiner Roetz (zitiert nach „Die Welt“). Professor Roetz wurde denn auch in der „Süddeutschen Zeitung“ mit den Worten zitiert, er wolle kein „chinesisches U-Boot“ an seiner Universität haben. Doch Roetz vertritt offenbar eine Außenseiterposition unter den deutschen Sinologen. Dies, obwohl sich in den USA und auch in anderen Ländern schon vor einigen Jahren Kritik und Widerstand gegen die Konfuzius-Institute formiert hatte. So erklärte die „American Association of University Professors“ schon 2014 unmissverständlich in einem Statement zu den Konfuzius-Instituten in den USA: “Allowing any third-party control of academic matters is inconsistent with principles of academic freedom, shared governance, and the institutional autonomy of colleges and universities.” Während international mehr und mehr Kritik an den Instituten geäußert wird, begeben sich deutsche Universitäten indes, wie aktuell die Universität Bonn, auf Tauchfahrt mit den Konfuzius-Instituten, die von einem Regime gesteuert werden, das Pluralismus, Unabhängigkeit der Lehre und akademische Freiheit zu ihren Feinden („Financial Times“ – paywall) erklärt hat. Wo bleibt der Aufschrei der Universitätsmitarbeiter oder gar der Studentenvertreter?

Autor: Kai Müller, Geschäftsführer ICT Deutschland e. V.

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